Der Traum
„Hilfe, Hilfe!“ hörte sie sich selber schreien, als sie Schweißgebadet mitten in der Nacht aufwachte. Sie saß senkrecht im Bett, und sie zitterte am ganzen Körper. Ihre Zähne klapperten, Tränen rannten ihre Wangen runter. „Was ist denn? Hast du wieder diesen Traum?“ Fragte ihr Mann, der von ihrem Geschrei aufgewacht war.
Unfähig etwas zu sagen, schmiegte sie sich an ihn. „Ich habe solche Angst.“ „Wovor denn hast du solche Angst?“ „Ich kann es nicht sagen, wovor, es ist nur alles so schrecklich
unheimlich.“
„Komm, versuche wieder zu schlafen.“
Während sie das Licht wieder löschte, hörte sie schon den gleichmäßigen Atem ihres Mannes . Sie lag noch lange wach in dieser Nacht. Wie viele Nächte vorher, - und viele Nächte danach.
Seit einigen Wochen hatte sie diesen Traum, er kam immer wieder. Und immer war es der gleiche Traum. Wann er genau anfing, konnte sie nicht mehr sagen. Er fing an, als sie ihren gemeinsamen Urlaub geplant und gebucht hatten.
Immer und immer wieder, hatte sie diesen Traum, den sie sich nicht erklären konnte. Er fing immer gleich
an, - "es war dunkel, sie war an einem unbekannten Ort, ein wahnsinniges lautes Geräusch kam auf sie zu, und dann schlug etwas mit einem gewaltigen Tosen über sie zusammen. Sie versuchte zu fliehen, doch es gelang ihr nicht. Das Geräusch wurde immer stärker, immer lauter, bis sie das Gefühl hatte, das Bewusstsein zu verlieren." Schließlich wachte sie auf.
Der Urlaub kam immer näher, sie hatte Angst vor diesem Urlaub. Sie sagte immer, dass sie überhaupt keine Lust auf diesen Urlaub hätte. Während ihre ganze Familie schon dem Tag der Reise entgegen fieberte.
Irgend Etwas will mich warnen, ging
ihr durch den Kopf. Doch sie wusste nicht vor was, oder wo vor. Ja, - es gab keine Auflösung zu dem Traum.
Der Tag war da. Sie fuhren in einem umgebauten kleinen Bus los, in dieses schöne Land. Irland.
Die Kinder waren gut gelaunt, denn es sollte eine Reise wie noch nie vorher werden. Es gab viel zu sehen, viel zu erleben. Sie waren glücklich. Eine Woche waren sie nun schon unterwegs, es waren schöne Tage. Die Träume schienen aufgehört zu haben. Sie übernachteten in „bed and breakfast“. Sie lernten viele nette Leute kennen. Es schien, als hätte sie Angst, und diese Albträume vergessen. Doch dann es war
in der Nacht, bevor sie auf das gemietete Boot gingen, da war er auf einmal wieder da, dieser schreckliche Traum, und er war schlimmer, und heftiger als all die anderen Träume vorher.
Sie hatten ein Boot für die zweite Woche gemietet, damit fuhren sie diesen wunderschönen Fluss, den Shanon river, durch Irland. Gerade passierten sie wieder eine Schleuse, als ihnen ein deutsches Ehepaar entgegen kam, die sich auf dem Rückweg befanden. Sie schwärmten von der schönen Fahrt, von Land und Leuten, aber sie rieten ihnen auch, sie sollten wenn es möglich wäre diesen See „
lough ree,“ nicht nach 17:00Uhr überqueren, denn da käme regelmäßig ein Sturm auf dem See auf. Es wäre dann sehr gefährlich.
Also beschlossen sie; “WIR“ übernachten auf der Seite vor dem See.
Sie verbrachten zauberhafte Stunden, sie tranken Kaffee, aßen Kuchen. Es regnete, jedoch das störte keinen von ihnen. Ihr jüngster Sohn paddelte inzwischen im Dingi Boot, das ist ein kleines Beiboot. Er trug seine rote Rettungsweste, obwohl er meinte, sie wäre unnötig, denn er war ja ein vorbildlicher Schwimmer.
SIE hatte es sich inzwischen in ihrer Koje mit einem Buch gemütlich
gemacht. Die zwei anderen Kinder, vertrieben sich mit Wortspielen die Zeit.
Ihr Mann fischte oben vom Bootsrand aus.
Es hielt ein großes schwarzes Auto, zwei Männer, beide schwarz gekleidet, und mit einem schwarzen Zylinder auf dem Kopf stiegen aus. „here is not so goot fishing,“ erzählten sie , aber drüben auf der anderen Seite vom Shanon, da gibt es viele Fische, da sollte er angeln. Und schon stiegen sie in das schwarze Auto, und fuhren davon.
Ihr Mann fragte, ob sie und die beiden Kinder mit gehen wollten. Ihre Tochter wollte mit, während ihr mittlerer Sohn
keine Lust hatte. Sie zog sich ihre gelbe Regenjacke, und Gummistiefel an. Ihr kleiner Sohn erklärte sich bereits sie über den Fluss zu fahren, damit sie nicht so weit laufen müssten. Natürlich übernahm ihr Mann das Ruder, doch dann teilten sich die Zwei die Ruder. Irgendwann auf dem Fluss fing das Boot an zu schlingern, „Papi, du ruderst falsch“ meinte der Kleine, ihr Mann hingegen, „kann nicht sein“.
Sie merkte, hier stimmt was nicht, fast wurde ihr schlecht. „Streitet euch nicht, Papa soll das Ruder alleine übernehmen.“
Sie hatte kaum diesen Satz gesagt, da ging alles rasend schnell, Das Boot
drehte sich rasend schnell, dann kippte es um.
Sie hörte ein wahnsinniges lautes Tosen. Dann schien alles aus zu sein. Als sie wieder zu sich kam schlugen gewaltige braune Wassermassen über ihr zusammen. Immer wieder zog es sie nach unten. Sie versuchte sich unter Wasser die Stiefel auszuziehen, denn sie steckte irgendwie fest. schließlich gelang es ihr, aber ihre Kraft ließ nach. Sie konnte nicht sagen, wie viel sie von dieser braunen Brühe schon geschluckt hatte. Weit und breit war niemand zu sehen, der ihr helfen konnte.
„Was soll’s sagte sie zu sich selber, alle sind weg, Vielleicht sind sie bereits
ertrunken? Ich kann auch nicht mehr.“
Sie konnte sich nicht mehr am Pfeiler der Schleuse halten. Sie ließ los. Sie hatte sich aufgegeben. Plötzlich ging ihr der Traum durch den Kopf. Dann spürte sie, wie jemand sie an den Haaren zog. „Mutti, ich hol dich raus.“ Sie erblickte ihren mittleren Sohn. Mit einem Bein stand er auf ein Stück Mauer, das andere Bein fand keinen Platz. Er schrie um Hilfe, doch da war noch immer niemand zu sehen. Endlich kam jemand und brachte einen Rettungsring.
Ihr Sohn warf den über ihren Kopf. Sie fühlte sich hochgezogen. Man fragte sie ob alles gut ist, doch sie fragte nach
Sohn, Tochter und Mann. Ein Mann, der sich später als Schleusenwärter ausgab, zeigte auf ihren Mann, und ihrer Tochter die sich eben am Ufer befanden. Sie fragte nach ihrem kleinen Sohn, der Schleusenwärter, zeigte auf ihren Sohn, der sie grad gerettet hatte. Es dauerte bis sie begriffen, dass da noch jemand fehlte.
Man suchte den kleinen Sohn, fünf Stunden dauerte es bis Taucher ihn endlich fanden. Er wurde fast an der selben Stelle gefunden, wo sie sich vorher festgeklammert hatte, und wo sie von ihrem Sohn gerettet wurde.
Ihr kleiner Sohn, warum? Warum? Sie hatte diese Vorahnung. Hätte sie nicht
alles verhindern können? Jetzt war dieser schreckliche Albtraum zur Wahrheit geworden. Warum hatte sie sich nie die Mühe gemacht, diesen Traum zu deuten, aus dem es ein unheimliches tödliches Erwachen gab. Nun war es zu spät. Ihr kleiner Sohn wäre 16 Tage später, 14 Jahre alt geworden.
Wo war sein Schutzengel?