Die Via haben es geschafft einen Brückenkopf zu errichten. Schwer beschädigt treibt die Kronos in der Leere, während die überlebende Besatzung einen Weg sucht, zur Erde zurückzukehren. Währenddessen wird Rafail Coel von Visionen geplagt, die ihn an den Rand des Wahnsinns treiben. Das kurzzeitige Bündnis mit den Artheranern droht zu zerbrechen. Und immer mehr Kolonien spalten sich vom menschlichen Parlament ab. Bildquelle : Two giant sun in space. Fotalia.com
Kaltes Wasser das ihr über die Hand strömte. Aine setzte sich an den Rand des kleinen Wasserlaufs, der einige Kilometer weiter aus einem Berg entsprang. Vermutlich Schmelzwasser von einem Gletscher, der sich trotz der hohen Temperaturen irgendwie hielt .
Sie war den Großteil des Wegs hierher gerannt um den Kopf frei zu kriegen und erst hier, hatte sie sich selbst gezwungen wieder langsamer zu werden.
Das stetige pulsieren der Schnittwunde an ihrem Arm hatte sie dazu gebracht sich hinzusetzen. Die Wunde war tief, wie sie schon befürchtet hatte und der stetige Blutverlust machte sich langsam bemerkbar, wenn die Verletzung auch sicher nicht tödlich war.
Jeder bessere Arzt, ob Artheraner oder Mensch hätte die Wund in wenigen Augenblicken versorg. Aber das hatte Zeit…
Aine ließ einen Fuß ins Wasser hängen, während sie die Wunde versorgte und einem düsteren Gedanken nach dem anderen folgte.
Sie hatte den Rat zur Rede gestellt. Noch vor knapp einem halben Jahr wäre es ihr nicht einmal eingefallen, eine Entscheidung auch nur zu hinterfragen. Wie schnell sich manches ändern konnte. Wie schnell sie sich geändert haben musste…
Das Geräusch von Schritten hinter ihr ignorierte sie, bis es verstummte.
,,Sei verflucht, das ich dich nicht mal dafür hassen kann.“ , erklärte sie.
Coel setzte sich neben sie ins Gras. ,, Ich könnte es zumindest verstehen.“
,, Aber ich kann es nicht. Ich hab es verlernt. Durch dich.“
Er schüttelte den Kopf. ,, Niemand kann aus dir jemanden machen, der du nicht bist oder dir etwas beibringen, das du nicht auch selbst erkennen könntest. Manche brauchen lediglich einen kleinen Schubs. Ich bin nur ein alter Narr, der immer noch glauben möchte, es gäbe so etwas wie Frieden. “
,, Also denkst du nicht mehr, das es eine Chance gibt ? Das all das hier alles ohnehin sinnlos ist, weil egal wie es ausgeht, am Ende doch nur der nächste Konflikt, der nächste Krieg steht?“, wollte Aine wissen.
,, Nein, nein… der Tag an dem ich anfange das zu glauben ist der Tag an dem aus mir etwas wird, das ich ganz sicher nicht sein möchte.“
,, Das wirst du nicht. Wie du sagtest, ich kann nichts sein, das ich nicht bin. Und du genau so wenig.“
,, Dann solltet ihr mich fürchten. Und beten, das du recht hast.“ Er dachte an sein eigenes Spiegelbild… der ausgezehrte Mann… Sahen Aine und die anderen das? ,, Ich habe Angst eines Tages aufzuwachen und im Spiegel nur die Augen eines Monsters zu sehen. Weil ich weiß, dass ich es sein könnte. Ich habe Angst eines Tages nicht mehr weiter kämpfen zu können. Weil ich weiß, dass ich das möchte. Also, was siehst du in mir?“
,, Du hast einfach immer so ein funkeln in den Augen.“ , sagte Aine unsicher.
,, Was ?“ , er blinzelte verwirrt.
,, Ja.“ , meinte sie lachend. Und dieses lachen war alles, was er im Moment brauchte. Er hatte einen Anker… er hatte etwas, für das er leben und kämpfen konnte, selbst wenn alles andere versagte.
,, Ich weiß auch nicht. Das ist einfach verrückt.“
,, Nicht verrückter als alles andere. Wann hast du….“ , jetzt war es an ihm unsicher zu werden. ,, gemerkt das… „ Er verstummte und nahm ihre Hand.
,, Ich kann dich das gleiche fragen.“ , meinte die Artheranerin.
,, Ich hab dich immer gemocht. Ich habe eine Schwäche für Leute, die mich abgrundtief hassen und bei erster Gelegenheit umbringen würden. Vielleicht habe ich mich auch nur schon daran gewöhnt.“
Eine Weile saßen sie einfach nur schweigend da. Coel folgte mit dem Blick einigen Blättern, die im Strom des Wassers mitgerissen wurden.
,, Ich denke Artherium.“
,, Was ?“
,, Du sagtest…“
,, Manchmal muss man darauf hoffen, das alte wiederzusehen. Auch wenn es durchaus vergangene Dinge gibt, auf die ich gerne verzichte.“ , fügte Coel hinzu.
,, Dafür hätte ich dich auf der Stelle küssen können. Es war einfach richtig. Aber wirklich gewusst habe ich es erst als wir alle dachten du stirbst…“
Sie schien den Tränen nahe. Etwas so ungewöhnliches, das Coel kur verunsichert war. Dann nahm er sie in den Arm. Normalerweise war die Artheranerin kalt und blieb immer ruhig.
,, Schon gut.“ Er spürte ihre Hände auf seinen Rücken und wusste, dass sie dort die zahllosen Narben und alten Verletzungen erstasten mussten. Ihre Lippen fanden sich in einem ihm endlos erscheinendem Kuss. Es war zu fantastisch… zu unvorstellbar…
Vielleicht könnte er einmal aufhören nachzudenken…
,, Vielleicht braucht alles einfach mehr Zeit.“ , meinte er.
Eine Weile saßen beide nur am Wasser und sahen über die Grasebenen hinaus.
,, Ich muss sagen, ich bin immer wieder beeindruckt wenn ich mir vorstelle, das sie nur zehn Jahre gebraucht haben um das alles hier aufzubauen.“ , meinte Adams.
Er hatte sein Angebot, sich die Schiffe anzusehen eingelöst und zu seiner Überraschung waren ihm die wenigsten Artheraner wirklich feindselig begegnet.
Die meisten zeigten eher eine reservierte Höflichkeit. So wie der, der ihn zu den Schiffswerften ein Stück hinter der Siedlung gebracht hatte.
,, Zehn Jahre sind viel Zeit.“ , meinte dieser, ein Mann namens Malik, der ,wenn er das richtig Verstanden hatte, wohl zum Haus Katlaron gehörte und Vaas unterstand.
Bei einem von Darweens Leuten hätte er sich weit mehr Gedanken gemacht.
Es gab über ein Dutzend Gruben mit Gerüsten an den Wänden, in denen halbfertige und grade erst im Aufbau befindliche Schiffe lagen.
Manche waren nicht mehr als ein paar Metallstreben, die bereits die grobe Form vorgaben.
Sie gingen am Rand eine dieser Gruben entlang, in dem sich ein bereits fertiges Schiff befand, das man wohl zu Wartungszwecken gelandet hatte.
Vermutlich wollten sie sich genau dieses ansehen.
Von außen gab es keine sichtbaren Beschädigungen, aber diese hätten die Artheraner wohl auch ohne seine Hilfe leicht reparieren können.
Adams wurde bei Schwindlig bei dem Gedanken, wie viele Meter wohl zwischen ihm und dem Boden der Werftgruben lagen. Ein kleines Geländer lief am Rand des Abgrunds entlang.
,, Ich hoffe ihr seid Schwindelfrei ?“ , fragte er.
,, Wenn man hier arbeitet, wird man das besser.“ , erwiderte sein Begleiter.
,, Und wo nehmen sie die ganzen Ressourcen für diese Schiffe her ? Ich wüsste nicht, das die Artheraner eine Kolonie errichtet haben.“
,, Brauchen wir nicht. Am südlichen Pol des Planeten gibt es riesige Gebirgszüge, die fast vollkommen aus verschiedenen Metallerzen bestehen. Die Siedlungen in dieser Gegend sind nur damit beschäftigt, diese abzubauen. Das meiste, was wir für den Rohbau brauchen, finden wir direkt auf Eos. Und das was wir nicht in ausreichenden Mengen selbst herstellen können… nun irgendwie lässt sich alles besorgen. Es gibt genug Kolonialgouverneure, denen egal ist, von wem das Geld stammt, das sie ausgeben. “
,, Ich vermute, die Abspaltung einiger unserer Kolonien kommt ihnen dann zu gute.“ , stellte Adams fest.
Der Artheraner öffnete eine Tür, die hinaus auf eines der Gerüste führte. ,, Nicht so sehr, wie sie vielleicht glauben. Die Kolonien, die sich losgesagt haben, sind uns gegenüber erst recht misstrauisch. Besonders, wenn man sie um Waren bittet, die man zur Waffenfertigung nutzen kann.“
,, Verständlich…“ Er zögerte hinaus auf das Gerüst zu treten.
,, Keine Sorge, die sind fest verankert.“ , sagte Malik.
,, Wen sie das sagen.“ , meinte er. Kurz blieb er noch unsicher stehen, dann trat er auf den Metallenen Gitterboden. Ein Drahtzaun schirmte die Seite des Konstrukts ab, das zur Grube hin offen war.
,, Hier entlang.“
Langsam folgte er Malik. Sie passierten eine Stelle, an der eine Treppe hinunter auf eine tiefere Ebene des Gerüsts führte, gingen aber weiter, bis sie zu einem Fahrstuhl kamen. Es war ein simpler Drahtkäfig, der sich über eine Schalttafel bedienen ließ und sich absenkte, sobald sowohl Malik als auch Adams ihn betraten.
Adams sah zu, wie die verschiedenen Gerüstebenen an ihnen vorbeizogen.
Es befand sich fast niemand sonst darauf, nur vereinzelte Arbeiter, die die Gerüste selbst überprüften, nicht jedoch das Schiff.
Der Abstieg dauerte bereits einige Minuten und die letzte Ebene schein immer noch ein Stück entfern.
,, Gibt es hier eigentlich viele Unfälle ?“ , fragte Adams, der immer noch unbehaglich in die tiefe sah.
,, Wir achten darauf, alles zu tun, um das zu verhindern. Niemand darf alleine auf einer Ebene arbeiten und alles, was mehr als fünf Meter über dem Grubenboden liegt, wird nur mit entsprechender Sicherheitsausrüstung betreten werden. Wir sind zu sehr auf jeden einzelnen angewiesen, als das wir uns viele Unfälle erlauben dürften.“
,, Ich verstehe.“
Nach einer weiteren Minute blieb der Aufzug schließlich stehen.
Sie hatten die unterste Ebene der Grube erreicht und der Rumpf des Schiffes ragte nun über ihren Köpfen auf.
Es war keines der großen Schlachtschiffe, diese waren zu schwer um damit auf einem Planeten mit durchschnittlicher Schwerkraft zu landen, oder auch nur in die Atmosphäre einzutreten, aber immer noch groß genug, das Adams dem Piloten und Navigatoren an Bord Respekt zollen musste. Es war schon schwierig ein Raumschiff einfach nur zu landen, dann aber auch noch derart zielgenau…
,, Können wir weiter ?“ , fragte Malik, der sich an ihm vorbeidrängte und auf den Steg hinaus trat, der das Gerüst mit dem Schiff verbannt.
,, Ihnen ist klar, dass sie ihre Zeit verschwenden, wenn sie glauben einen Angriff auf Artherium verhindern zu können.“
Martin blieb stehen. Er war Elth gefolgt, um sich noch einmal mit dem Mann zu unterhalten. Von den vieren schein er wohl derjenige zu sein, der am ehesten auf ihrer Seite stand.
,, Wieso, sind sie etwa auch dafür ?“ , fragte er. Sie befanden sich immer noch auf dem Platz vor dem zentralen Turm.
,, Ich fürchte, meine Meinung hat hiermit wenig zu tun.“ , entgegnete Elth Krodis. ,, Der Rat kann diese Gelegenheit nicht einmal verstreichen lassen, wenn wir es wollten. Jeder von uns ist abhängig von der Unterstützung seines jeweiligen Hauses. Und die Entscheidung nichts zu tun wäre recht… unpopulär.“
,, Wahnsinn… Politik ist einfach überall gleich bescheuert.“ , stellte Martin fest.
,, Vermutlich.“ Elth zögerte. ,, Wie gesagt, wir können nichts verhindern. Aber wenn sie uns Informationen geben könnten… könnten wir die Verluste vielleicht reduzieren.“
,, Und mit uns meinen sie sich. Und wenn ich ihnen die gebe… können sie ihre Position stärken.“ , stellte Martin fest.
Elth zögerte. Offenbar war er von der Unterstellung des Menschen überrascht oder verunsichert, das dieser seien Absichten durchschaut hatte.
,, Ich sage nicht, das ich daraus nicht auch einen Vorteil für mich gewinnen würde und ich leugne es auch nicht.“ Der junge Artheraner machte eine Pause. ,, Aber wenn sie uns helfen, es steht mir nicht zu sie um irgendetwas zu bitten, aber es würde Leben retten.“
Martin hielt inne. ,, Ich kann ihnen nichts versprechen.“ , meinte er. ,, Und ich will auch keine Entscheidung für Coel oder Adams treffen.“
,, Ich verstehe.“
,, Also warten wir…“
Elth schüttelte den Kopf. ,, Ich kann schlecht den ganzen Tag verschwenden. Aber wenn sie wieder hier sind, suchen sie mich auf.“ , mit diesen Worten verließ der Artheraner den Platz und verschwand in den Straßen. Martin blieb alleine zurück. Alleine mit dem seltsamen Gefühl beobachtet zu werden.
Und langsam wurde ihm klar, dass es nicht die Artheraner waren.
Er suchte die Fenster der umliegenden Gebäude ab, konnte aber nichts entdecken. Die wenigen Artheraner , die ihm begegneten, gingen weiter ohne ihn groß zu beachten. Jemand war da draußen… Der Gedanke gefiel ihm gar nicht.
,, Dame auf 4D. Schach. Sie hätten 42 offensichtliche Möglichkeiten gehabt, diesen Zug zu verhindern.“ , behauptete Hal
,, Hmm…“ Seyonn hörte nicht zu, führte den Zug aber für die KI aus. Eine Weile starrte er gedankenverloren auf das Spielbrett. ,, Ich gebe auf“, sagte er schließlich und verpasste der schwarzen Königsfigur einen Schubs mit dem Finger. ,, Die Runde geht an sie.“
,, Was ist los ?“
,, Ich habe nur die ganze Zeit das Gefühl, etwas Wichtiges zu übersehen. Diese Symbole…“ Er nahm sich einen Stift , den irgendjemand in der Kantine liegen gelassen hatte.
Auf der Kronos war grade Schichtwechsel und für die nächsten Fünf Minuten oder länger würde das Schiff wie ausgestorben sein.
Die einzigen Lebewesen auf den Fluren waren der Unity-Abgesandte und, wenn man von Hal absah, ein Wartungsmechaniker ein paar Decks unter ihnen, der seit Stunden versuchte, ein durchgebranntes Leitungskabel zu finden.
Er kritzelte Rasch einige Symbole und Zahlen auf die Tischoberfläche. ,, Das hier hat Coel aufgezeichnet, als er über das Erbauer-Archiv verfügte. Wenn Utgar Recht hat, sind es lediglich Koordinaten, für etwas, das vermutlich schon vor Jahrtausenden zu Staub zerfiel, aber trotzdem…
,, Sie würden danach suchen.“ , stellte Hal fest.
,, Ich weiß, wir haben im Augenblick größere Probleme, aber ich würde mich gerne überzeugen, das da wirklich nur Staub ist. Die Brücke war Jahrtausende verborgen und jetzt sehen sie ja, was wir davon hatten, uns nicht darum gekümmert zu haben.“
,, Wenn wir Eos verlassen, wäre Artherium wohl so oder so unser einziges Ziel.“
,, Ich hoffe mal, das wir dann keine artheranische Flotte haben, die auch auf dem Weg dorthin ist.“