Alles im Leben hat zwei Seiten. Außer es hat drei. Eine Geschichte, die noch erzählt werden muss. Von einem außergewöhnlichen jungen Mann, der Kunst und des Schicksals, das eine Welt für immer verändern sollte
Corinthis fühlte sich unwohl, als er dem Palast näherkam. Was teilweise wohl auch an der für ihn ungewohnten Kleidung lag. Als er sich das erste Mal im Spiegel gesehen hatte, eine polierte Metallplatte, die in der Werkstatt hing, solange er sich zurückerinnern konnte, hatte er Mühe gehabt, sich wiederzuerkennen.
Normalerweise trug er schlichte Kleidung und das war ihm auch recht so.
Die Sachen jedoch, die Keltor für ihn besorgt hatte, waren da das genaue Gegenteil. Eine dunkle Weste aus Brokatstoff, der für die Jahreszeit viel zu warm war und ein weißes Seidenhemd , dessen Stoff wohl aus den Webereien von Ethilion stammen musste. In den großen ausgedehnten Wäldern welche die Stadt umgaben lebte eine Mottenart, deren Seide für das Nähen von Kleidung nahezu Ideal war, aber die Verarbeitung und Gewinnung war Schwierig und Aufwendig. Ethilion-Seide gehörte zu den Wertvollsten ihrer Art und wurde von manchen auch als gewebtes Mondlicht bezeichnet und besaß den Gegenwert von Silber. Wussten die Nardor , wie Keltor da ran gekommen war, den normalerweise stellte es eine Unmöglichkeit dar, bei einem Schneider ohne vorherige Wartezeit an Ethilion-Seide zu gelangen. Zusammen mit dem Klingenstab wäre er vermutlich überall als Adeliger oder reicher Kaufmann durchgegangen.
Mittlerweile war es vollkommen Dunkel in den Straßen Inglarions . Die wenigen flackernden Lichter die er hinter einigen Fenstern erkennen konnte reichten nicht aus, um die Finsternis zu durchdringen und wirkten wie verlorene Sterne in der Schwärze ringsherum. Eine Schwärze , die je durchbrochen wurde, als er etwa die Hälfte des Weges zum Palast hinter sich gebracht hatte.
Ein heller Blitz jagte über den Himmel, er dachte zuert an eine Sternschnuppe, nur um Sekunden später in einem Regen aus Farben zu detonieren. Der Knall ließ ihn kurz zusammenzucken, bis er erkannte um was es sich dabei handelte. Ein Feuerwerkskörper, der die Straßen kurz in purpurnes Licht tauchte. Wenige Augenblicke später folgte bereits der nächste Blitz auf und verglühte hell leuchtend am Himmel. Der Rest seines Wegs wurde durch die Farbigen Explosionen am dunklen Himmel erhellte, die Fassaden der Hauser abwechselnd in Purpurnes, violette und grünes Licht getaucht und die farbigen Funken am Himmel ließen mal schöne, mal fast bedrohliche Figuren entstehen. Der Geruch von verbranntem Salpeter erfüllte die Luft.
Während er sich dem Palast näherte, wurden die Straßen wieder belebter. Die eigentlichen Feierlichkeiten fanden im Innenhof des Bezirks statt, aber dort waren nur die geladenen Gäste, meist Adelige oder wichtige Würdenträger zugelassen. Und natürlich er.
Die Einwohner von Inglarion ließen es sich allerdings nicht nehmen rund um den Palastbezirk ihre eigene Version des Jahrestags zu feiern. Dutzende von fahrenden Händlern, die man nicht in den Palast ließ und Gruppen von Gauklern zogen Besucher aus allen Stadtteilen an. Ein Mann jonglierte mit Fackeln, an einer anderen Ecke verkaufte ein Bäcker seine Waren, vor allem Kinder griffen bei den Angebotenen Leckereien zu. Hier und da tanzten kleinere Gruppen von Leuten mitten auf der Straße zu den Melodien einiger Wanderbarden, die wohl ebenfalls die Gelegenheit ergriffen hatten und all dies fand im farbigen Schatten, des immer noch hoch über ihnen verglühenden Feuerwerks statt.
,, Corinthis, hier drüben.“ Keltor löste sich aus einer Gruppe von Menschen, mit denen er sich wohl vorher unterhalten hatte und winkte ihn heran. ,, Ich dachte schon ihr taucht gar nicht mehr auf.“
,, Ich hatte darüber Nachgedacht.“ Sie suchten sich ihren Weg durch den Trubel auf der Straße in Richtung der Treppe, die sie auf das Palastgelände bringen würde.
Dieser war im mittlerweile Bewacht. Drei grimmig dreinblickende Inquisitoren, in den typischen vergoldeten Rüstungen der kaiserlichen Leibgarde versperrten den Durchgang und schreckten vermutlich schon allein durch ihre Präsenz jeden ab, der nicht Eigeladen war.
Corinthis wäre am liebsten draußen auf den Straßen geblieben. Hier kannte er zumindest einige Gesichter, auch wenn die meisten davon ihn in seiner neuen Kleidung überhaupt nicht mehr erkennen konnten.
Die drei Wachposten traten ohne ein Wort zur Seite, und ließen sie passieren, während im selben Moment ein letzter Feuerwerkskörper am Himmel verglühte und die Straßen für einige Augenblicke in taghelles goldenes Licht tauchte.
,, Ach kommt schon, das wird schon nicht so schlimm werden.“ Keltor gab ihm einen kleinen Schubs die Treppe hinauf.
,, Ja.. sicher.“
Der große Platz war nicht wiederzuerkennen. Fackellicht erhellte die weite Fläche und wurde vom Marmor reflektiert, so dass es beinahe Taghell war. Mehrere große Tische waren über den Platz verteilt aufgestellt worden und drohten unter der Last der darauf lastenden Speisen zusammenzubrechen. Trauben aus dem Süden, Obst, und mehrere Ochsen. Eine Verschwendung, wie Corinthis befand. Hunderte von Menschen, die meisten davon in teurer goldbestickter Kleidung standen oder saßen an den Tischen oder an der aufgestellten niedrigen Holzbühne, auf der einen kleinen Truppe Gaukler die anwesenden Adeligen unterhielt. Nur die große Tribüne vor dem Palast war momentan noch leer…
Es war nicht wirklich anders als draußen aber, künstlicher. Die meisten Anwesenden waren nicht hier um zu feiern. Der Krönungstag war für sie allerhöchstens eine Chance, sich beim Kaiser gefällig zu machen oder Kontakte zu knüpfen, die ihre Position stärkten. Denn letztlich war der Kaiser der alleinige Kopf des Reichs. Baratas allein bestimmte, welche Städte und Güter an welchen der versammelten Adeligen vergeben wurden und er konnte ihnen diese auch jederzeit wieder entziehen. Somit waren sie darauf angewiesen in seiner Gunst zu bleiben und nur so konnte das gewaltige Kaiserreich zusammengehalten werden, ohne das einzelne Elemente Versuchten sich Selbstständig zu machen. Alle Macht in einer Hand…
Die Wahrheit war wohl eher, dass dies Ert äußerst anfällig machte. Oder dies getan hätte, wäre da nicht die beinahe religiöse Ehrfurcht, die unter den Bürgern vor dem angeblich göttlichen Kaiser geschürt wurde. Hätten diese Leute gesehen, dass es nur ein Mensch war, den sie so fürchteten… Corinthis hätte gewettet, dass die meisten genau so überrascht und enttäuscht gewesen wären wie er. Und nur um diesen Schein zu wahren wurde diese ganze Zier hier aufgebaut und nur deshalb fand diese Feier überhaupt statt, zur Bestätigung und als Ausdruck der Macht des Kaisers.
Plötzlich verstummten alle Gespräche auf dem Platz, wie auf ein Geheimes Zeichen hin, bis nur noch das Zischen der Flammen und die leisen Stimmen von der Straße die Stille durchbrachen.
Auf der Tribüne erschien endlich eine Gestalt im Licht, welche Corinthis sofort als die des Kaisers erkannte.
Der Monarch trug ein goldenes Ornat, welches das Licht streute und den Mann in einem unnatürlichen Schein tauchte. Wie hatte es der Kaiser erläutert… Symbole, nichts weiter. Aber für das Volk waren sie wichtig.
Baratas wartete noch einen Moment, bis auch die letzten Gäste bemerkt hatten, was los war, dann begann er zu sprechen.
,, Zuerst einmal ein Dank an alle, die die Zeit fanden den heutigen Abend zu besuchen.
Vor 30 Jahren“ , begann er, ,, stand ich bereits einmal hier. Seit damals hat sich viel verändert. Nur eines nicht. Meine Entschlossenheit weiterhin alles zu tun, was dem Schutz unserer Bürger und natürlich euch, vor der Geisel der Magie und Niob erfordert. Heute möchte ich jenen gedenken, die diesem Kampf ihr Leben verschrieben haben. Der dank des Kaisers gilt der Inquisition“
Eine Gruppe von Inquisitoren, die wohl das Fest überwachten brach daraufhin in Beifall aus. Vermutlich war das Ganze ein bereits im Voraus abgesprochener Vorgang. Fast alle Adeligen brachen ebenfalls in Beifall aus, einige Riefen sogar. Die meisten jedoch schienen desinteressiert und beobachteten den sprechenden Kaiser mit versteinerten Mienen. Ihnen war genau so klar, dass dies alles lediglich ein großes Schauspiel war.
,, Außerdem möchte ich bekanntgeben, das die Ahnengalerie des Palastes nun vervollständigt wurde, dazu wurde ein Künstler aus der Stadt mit einem Porträt beauftrag.“
,, So sieht es aus..“ , erwiderte er und drehte sich ohne ein weiteres Wort um. Erneuter , erwarteter Beifall.
,, Ich glaube nicht, das ich mir das länger antue.“ , meinte Corinthis zu Keltor.
,, Du willst gehen ?“ , fragte dieser.
Mittlerweile war der Kaiser wieder von der Tribüne verschwunden. Corinthis bezweifelte, dass sich der Mann unter die Gäste begeben würde. Alles um den Schein zu wahren, nicht wahr…
Langsam begann er diese Leute hier zu hassen obwohl er keinen einzigen kannte oder sich nur mit ihnen Unterhalten hatte. Und eine schwache ferne Stimme schien sich erneut in den Vordergrund zu drängen. Wer gab ihnen das Recht… und nicht ihm. Alle waren sie ersetzbar, nur Schachfiguren und Puppen, Gefangen in einem endlosen Kreis aus Ritualen und Scheinwirklichkeiten.
Wie viel von dem, was er hier sah war nur Fassade. Kurz überlegte er ob selbst die Grenzstreitigkeiten mit Niob Teil dieses großen Spiels sein könnten.
Corinthis hielt es einfach nicht mehr aus.
,, So sieht es aus.“ erwiderte er und wendete sich ohne ein weiteres Wort dem Ausgang zu. Keltor blieb zurück und sah ihm einige Sekunden lang nach. In den nun fast vier Jahren, die er den Maler kannte, hatte er ihn noch nicht so erlebt. Corinthis wirkte auf ihn oft abwesend… aber dabei hatte er ihn noch nie so wütend gesehen. Eigentlich, überlegte er kurz, hatte er ihn noch nie wütend erlebt.
Und das machte ihn unruhig.
Corinthis lief die breite Marmortreppe hinab, hinaus auf die Straße, wo immer noch die Leute feierten. Er drängte sich durch eine Gruppe von Schaulustigen, die grade einem Straßenkünstler zusahen, der die Leute zu einem Hütchen Spiel herausforderte und natürlich immer Gewann.
Ihm war nur klar, dass er hier weg wollte. Corinthis zwang sich selbst dazu langsamer zu gehen.
Langsam begann der Maler wieder etwas ruhiger und freier zu atmen. Den Palast und seine Lichter hinter sich lassend blieb er einen Moment in einer Gasse stehen und beobachtete die vorbeiströmenden Leute. Den weitaus wichtigsten Teil seines Lebens hatte er in diesen Straßen und in der Umgebung Inglarions verbracht und doch kam er erst jetzt dazu, ihr wahres Gesicht zu sehen.
Diese Menschen hier draußen wussten nicht, was sich wirklich hinter den hohen Mauern des Palastbezirks abspielte. Für sie würde es immer etwas Geheimnisvolles bleiben. Statt sich also darüber Gedanken zu machen, tanzten sie lieber auf den Straßen… Und selbst er verstand es nicht ganz…
Er musste wieder an den Magier denken, der vor vier Tagen in den Thronsaal gekommen war.
Ihm war immer noch nicht klar, was dieser eigentlich gewollt hatte. Vermutlich war es nicht wichtig… oder sogar nur ein weiteres Bedeutungsloses Ritual.
Seltsam… eine Frau auf der anderen Seite der Straße ließ ihn schon die ganze Zeit nicht aus den Augen. Vielleicht nur Zufall, aber er war sich fast sicher, das Gesicht, das von langen blonden Haaren eingerahmt wurde schon einmal gesehen zu haben. Ein kurzer Blick aus einer vorbeifahrenden Kutsche heraus….
Sie drehte sich um und schien weggehen zu wollen.
,, Hey, wartet einen Moment…“ Er trat wieder nach draußen auf die Straße, geriet aber sofort in eine Gruppe tanzender Menschen, die dabei von einem Barden begleitet wurden.
Coritnhis versuchte sich vorbei zu drängen, wurde aber von den Tanzenden eher unfreiwillig mitgerissen…
Plötzlich jedoch wurde er von jemand an Beiden Händen gefasst und mitgezogen.
,, Was zum…“ Er sah auf und direkt in das Gesicht der Frau, die er vorher auf der Straße gesehen hatte. Ihrer Kleidung nach zu urteilen zählte sie wohl eher zu denen, die sich in diesem Moment innerhalb der Palastmauern aufhielten. Was zu der Frage führte, was sie hier tat. Einen Moment lang war er einfach nur verdutzt.
,, Ihr seid vorhin von der Jahresfeier verschwunden.“
,, Ist das neuerdings ein Verbrechen ?“ , fragte er und blieb stehen.
,, Nicht, das ich wüsste. Tanzt, die Leute schauen schon.“
Er seufzte, beschloss aber erstmals einfach mitzuspielen. Nur das ihm nicht ganz klar war, welches Spiel. Ein kurzer, völlig irrwitziger Gedanke schoss durch seinen Kopf. Sie gehörte zur Inquisition und im nächsten Moment würde er sich mit einem Messer zwischen den Rippen wiederfinden…
,, Wieso interessiert euch das ?“ , fragte er.
,, Es ist ungewöhnlich. Normalerweise verlässt niemand eine Rede des Kaisers.“
,, Nun was macht ihr dann hier ?“
,, Vielleicht dasselbe wie ihr.“
,, Was da wäre ?“
Sie antwortete nicht und er ragte auch nicht mehr. Eine Weile tanzten sie einfach zwischen den anderen Menschen auf der Straße hindurch, während Corinthis versuchte die tausend sich ihm aufdrängenden Fragen zu verwerfen.
,, Vielleicht etwas anderes als bloßen Schein.“ , antwortete sie schließlich, löste sich allerdings auch im gleichen Moment von ihm.
,, Was soll das wieder heißen ?“
,, Ich muss zurück zum Palast, anders als euch, wird man mich vermissen denke ich.“ Sie machte Anstalten zu gehen.
,, Ihr habt mir noch nicht geantwortet.“ , meinte er.
,, Vielleicht nächstes Mal.“
,, Nächstes Mal ?“
Doch sie antwortete schon nicht mehr sondern lief die Straße hinab in Richtung Palast.
,, Verratet mir wenigstens euren Namen.“ , rief er ihr noch hinterher.
,, Nehalenie.“
Corinthsi blieb auf der Straße zurück und schüttelte den Kopf. Was für eine seltsame Begegnung…
Nächstes Mal ? Was hatte sie damit gemeint…
Aber wiedersehen wollte er sie auf jeden Fall…. Da war er sich sicher.
EagleWriter Re: - Zitat: (Original von EwSchrecklich am 12.11.2012 - 21:54 Uhr) Ahaaa O.o Sehr interessant.... :D Bis jetzt hab ich noch kein Geschwafel gefunden xD alles super geschrieben! lg Tjaa... Und hier kommt mit Nehalenie einer meiner momentanen Lieblings-Charaktere ins geschehen. Du darfst gespannt sein |
EwSchrecklich Ahaaa O.o Sehr interessant.... :D Bis jetzt hab ich noch kein Geschwafel gefunden xD alles super geschrieben! lg |