KatharinaKFrüher schrieb ein Autor ein Buch. Danach rauchte er drei Jahre lang nachdenklich Pfeife, lief melancholisch durch Herbstlandschaften und stritt mit seinem Verleger über die Bedeutung des Schweigens im dritten Kapitel.
Heute schreibt man eine Trilogie zwischen Ostern und dem ersten Spargel.
Der Literaturbetrieb hat nämlich entdeckt, dass Bücher inzwischen ähnlich behandelt werden wie Joghurt: wichtig ist vor allem die Haltbarkeit im Regal. Kaum liegt der neue Bestseller auf dem Tisch, wird bereits gefragt, wann denn der nächste erscheine. Möglichst noch vor Weihnachten. Oder vor der Midlife-Crisis des Publikums.
Manche Autoren liefern deshalb jedes Jahr zuverlässig 400 Seiten ab. Das ist bewundernswert. Oder beängstigend. Man weiß es nicht genau. Vielleicht besitzen diese Menschen geheime Klonlabore oder einen Vertrag mit dunklen Mächten der Textverarbeitung.
Andere hingegen sitzen zehn Jahre lang an einem einzigen Roman. Sie streichen Kommas, hassen ihre Figuren, lieben sie wieder, werfen Kapitel weg und starren wochenlang aus Fenstern. Der Buchhandel nennt so etwas ?schwierig planbar?.
Nun tritt auch noch die KI auf den Plan. Sie schreibt auf Wunsch Gedichte, Dialoge, Liebesszenen und notfalls auch den melancholischen Förster aus dem Waldviertel. Schnell, höflich und ohne Schreibblockade.
Das Problem ist nur: Eine Maschine hat noch nie nachts um halb vier an einem Satz gezweifelt oder beim Schreiben plötzlich begriffen, dass sie eigentlich über sich selbst spricht.
Sie produziert Text. Der Mensch produziert manchmal Literatur. Das ist leider langsamer. Aber vermutlich genau der Grund, warum manche Bücher Jahrzehnte überleben und andere nicht einmal den Urlaub.