Biografien & Erinnerungen
Wie riecht der Beruf?

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"Wie riecht der Beruf?"
Veröffentlicht am 24. März 2013, 6 Seiten
Kategorie Biografien & Erinnerungen
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Über den Autor:

einer der auf dem Weg ist ...
Wie riecht der Beruf?

Wie riecht der Beruf?

 

 

Wie riecht der Beruf

 

Sehr früh habe ich den Geruch der Steindrucker kennengelernt.

Das Büro meines Vaters war im Haus einer Steindruckerei und instinktiv blieb mir der Geruch in der Nase hängen. Auf der einen Seite roch es nach Papier, andererseits nach Druckerfarben, die mit Terpentin angemacht wurden. Eine seltene Mischung.

 

Bäckerei

 

Mit 12 Jahren übernahm ich den Job meines Bruders: Sauber machen in der nachbarlichen Bäckerei. Dort duftete es am Morgen. Der Duft von frischen Brötchen, von Brot und als Krönung von Blechkuchen waberte durch die Backstube und verband sich mit der Abrundung von Bohnenkaffe - Aufbrüharoma.

Zur Faschingszeit dominierte ein Fettodem, dann wurden Kameruner und Pfannenkuchen in heißem Öl gesotten.

Zuckerdünste brannten sich in die Wandfarbe ein und wurden in regelmäßigen Abständen abgewaschen.

Der ultimative Duft, der durch das ganze Viertel zog, entstand kurz vor Weihnachten,wenn die Hausstollen gebacken wurden. Gute Butter, fernöstliche Aromen wie Zitronat und Orangat verbanden sich mit dem ungewohnten Duft von Rosinen und Rum.

Abartig roch die Mischung von Mehlstaub und Wasser. Es war aber nötig, denn nach getaner Arbeit wurden alle Räume und Geräte geputzt und gewienert. Selbst der Brotschragen, der schwarz von der Brotunterseite geworden war, wurde wieder hell, nach intensiver Bearbeitung mit der Wurzelbürste und IMI Wasser.

Zum Abschluss und als Lohn aller Mühen, strich wieder Kaffeegeruch durch das stille Haus.

 

Fleischerei

 

Unser Vater wurde zum Leiter eine Fleischerei berufen, ein Parteiauftrag. Logischerweise motivierte er meinen Bruder und mich zum Geldverdienst in den „langen“ Ferien.

Schon beim Eintreffen in der Konsumfleischerei wehte uns der leckere Rauch der Räucherei entgegen und von der Würzkammer kam ein Mischduft aus Pfeffer, Majoran, Muskat, Knoblauch und mehr um die Ecke. Der Hauptgeruchsanteil war Fett in allen Spielarten. Speck oder Kochwurst, Frischfleisch oder gekutterte Masse (Brät) hatten eigene Nuancen. Wenig angenehm roch es in der „Darmbude“. Zwei Männer wuschen tagein tagaus die Därme mit Wasser aus und bereiteten sie so zum Befüllen vor. Neben der „Darmbude“ war der Knochenbunker und wen wundert es, der war echt grenzwertig.

In den ersten Tagen meinten wir, dass Wurstessen würde uns vergehen, aber die Liebe zu guter Wurst hat sich bis heute erhalten.

 

Glasbläserei

 

Wer denkt, so eine Glasbläserei riecht nicht, der hat sich geirrt.

Dominant ist der Gasgeruch. So hat es schon bei Opa Sizzo gerochen. Rückstände der Gasverbrennung riechen eben nach Gas. Nebenbei kommt der Geruch, der entsteht, wenn ein gefetteter Auftreiber mit der Flamme in Berührung kommt.

In meiner Lehre als Glasapparatebläser war dieser Eindruck überall präsent und nach kurzer Zeit hat man ihn nicht mehr vordergründig wahrgenommen.

Vielleicht war auch noch der Geruch von Bohnerwachs vorhanden, denn damals wurde noch gebohnert.

 

Porzellanfabrik

 

Mutti war in der Porzellanfabrik, im Büro des ökonomischen Direktors angestellt.

Wenn wir sie besuchten bemerkten wir, dass es endlos nach Pfefferkuchen duftete. Leider gab es dort keine Pfefferkuchen. Die Porzellanfarben, besonders das Kobaltblau waren die Ursache. Damit war uns klar, Kobaltblau riecht appetitlich.

In der Hütte roch es nach Kaolinschlicker, Maschinenfett und der Asche der Rundöfen, die über 36 Stunden brannten, wenn sie befüllt waren.

Manchmal mischte sich auch der unverwechselbare Petroleumgeruch unter, dann wurden irgendwo Teller oder Tassen beschliffen.

Die Packereien hatten ihren typischen Holzwolleduft und ich könnte mit geschlossenen Augen bestimmte Bereiche identifizieren.

 

Büro

 

Bürogeruch ist fast immer gleich.

Dominat ist Papier und der Abrieb von Farbbändern. Manchmal auch der Duft der Sekretärinnen und früher war es ohne Zweifel Zigarettenrauch (kalt oder frisch).

Bürostaub hat seinen eigenen Geruch. Gleichzeitig fällt auf, dass die Büros eher arm an Nuancenvielfalt waren. Es waren eben Orte, wo etwas verwaltet wird.

Wenig Zutaten, wenig Würze – nur BÜROkratie.

 

 

23032013 jfw

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Boris
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baesta Ja, so hat jeder Beruf - so seine gerüche ausgestrahlt

Liebe Grüße
Bärbel
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