Mir Unterstützung vieler lieben ehrlichen Menschen, und mit meiner positiven Lebenseinstellung die ich endlich wieder habe, ist die ganz schlimme Zeit endlich vorbei. Wenn du Dinge nicht akzeptiert und annimmst, wie sie sind, machst du sie zu deinem Gegner. Und Gegner rauben dir die Energie. Ein wesentlich einfacher Weg ist es, die Dinge anzunehmen, wie sie sind. So muss es nun bleiben.
Nach vielen Monaten des Leidens, ich hatte massive Schübe, schwere Depressionen, die Fatique ( chronische Müdigkeit), sämtliche Symptome die mir der MS zusammen hängen, die Blase, das Ameisenlaufen, das erblinden, hatte keine Kräfte mehr und war immer mehr am aufgeben. Ich musste wieder 6 Wochen in die Klinik. War im Schwarzwald. Es war eine Katastrophe. Diese Zeit hat meine Krankheit nicht verbessert sondern erheblich verschlechtert.
Es ging um einen Frührentenantrag. Dieser Aufenthalt wird vom Rentenamt vorgeschrieben. In der Klinik waren auch Psychotherapeuten die mich von morgens bis abends auseinander genommen haben. Ich wurde getestet, ob ich jemals wieder arbeiten könne, oder ob ich evtl. doch nur simuliere. Da ich groß und hübsch bin, immer gepflegt und nie kränklich aussehen wollte und will, hat man mir einiges nicht geglaubt. Ich musste morgens um 6 Uhr ins Fitnessstudio. Man hat mir ein sehr strenges Trainingsprogramm auferlegt. Sehr witzig wenn man eh schon nicht richtig gehen kann. Jeden Tag zum Psychotherapeuten der mich nur gequält hat. Noch witziger, er bohrte in meiner Kindheit herum. In der Klink bekommt man einen strengen Trainingsplan wo du alles rigoros durchziehen musst. Du darfst das Haus nicht verlassen. Wenn ich spazieren ging bzw. heimlich aus dem Haus bin, da ich es in dieser Klinik kaum ausgehalten habe, waren die Pfleger schon da und haben mich zurückgeholt. Man hatte mir gedroht, wenn ich nochmal alleine das Haus heimlich verlassen würde, sperren sie mich ein. Das Klinikpersonal hatte Angst, die Patienten würden sich das Leben nehmen.
So muss es in einem Gefängnis sein. Was war das Ende vom Lied? Mir ging es immer schlechter. Bei vielen anderen Patienten, mit dem gleichen Schicksal verschlechterten sich die Symptome auch. Wir haben uns wie getretene Hunde zusammen getan. Haben uns jeden Tag versucht zu motivieren. Ist dann letztendlich auch gelungen die Zeit durchzustehen.
3 Tage vor meiner Entlassung hatte ich meine Koffer schon gepackt. Ich wollte einfach nur noch heim. Auf einmal fing meine linke Gesichtshälfte an zu kribbeln. Oh nein bitte nicht, dachte ich. Am nächsten Tag spürte ich meine linke Seite gar nicht mehr. Die Wange hing nach unten. Hab beim Trinken alles verschüttet, da ich kein Gefühl mehr in der Lippe hatte. Das kann doch alles nicht wahr sein. Wirst bald 40 und bist ein Krüppel. Ganz toll.
Als ich eine junge Mitpatientin mit MS kennenlernte, die ebenfalls Rente beantragt hatte, und gehend in die Klinik kam und im Rollstuhl die Klinik verlassen hatte, war für mich eines ganz klar. Ich gehe hier zu keinem Arzt mehr. Übermorgen geht mein Zug nachhause, und da sitze ich definitiv drin, auch mit hängenden Wangen ohne Gefühl. Wenn ich hier irgendwas sage, lassen die mich nicht heim. Nein, nein. Reiß dich jetzt noch einen Tag zusammen, das schaffst auch noch und wenn du endlich wieder in München bist gehst zum Arzt. Ja, genau so werde ich das machen. Gesagt, getan.
Wieder in München, wieder Kortison, wieder Interferon, wieder Schmerzen, wieder Gewichtszunahme, wieder Tränen, wieder Depressionen, wieder allein, wieder keine Familie, wieder kein Job, wieder, wieder, wieder….alles war wieder da. Diese Klinik war völlig umsonst im Gegenteil es hat mir nur geschadet.
Meine Freundin Michaela, war immer an meiner Seite. Die arme musste sich alles immer wieder anhören, meine Tränen trocknen und mich aufbauen. Sie stand mir bei, hat mich aber auch geschimpft. Ich solle mich nicht gehen lassen, steh auf und geh deinen Weg! Tu endlich was. Sagte sie zu mir. Sie hat mir einen Job verschafft, hat mir Geld zugesteckt, und mich moralisch unterstützt. Es war so schwer. Hab nur geweint.
Stattdessen kämpfte ich weiter mit den Behörden. Hatte immer noch keine Aussicht auf irgendwas. Kein Arbeitslosengeld, kein Krankengeld und Rente war noch nicht in Aussicht da ich nur 70% Beschädigt bin. Die Ämter wussten nicht in welche Schublade sie mich stecken sollten. Das war eine massive Nervenanspannung. Ich hatte solche Angst vor der Zukunft.
Immer wieder sah ich auf den Zettel, der mir diese fremde Frau mit der Telefonnummer einer „Engelfrau“ gegeben hat. Mein Gott, was soll das. Ich glaub doch eh nicht an solche Sachen. Und Sprechen darüber mit anderen Menschen kann man ja auch nicht, die halten dich sonst alle für völlig abgedreht. Tag täglich nahm ich das Telefon in die Hand und legte es wieder weg. Hatte keinen Mut, und keinen Glauben daran.
Bis an diesem Tag. Jetzt muss ich was tun. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und rief an. Sie ist nicht da, ok dann soll es nicht sein. Ich sprach ihr auf den Anrufbeantworter und hab um einen Termin gebeten.
Keine Stunde später rief mich die alte Dame zurück. Eine nette Stimme dachte ich. Sie meinte, da es mir so dringend zu sein scheint, könne ich am selben Abend noch kommen. Also fuhr ich ins Hinterland auf einen Bauernhof. Ich saß in einem wunderschönen Kaminzimmer ohne schnick schnack, Hexenzeug oder ähnliches. Es kam eine alte Dame die grad vom Feld Erdbeeren pflücken kam. Ich war positiv überrascht. Da war ich nun, ich misstrauisches Mädchen und war gespannt was mich erwartet.
Als erstes legte mir die Frau eine Engelskarte hin die zu mir gehört wie sie sagte. Das ist Engel Michael der immer über mich wacht. Sie hat mich drei Stunden bearbeitet. Ich hatte nichts von mir erzählt, sie wusste genau um was es bei mir geht. Meine Kindheit, meine Männer Beziehungen, meine Familie meine Krankheit. Ich war Fassungslos, was diese alte Bäuerin mir alles sagte. Ich war aufgewühlt und wohlig zugleich. Als wir zu meinem Vater Thema kamen, sagte sie sie würde jetzt in die Seele meines Vaters schlüpfen. So eine Art Familienaufstellung. Oh Gott dachte ich, grad hab ich mich noch wohl gefühlt, und schon ist mein Misstrauen wieder da. Kommt jetzt Hokuspokus, oder was wird jetzt sein?
Sie sagte, sie zieht sich jetzt um, da sie im Dirndl nicht in „einen Mann schlüpfen“ kann. Ich saß schweißgebadet im Kaminzimmer, trank meinen Vanilletee den sie mir gereicht hatte, und wartete….Sie kam zurück in Jeans und Hemd, sah irgendwie lustig aus. Wir mussten beide schmunzeln. Sei nicht aufgeregt, es tut nicht weh meinte sie zu mir. Ich stand ihr gegenüber und musste dreimal sagen: „Du bist jetzt mein Vater!“.Erschien mir ziemlich blöd in diesem Moment, ich tat aber wie verlangt. Es passierte nichts. Klar wenn man nicht bei der Sache ist. Sie ermahnte mich ich solle mich jetzt ganz fest konzentrieren sonst klappt das nicht. Also nochmal den Satz. Es war unglaublich was jetzt passierte. Sie stand genau so bedrohlich mit gleich verschränkten Armen vor mir, wie es mein Vater immer getan hat. Die Stimmlage und die Ausdrucksweise waren identisch gleich. Die Geschichte die sich jetzt abspielte konnte die alte Dame nicht wissen. Ich hatte ihr nichts von meiner Familie erzählt. Für mich, stand mir mein Vater Gegenüber (der übrigens noch lebt, und zwar 7 km von mir entfernt). Wir, „meine Engelfrau“ in der Rolle meines Vaters und ich, haben uns dermaßen gestritten, alles was mich je belastet hat, konnte ich los werden. Viele Erklärungen über seine unmöglichen Verhaltensweisen mir gegenüber in der Kindheit und als ich älter war habe ich bekommen. Es war unglaublich. Ich war wie in Trance.
Nach drei Stunden war ich total erledigt. Ich konnte gar nicht mehr geradeaus denken. Musste erst mal eine Weile im Auto sitzen bevor ich heim fahren konnte. In dieser Wartezeit, hatte ich mit Michaela telefoniert, ihr alles erzählt und eine nach der anderen geraucht. Es war unglaublich was ich in der Zeit alles erfahren und erleben durfte. Ich hatte noch massive Albträume in dieser Nacht, und hatte schwer mit Vergangenheitsbewältigung zu kämpfen. Unglaublich was in den nächsten Tagen geschah. Positives und auch negatives. Mein Groll, gegenüber meiner Familie insbesondere meines Vaters war von jetzt auf gleich verschwunden. Nie mehr bis heute denke ich an die schlimme Zeit zurück. Meine Tochter ist wieder in mein Leben getreten. Habe viele neue nette Menschen auch Männer kennengelernt. Meine Erwerbsunfähigkeitsrente ging durch, ich sah langsam wieder ein Licht hinter dem Tunnel. Negativ war, dass diese enorme Psychische Belastung mir erneut einen Schub verpasst hat.
So und jetzt ist Schluss. Ich wollte ab sofort nicht mehr Krank sein. Jetzt reicht’s. Mein Lebensmut kam langsam zurück. Wurde auch Zeit, nach 3 Jahren Selbstmitleid. Mein Schlechtes Gewissen holte mich aber ein, da ich nach meiner Diagnose versucht hatte mir das Leben zu nehmen. Mein Gott (oder Engel Michael?) ich danke Dir, dass ich es nicht zustande gebracht habe. Während des Versuches ins Wasser zu gehen, damals wohnte ich am Bodensee, hatte ich nur die Bilder meiner Kinder im Kopf. Ich habe es einfach nicht fertig gebracht komplett einen Schluss strich zu ziehen. Ich schäme mich heute so sehr dafür….
Meine Freundin, die heute mittlerweile Reiki Meisterin ist, ermöglichte mir einen Besuch bei einem Biofeldtherapeuten. Dieser kostete ein Heiden Geld, was ich ja nicht hatte. Sie hatte für mich die Arztrechnung bezahlt. 4 stellig. Dafür bin ich Ihr heute noch mehr als dankbar. Seit ich 2005 bei diesem Biofeldtherapeut gewesen bin, hatte ich keinen Schub mehr! Ich spritze seit der Zeit kein Interferon mehr. Habe die Schulmedizin ganz aufgegeben. Ich lass mich natürlich regelmäßig kontrollieren, meine MS ist stagniert. Mein Neurologe ist sparchlos.
Ein Sieg auf ganzer Linie.
Natürlich, habe ich nach wie vor meine Zipperlein. Bin jetzt nicht auf wundersame Weise geheilt. Aber mit diesen „üblichen“ MS Symptomen kann man gut leben. Halt anders. Man gewöhnt sich daran. Ich stellte mein Leben komplett um. Kann nicht mehr Skifahren, na und? Dann setzte ich mich halt vor die Hütte und streck mein Gesicht in die Sonne. Ich kann kein Sport mehr machen, na und? Dann geh ich halt spazieren. Ich kann nicht mehr Vollzeit arbeiten, na und? Ich bin berentet, und habe einen 400 Euro Job nebenbei im Büro wo ich meine Bestätigung bekomme. Es geht alles wenn man nur will. Die Prioritäten ändern sich. Das aller wichtigste ist Positives Denken, und liebe ehrliche Menschen die zu Dir stehen. Ich habe seit drei Jahren einen lieben Mann an meiner Seite, meine Tochter die ich sehr Liebe, wieder in meinem Leben. Mein Sohn der seinen Weg gemacht hat, auf den ich sehr stolz bin und seit einem Jahr ein Enkelkind das mir meine Tochter schenkte. Sie ist mein ganzes Glück ist.
Ich habe vor einem Jahr angefangen zu malen. Sensationell. „Meine Bilder stehen heute am Parkplatz“. Vom Erlös konnte ich mir nämlich ein Auto kaufen. Ich mache Modeschmuck um auch meine kognitiven Störungen in den Griff zu bekommen, und das neueste was ich für mich entdeckt habe, ist das Schreiben. Ich gehe meine „Omapflichten“ mit Freude nach. Das Leben ist lebenswert!
CARPE DIEM…. Das ist mein Motto geworden.
Hier möchte ich mich nochmal bei all den Menschen bedanken, die mich in der schweren Zeit begleitet haben, mir zur Seite standen, moralisch und finanziell. Ich stehe in eurer Schuld, und werde es euch nie vergessen. Danke für eure Liebe und Freundschaft.
Alle Liebe und viel Glück für alle Menschen
19.06.2010 (Heute ist der Geburtstag meines Sohnes ;-) )