Kurzgeschichte
Schneeweiß und farbenfroh

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"Schneeweiß und farbenfroh"
Veröffentlicht am 20. Mai 2012, 4 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Ich bin ein Honigkuchenpferd, Honigkuchendachs, Honigkuchen, oder einfach nur Ich. http://www.rdedition.com/ http://honigkuchendachs.wordpress.com/
Schneeweiß und farbenfroh

Schneeweiß und farbenfroh

So fucking traurig, wie leichtfertig man in seiner Jugend mit dem Leben umgeht. Aber eigentlich, warum denn nicht, es ist ja deines und du darfst damit machen, was du willst. Aber wenn andere es wegwerfen kotzt es mich dermaßen an. Weil eigentlich kotz ich mich selber an. Das ist nur ein Geheimnis, das ich dir anvertraue. Ich hab mir all diesen Chemie Dreck reingeworfen, ohne nachzufragen, ohne zu wissen, was es ist. Ich hab auf wildfremde Menschen vertraut, die mir diesen Dreck, den sie dann vermutlich auch noch mit irgendwelchem Scheiß gestreckt haben, um teures Geld verkauft haben. Ich hab den hässlichsten und widerlichsten Typen Geld gegeben, damit wir uns auf einer Toilettenkabine eine Pille teilen. Ich hab meine beiden Nasenlöcher bis zum Anschlag mit Pulver gefüllt, bis mein Herz nicht mehr wusste wohin mit all der Energie. Bis mein Körper aufgegeben hat und ich herumgekotzt habe, am Boden gelegen und beinahe nicht mehr aufgekommen bin. Einen Meter zu Fuß zu bewältigen wurde zu einem Ding der Unmöglichkeit. Aber ich habe es geschafft. Ich bin gestorben und wiederauferstanden, ich habe Dinge gesehen, von denen die meisten nicht mal träumen. Ich habe das Nichts berührt, inhaliert, Gefühle gesehen, geschmeckt, bin in fremde Köpfe gekrochen. Ich hatte Spaß an all dem übermütigen Scheiß. Ich hab alles gefressen, was ich gefunden habe, ich habe kein einziges Mal Nein gesagt. Ich bin zitternd auf meinem Fußboden gelegen und hab versucht, zumindest ein Stück Schokolade in mich hineinzuprügeln. Ich musste die Schule schwänzen, weil ich nicht länger als eine Minute aufrecht stehen konnte. Mein Freund wollte mich mit Drogen bestechen, zu Dinge bewegen, die ich nicht machen wollte. Er wollte nicht, dass ich in seiner Abwesenheit Drogen nehme und hat meinen Puls gemessen, wenn ich vorher unterwegs war. Aber wenn wir zusammen waren, dann hat er mich beworfen mit den kleinen Pillen, mit den Briefchen, mit den gefüllten Alufolienpäckchen. Regelrecht darin gewälzt haben wir uns. Bis es eines Tages eskaliert ist. Der Tag, an dem wir in Urlaub fahren wollten. Er musste seinen Quellen ihren Anteil des verdealten Zeugs bringen. Und das scheißviele Geld, klischeehaft in einem Briefumschlag verpackt, warf er mir auf den Beifahrersitz, mit der Aufforderung es zu zählen. Ich hasse Zahlen, übrigens, ich hätte mich ohnehin mit Sicherheit verzählt, aber mit seinen Geschäften wollte ich sowieso einfach nichts zu tun haben. Das waren beschissene Menschen, mit beschissenen Geschichten. Ich hatte kein Vertrauen, zu niemanden von denen. Also sagte ich ihm, dass er mich mal könne und sich selbst um seinen Scheiß kümmern solle. Wir haben den Urlaub damit verbracht, uns Trips reinzuwerfen und am Balkon liegen, die Sterne angaffend. Ab und zu waren wir schwimmen, aber es war scheißheiß und die Sonne tat weh. Irgendwann danach hab ich dann Schluss gemacht. Mein Gehirn ist geschmolzen, das kann ich euch sagen. Ich weiß nicht, ob ich noch dieselbe bin wie damals, ob ich heute anders wäre, hätte ich mir das ganze Zeug nicht reingepfiffen. Alkohol macht Birne hohl, aber Alkohol und Zeug, was stellt die Kombination bloß mit unseren Birnen an. Mittlerweile bin ich klüger. Ich werf mir nicht mehr gedankenlos alles rein, ich frage nach. Ich vertraue nur Bekannten. Und ich trinke viel. Ist ja sowieso auch gesund, dieses Getrinke. Also Wasser, natürlich. 

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Honigkuchenpfe
Ich bin ein Honigkuchenpferd, Honigkuchendachs, Honigkuchen, oder einfach nur Ich.

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LorelaiPatton Re: Re: -
Zitat: (Original von Honigkuchenpfe am 24.09.2012 - 21:26 Uhr) ach das freut mich sehr zu hören, du findest immer die richtigen worte, madame!! bin da voll und ganz bei dir, was das grund-ding angeht. ohne vertrauen wärs ja auch blöd oder? liebegrüße :)



stimmt wohl! wir verstehn uns! liebste grüße zurück :)
Vor langer Zeit - Antworten
Honigkuchenpfe Re: - ach das freut mich sehr zu hören, du findest immer die richtigen worte, madame!! bin da voll und ganz bei dir, was das grund-ding angeht. ohne vertrauen wärs ja auch blöd oder? liebegrüße :)
Vor langer Zeit - Antworten
LorelaiPatton schon bei der Überschrift kam mir so ein Gedanke, um was es gehen könnte. Hab es irgendwie geahnt und vielleicht auch deshalb gleich verschlungen.
Alles, was geschieht, hat einen Grund oder macht uns zumindest zu dem, was wir jetzt sind. Und deinen Texten zufolge ist nichts Schlechtes aus dir geworden :)
Vor langer Zeit - Antworten
Honigkuchenpfe Re: Re: Re: Das gibt dann wohl ... - DAS hab ich doch schon längst hinter mir. Wirst mich wahrscheinlich trotzdem um Längen überleben und das ist auch gut so. Alt steht mir sowieso nicht ;)

Liebste Grüße, schönen Abend
Vor langer Zeit - Antworten
PhanThomas Re: Re: Das gibt dann wohl ... -
Zitat: (Original von Honigkuchenpfe am 21.05.2012 - 18:44 Uhr) Und dabei sind wir doch bekennende Apple-Fans! Haha, Lachen erlaubt.
Die farbenfrohe Gedanken hatte ich schon als Kind, zumindest diesbezüglich darf man keinen Schneemännern die Schuld geben. Hust.
Ja Bekenntnisse einer was? Das ganz normale Leben der C.S. oder so. Oder auch nicht. oder auch schon.

Liebste Grüße Herr Birnenmus!

Na dann guck mal, dass dein Leben nicht zur Normalität wird. Sonst überlebe ich dich noch um Längen. ;-)
Vor langer Zeit - Antworten
Honigkuchenpfe Re: Re: Re: - Und was für eins!

Klappe zu, Affe tot, aber phönixgleich emporgehoben. Zumindest die Möglichkeit besteht, ist doch schon was.

Schönen Tag!
Vor langer Zeit - Antworten
Honigkuchenpfe Re: Das gibt dann wohl ... - Und dabei sind wir doch bekennende Apple-Fans! Haha, Lachen erlaubt.
Die farbenfrohe Gedanken hatte ich schon als Kind, zumindest diesbezüglich darf man keinen Schneemännern die Schuld geben. Hust.
Ja Bekenntnisse einer was? Das ganz normale Leben der C.S. oder so. Oder auch nicht. oder auch schon.

Liebste Grüße Herr Birnenmus!
Vor langer Zeit - Antworten
Brubeckfan Re: Re: - Schön, wie Du hier en passant Deine Freunde und Deine Eltern in bestes Licht bringst. Doch bißchen Glück gehabt, Pferdchen, was?

Und auch nicht schlecht, daß der bedrippelte Schimpanse mal ausruhen darf.

Tschüs,
Gerd
Vor langer Zeit - Antworten
Herbsttag Re: Re: Re: Re: Einfach nur traurig, -
Zitat: (Original von Honigkuchenpfe am 20.05.2012 - 14:49 Uhr) Ich bin prinzipiell gegen dieses in Relation setzen mit anderen Generation. Natürlich, es geht immer schlimmer/andersartiger/verständlicher. Aber das hilft ja eigentlich auch niemanden, dieses Wissen?
Jeder hat seinen eigenen Krieg zu bewältigen, natürlich kein Vergleich zu einem realen. Doch sind wir froh, dass es für uns diese Probleme nicht mehr gibt. Sind doch genügend andere mittlerweile da. Und ich will nicht in Vertretung einer Generation sprechen, die vielleicht im Überfluss lebt. Ich bin kein undankbares, verwöhntes Gör, dass sich der Dekadenz in die Arme wirft. Ich hatte genauso meine Gründe für all mein Handeln, ich habe nicht das Gefühl, mich verteidigen zu müssen.
Was ist denn der Weg des geringsten Widerstands? Ist das nicht die Anpassung an gesellschaftliche Normen, das zu tun, dass die "Großen" von dir erwarten? Ich mache nur das, das ich von mir erwarte und bin sehr dankbar, dass meine "Großen" das verstehen und mich unterstützen. Allerdings haben die auch keine Ahnung von dem Fegefeuer, das in mir lodert und verdammtnochmal ich bekämpfe es Jahr für Jahr immer mehr erfolgreich. Mir ist egal, was in meiner Generation sonst so abgeht, ich spreche nicht für die, wenn die jammern, geht es mir am Arsch vorbei. Jeder ist für sich allein, jeder lebt und stirbt für sich alleine. Wozu also immer alles in Relation setzen?
Liebe Grüße!


Danke für Deine sehr ausführlich Antwort. Ich hatte von der keinerlei Rechtfertigung verlangt, dass steht ohnehin niemand zu. Ich hatte nur versucht zu verstehen, aber irgendwie klappt es offensichtlich nicht.
So what! Herbsttag
Vor langer Zeit - Antworten
PhanThomas Das gibt dann wohl ... - ... Birnenmus. Was lecker schmeckt, muss im Kopf nicht sonderlich lecker aussehen und ist es vermutlich auch nicht. Könnte deine mitunter recht fadenfreien Gedanken erklären, denen ich nie so ganz zu folgen vermag. ;-) Wobei das hier sogar mal geht. Eingeständnis einer ... ja, was eigentlich?

Liebe Grüße
Der T.
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