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Igitt, - Igitt,- viele MADEN
Viele, viele Male hatte ich nun schon den "besten Ehemann" von allen zum Fischen begleitet. Doch seit einiger Zeit verspürte ich immer weniger Lust, ihn zu begleiten. Es war mir irgendwie zu langweilig. Dann begleiteten ihn die Buben, oder auch nur einer von Ihnen. Manchmal ging sogar unsere Tochter mit ihrem Papa zum fischen.
Doch so richtig glücklich war mein "Bester" nicht. "Komm doch wieder mal mit zum angeln." So nölte er immer wieder, wenn das Wochenende vor der Tür stand. " Nee, wirklich keinen Bock." Mein knapper Kommentar. Doch dann ließ ich mich wieder mal breitschlagen, ihn zu begleiten. Wir fuhren wieder zu dem schönen See.
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Und irgendwie gefiel es mir auch, wir hatten herrliches Wetter, und mein Mann hatte auch Angler Glück. Und an diesem Sonntag kam ich auf die Idee, warum konnte ich nicht auch angeln, dann würde es mir auch nicht mehr langweilig sein.
Vergessen mein "niemals, werde ich angeln," nein diese Idee seIbst zu fischen, wurde bei mir zu einer fixen Idee. Mein Artur, war ganz angetan von dem Gedanken. Und eines Tages kam er mit einem Jahresfischereischein für mich heim. Damals musste man noch nicht unbedingt eine Prüfung ablegen.
"So, jetzt kannste seIber Fische fangen."  Mit diesen Worten überreichte er mir strahlend den Schein. Nun stand meiner Angelei nichts mehr im Wege. Ja ich fieberte nun regelrecht unserem nächsten Angel Tag entgegen. Werd doch mal sehen, ob ich nicht eine besseren Fischerin werde, als mein "Bester".
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Endlich war das für mich lang ersehnte Wochenende da. Wir fuhren wieder zu diesem Traum See. Es ging mir nicht mehr aus dem Kopf; "ich will nun endlich selber Fische fangen." Nur WIE?  Wer hat es mir beigebracht? - Niemand. - Aber ich verließ mich dabei hundert prozentig auf meinen Ehemann.
Schnell hatten wir einen, wie mein "Bester" fand, einen geeigneten Platz gefunden. Wieder, wie immer,- das Selbe. Stühle aufstellen, und natürlich der grüne Schirm, ich glaub' s  doch nicht.   Aber wie gesagt, man weiß doch nie. Aber zur Ehrenrettung meines "Besten',  er zeigte mir schon, wie ich alles machen musste, z.B. den Haken bestücken. - Wir wollten heute Forellen fangen.  Also Wurm an den Haken, das war für mich eine Herausforderung. "Der arme Wurm!" rutsche es mir raus.
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"Das kann ich' nicht, ich kann den Wurm nicht an den Haken machen, nein, das kann ich nicht, machst du's mir, bitte!" "Stell dich doch nicht so dämlich an," gab er mir zurück, "wer fischen will, muss auch n' en Wurm an den Haken machen. *Stell dich nicht so dämlich an*, wurde dann zu einem seiner Lieblingssätze. Nur, hatte er denn alles gleich gekonnt? Er hatte einen Kurs besucht und eine Prüfung gemacht, also, ihm hat man es jedenfalls beigebracht. Weshalb kann er es mir nicht wenigstens etwas lieb zeigen, wie man dies alles macht? Nun er zeigte es mir, und wenn ich es nicht gleich verstand, kam dann wieder sein Lieblingssatz. *Stell dich nicht so dämlich an*. Wenn ich dann wieder vor Frust eine Depri bekam, meinte er fast liebevoll, "Komm, ich zeig's dir. Also ein guter Lehrmeister war und ist er bis heute nie gewesen.Â
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Was ihm fehlt? Nicht das Wissen, bestimmt nicht, denn das hat er, aber ihm fehlt die GEDULD.
"Das musst du halt seIber lernen." Aber wie denn? Muss ich mir wirklich alles seIber beibringen? Aber noch war ich begeistert. Also nahm ich den Wurm, mit spitzen Fingern, das war für mich eine riesige Überwindung, wie der Wurm zappelte. Den ersten hatte ich dann auch sogleich zwei geteilt. Der arme Wurm ging es mir immer wieder durch mein Hirn. Sicher würde es mir auch nicht gefallen, wenn man mich auf so einen spitzen krummen Haken aufspießen würde.  (Ich kann heute sagen, ich mache es immer noch nicht gerne, und deshalb nehme  ich heute, lieber einen Kunstköder.) Doch dann waren diese typisch weiblichen Gedanken verflogen.
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Ich hatte meine Angeln postiert, und wartete auf meinen ersten (zweiten) Fisch meines Lebens. Die Sonne brannte, ja sie meinte es heute wiedermal zu gut. So vergingen die Stunden, und irgendwie wurde ich nun doch etwa ungeduldig. Mein "Bester" hatte einen Brachsen, und an meiner Angel tat sich überhaupt nichts. Es ist also doch nicht so leicht einen Fisch an den Haken zu bekommen, wie ich es bisher immer dachte. Und das trotz meiner sprichwörtlichen Geduld. Und langsam verlor sogar ich diese.
Dösend hing ich in meinem Angelstuhl, da standen zwei Jungs bei uns. "Schon was gefangen?" Wollten sie wissen; "einen Brachsen", so mein Superangler, "sonst nix." Sie wollten wissen mit was wir fischten, und sie hatten so einige Ratschläge für uns parat. So richtige aufgeweckte Buben, genau wie ich sie mag, dachte ich.
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Sie redeten übers Angeln  als täten sie sonst nichts anderes, als  nur angeln. Und so überzeugten sie uns auch, dass wir es doch mal mit Maden versuchen sollten. "Igitt" entfuhr es mir, "ich lange keine Maden an." Und da wir natürlich gar keine Maden dabei hatten, boten die Jungs uns welche von sich an. Drüben, am Brückchen tummelten sich die Forellen, und sie hatten auch schon welche gefangen. Erzählten sie uns. So zogen wir nun rüber zum Brückchen. Tatsächlich! -  Mensch waren da viele Forellen.
Mein Mann zog zwei Maden auf einen Haken, und da ich diese Dinger absolut nicht anfassen konnte, weil ich jedes Mal einen Brechreiz bekam, tat er ausnahmsweise, wie er es betonte, auch eine Made an meinen Haken.  Großzügig, dachte ich, für mich nur eine Made. - "Die nächste musste aber alleine dranmachen."Â
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 Doch bevor ich etwas erwidern konnte, zog mein Schwimmer ab. - Eine herrliche Forelle, hatte ich am Haken. Ich war stolz, wie Bolle, und was soll ich sagen, - die Made war auch noch immer am Haken dran. Als ihn mein "Bester" aus dem Maul der Forelle entfernt hatte, die er auch waidgerecht in den Fischhimmel befördert hatte. Also dafür war ich ihm sehr dankbar, selbst heute übernimmt diesen Akt fast immer mein "Bester." Und das muss ich hier nun mal lobend erwähnen. Die zweite Forelle ließ auch nicht lange auf sich warten, und wieder konnte ich die Made erneut benutzen. Mit nur einer einzigen Made, und die habe ich nie angefasst, - Weil! die  mein "Bester" an den Haken getan hatte, fing ich doch wirklich drei Forellen.
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 Der Fährnis  wegen, muss ich aber zugeben, auch mein Artur  fing noch seine Forellen. So hatten wir doch einen wunderschönen, und erfolgreichen Angel Tag erlebt.
Ich freute mich schon auf den nächsten Angeltag.
© Eisblume/Christa Philipp
9.4.2009
Fortsetzung folgt
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Diese Geschichte widme ich meinem allerbesten Fischer, vor dem Herrn.
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Alle Rechte vorbrhalten
Idee ud Gestaltung, Cover:
© Eisblume/Christa Philipp
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