Conni
Ich träumte, und was ich träumte war nicht gut. Die Grenzen zwischen Traum und Realität schwinden manchmal. Besonders wenn ich in gewissen Gemütsverfassungen, wie Wut oder Hass, die Kontrolle über meine Gedanken und Bewegungen völlig verliere. Dann legt sich dieser Schleier über mich, und alles wird still um mich herum, so herrlich still.
Ich vermag heute nicht mehr zu sagen warum ich sie zu mir einlud. Vielleicht war es weil ich sie, und ihr kleines, törichtes Techtelmechtel mit meinem sogenannten Ehemann, längst durchschaut hatte. Nicht dass es mir etwas ausgemacht hätte. Mein Mann war längst fort. Sie hätte es wissen müssen! Niemand nimmt mir etwas weg! Jedoch wollte ich in ihre Augen blicken, wenn sie sich mit mir unterhielt. Ich wollte sehen wie sicher dieses Flittchen sich fühlte, dass ich von Alldem nichts wusste. Ja, die gehörnte Conni, die dumme, gutgläubige Ehefrau. Sie erschien tatsächlich, wie abgesprochen, pünktlich auf die Minute. Ein gefährliches Spiel. Sie hätte es wissen müssen!
Wir saßen uns gegenüber und unterhielten uns über irgendwelche Banalitäten. Sinnloses Geschwätz. Wahrscheinlich war ihr falsches, ich habe mit deinem Mann gebumst, Lächeln der Auslöser für das nun Folgende.
Ich merkte bereits wie sich dieser besagte Schleier gemächlich über mich und meine Wahrnehmung der Realität legte. Ich ließ ihn gewähren. Ich ließ dieses Miststück weiterreden. Es wurde still. Ich träumte, und was ich träumte war nicht gut.
Ich erwachte auf meinem Sofa. In den gefalteten Händen auf meiner Brust hielt ich ein Filetiermesser, an dessen Schneide getrocknetes Blut klebte und an dessen Spitze Etwas steckte, welches einem blutigen Stück Schlauch ähnelte. Meine Kleidung war durchnässt von Blut ebenso mein Haar. Der Tisch, auf dem noch Kaffee und Kuchen stand, glich einer Schlachtbank. Getrocknetes Blut auf weißem Porzellan. Fleischstücke auf den Tellern und in den Tassen. Gedärm hing, gleich Luftschlangen für einen Kindergeburtstag, an der Lampe herab. Der Kopf dieser verlogenen Schlampe stand auf der Anrichte, neben einem Bild meines Mannes. Ich hatte ihre Lippen abgeschnitten, sodass er nun grotesk grinsend, mit blutigen Zähnen, und leeren Augenhöhlen glotzte. Ja, grinse nur weiter Flittchen! Die Augen fehlten. Fragmente des Geschehenen, blitzten in meinen Gedanken auf. Süßlicher Kupfergeschmack in meinem Mund. Warmes, salziges Gallert spritze, als ich ihre Augäpfel mit den Zähnen knackte. Hatte ich ihre verlogenen, verhurten Glotzaugen halt gegessen. Und? Das ließ mich völlig kalt. Kalt wie der Arsch eines Eskimos, irgendwo im beschissenen Eskimoland.
Ich blicke aus dem Gitterloch, das man Fenster nennt, auf einen kleinen Teil des Vorhofes. Sie gewähren mir den Blick auf einen Baum, der dort wächst. Der dort lebt und stirbt. Sie haben auch die Überreste meines sogenannten Ehemannes entdeckt. Der Baum stirbt erneut. Braune Blätterleichen häufen sich um seinen Stamm. Doch er wird schon bald auferstehen, das weiß ich sicher.
Sie hätten es wissen müssen! Niemand nimmt mir Etwas weg! Ich bin Conni! Nun wissen sie es, wo auch immer ihre verlogenen Seelen jetzt verweilen mögen. Jetzt wissen es alle…