Weihnachtsgedichte
Alle Jahre wieder

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"Alle Jahre wieder"
Veröffentlicht am 30. November 2011, 4 Seiten
Kategorie Weihnachtsgedichte
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Über den Autor:

Ich habe in den letzten Jahren mehrere Bände mit Lyrik und Kurzprosa bei diversen Verlagen veröffentlicht. Ebenso findet man meine Gedichte in einigen Anthologien (z.B. "Bethlehems Begebenheiten") oder Zeitschriften (z.B. "Donaustrudl"). Aktuell bereite ich Publikation "Das Mädchen mit den Kaleidoskopaugen" vor, die Ende März 2019 im Spielberg Verlag erscheinen wird. Gerne arbeite ich mit Künstlern von außerhalb der Literaturszene ...
Alle Jahre wieder

Alle Jahre wieder

Alle Jahre wieder

 

Jetzt geht es wieder los. Über den Straßen hängen LED-Lichterketten, die langbeinigen Schaufensterpuppen stehen knöcheltief in imitierten Kunstschnee und die Altstädte werden rücksichtslos in überfüllte Disneyparks verwandelt, deren Spezialität der Ausschank von heißem und mit Süßstoffen durchsetztem Rotweinverschnitts ist.

Unter normalen Bedingungen würde kein Mensch, der halbwegs bei Trost ist freiwillig so etwas zu sich nehmen, aber wenn dieses übel riechende Zeug im Monat Dezember von genervten jungen Frauen, die sich erkennbar für die alberne Weihnachtsmannmütze auf ihrem Kopf schämen, in Plastikbecher portioniert und als „Glühwein“ oder „Punsch“ zum Kauf angeboten wird, vertilgen Menschen, die ansonsten durchaus in Frieden mit ihren anspruchsvollen Geschmacksnerven leben das unappetitliche Gebräu plötzlich hektoliterweise und oft mit einem Ausdruck von Befriedigung, den man üblicher Weise sonst nur im Zusammenhang mit der Befriedigung des Geschlechtstriebs antrifft .

Meiner Vermutung nach muss diese eigenartige Erscheinung auf die selbe Ursache zurück zu führen sein die dafür verantwortlich ist, dass uns die gängigen Radiosender plötzlich völlig missratene Popliedchen aus den unseligen 80-er Jahren ernsthaft als musikalische Weihnachtseinstimmung verkaufen wollen, nur weil in irgendeiner Strophe der meist von solariengebräunten, bisexuellen Wesen gesungenen Liedchen die Worte „Last christmas“ oder irgend so etwas in der Art vorkommen und dazu ein Synthesizer metallene Geräusche von sich gibt, die offensichtlich Assoziationen zu Pferdeschlitten und Glöckchen wecken sollen.

Verantwortlich für dieses mich mit zunehmendem Alter immer stärker beunruhigende Phänomen, kann meines Erachtens nur eine Art von zyklisch wiederkehrender, auto-suggestiver Massenpsychose sein.

Jedes Jahr, so etwa ab Ende November, wenn auf Grund des miesen Wetters draußen absolut nichts mehr los ist und Dunkelheit und kalter Regen auch die letzte Herbstromantik abgewürgt haben, fangen Millionen von Leuten fast gleichzeitig an sich mantraartig vorzusagen, dass jetzt die gemütlichste und schönste Zeit des Jahres bevorsteht, auch wenn sie ganz genau wissen das dem nicht so ist und sie diese Selbsttäuschung mit Übergewicht, Sodbrennen und erhöhten Cholesterinwerten werden bezahlen müssen.

 Mag sein vor langer Zeit, an die sich aber nur noch wenige Alte erinnern, gab es tatsächlich mal etwas das man mit den Worten „Weihnachtsvorfreude“ oder  - was beinahe zynisch klingt - „Weihnachstfriede“ beschreiben könnte.

Wenn dem wirklich so war, dann muss es irgendwas gewesen sein, das weit weg von diesem lauten, grellen und albernen Treiben unserer so genannten Weihnachtsmärkte liegt.  

Aber wie gesagt, das muss verdammt lang her sein …

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Hörbuch

Über den Autor

Novalis63
Ich habe in den letzten Jahren mehrere Bände mit Lyrik und Kurzprosa bei diversen Verlagen veröffentlicht.
Ebenso findet man meine Gedichte in einigen Anthologien (z.B. "Bethlehems Begebenheiten") oder Zeitschriften (z.B. "Donaustrudl").
Aktuell bereite ich Publikation "Das Mädchen mit den Kaleidoskopaugen" vor, die Ende März 2019 im Spielberg Verlag erscheinen wird.
Gerne arbeite ich mit Künstlern von außerhalb der Literaturszene zusammen.
Mit Dr. Bernd Stallhofer biete ich das Projekt "Lyrik meets Mantra" an und Werner Ziegler Ziegler lädt mich regelmäßig zu gemeinsamen Aktionen in die Ausstellungen seiner Malerei ein.
Seit Januar diese Jahres bin ich mit meinem Paket "Drecksack" auch in dem bundesweit agierenden Projekt der "Literaturautomaten" vertreten.
Ich bin Mitglied des Schriftstellerverbandes Ostbayern und wenn ich Zeit dazu habe als Schauspieler aktiv.

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Novalis63 Re: Och ... - ... so ganz dunkle kann ich mich auch noch an so ein warmes Gefühl im Bauch erinnern und an den Duft von Plätzchen und Zimt ...
Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Och ... - ... sooo lange ist das noch gar nicht her, jedenfalls kann ich mich aus meiner Kindheit noch recht gut daran erinnern. Okay, liegt also doch schon ein bisschen länger zurück, die gute alte Zeit.
Könnte natürlich auch daran liegen, dass ich im zarten Alter von 10 noch nicht dem Glühwein zusprach ...

De facto gibt es aber auch Weihnachtsmärkte, die wirklich schön sind, auf denen kein einziger kommerzieller Anbieter vertreten ist, sondern nur Vereine und Privatleute - und wo Weihnachtsmusik noch mit der Hand gemacht wird resp. live aus Kehlen erschallt. Aber die muss man suchen ...

Ja, ich schmunzele auch - weil dein Text einfach zu gut geschrieben ist, um sich dieses Schmunzeln zu verkneifen - aber es es ist ein bitteres.

Lieben Gruß
Gunda
Vor langer Zeit - Antworten
GerLINDE Hallo Novalis63,

....schmunzel, gut geschrieben!

Lieben Gruß
GerLInde
Vor langer Zeit - Antworten
Seelenklang ...ich sage nur...alle jahre wieder und jedes jahr mehr.........

lg
seelenklang
Vor langer Zeit - Antworten
Boris gelungene Schilderung - die Satiere sind wir selber!

LG Jürgen
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