Kurzgeschichte
Meine MS und Ich Teil 2 - und es kam knüppeldick...

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"Meine MS und Ich Teil 2 - und es kam knüppeldick..."
Veröffentlicht am 17. Juni 2010, 12 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

MS Schreiben und Malerei Ich kam durch meine Krankheit zur Malerei und schreibe Gedichte. Es ist für mich der Ausgleich und meine Bestätigung daß ich ?doch noch was kann und etwas bin.? Meine Diagnose bekam ich im Jahre 2003. Ich war als Kind schon sehr kreativ und habe heute noch sehr viel Freude daran, ob es die Malerei ist, ob ich Schmuck anfertige, oder meine Gedichte schreibe. An der ersten Bilder Ausstellung habe ich im Jahre 2012 ...
Meine MS und Ich Teil 2 - und es kam knüppeldick...

Meine MS und Ich Teil 2 - und es kam knüppeldick...

Beschreibung

Teil 2

leben Sie Ihr Leben...

...und es kam knüppeldick.
Eine Woche Klinikaufenthalt mit all erdenklichen Untersuchungen. Es war ein grauß. Schlimmer war eigentlich, das ich alles alleine durchstehen musste. War ja allein erziehend, meine Tochter schon aus dem Haus, weit weg, und mein kleiner? Tja, den wollte ich so wenig wie möglich mit dieser Situation belasten. Eines Tages sagte ich ihm natürlich was los ist. Wie cool er doch reagiert hat. Die Mama seines Schulfreundes hat auch MS, er weiß was das ist, wir schaffen das gemeinsam, ich liebe dich! Das kam von meinem damals 13. jährigen Sohn. Mein Gott war ich stolz auf Ihn.
Während meines Klinikaufenthaltes, bekam mein Sohn der alleine zu Hause war, Besuch von meinem Arbeitgeber. Ich arbeitete damals in eine Modeboutique. Er war so freundlich und hat meinem Kleinen meine Kündigung persönlich vorbei gebracht, da ich gerade noch 2 Tage in der Probezeit war, hat er mich rauskomplimentiert. Juhu....kann ich da nur sagen. Was es doch für nette Menschen gibt.
Ich hatte mich Jahre zuvor Selbstständig gemacht. Ich bin sehr kreativ, und das wollte ich beruflich nutzen. Da ich immer und immer krank war, keinerlei Unterstützung bekam, musste ich leider meine Firma aufgeben. Also suchte ich mir einen Job in der Boutique.

So, das war aber erst der erste Streich. Meine komplette Familie (sie wohnen 7 km von mir entfernt) hat sich von mir abgewendet, da man ja mit einer kranken Tochter nichts anfangen kann. Mein Vater meinte damals, ich hätte ja gar nichts, sei nur zu faul zum arbeiten.
So, jetzt hatte ich auch noch diese Sorgen. Kein Mann, keine Eltern, kein Job und einen Deutschen Staat der mich nirgends einordnen konnte und wollte. Ich bekam kein Arbeitslosengeld, da ich ja Krank war. Ich bekam kein Krankengeld, da ich keinen Job hatte. Ich bin von Pontius zu Pilatus gelaufen, habe gekämpft und gekämpft.  Ich hatte ein Haus zu bezahlen, und das wichtigste, ein Kind was Hunger hatte. Meine Große lebte mit ihrem Partner zusammen, da musste ich mir keine Sorgen machen.
Die einzige und größte Sorge punkto meiner Tochter die ich hatte war, das wir uns nicht sehen durften. Ihr damaliger Partner hat ebenfalls jeglichen Kontakt unterbunden. 

Also kämpfte ich weiter. Wurde immer kränker. Der Arzt in der Klinik nach der Diagnosestellung, erwiderte auf meine Frage was ich den jetzt tun sollte, außer mich vor den Zug zu schmeißen, meinte nur:" leben Sie ihr Leben!" Ja Supie, dachte ich was bist du denn für einer. Ganz toll. Bin krank, hab nichts mehr, kein Job, kein Geld, keine Familie, jeepie und so einer sagt zu dir,leben Sie ihr Leben. Ich glaube ich hatte damals so viele Tränen vergossen, das reicht für zwei Leben.

Selbstmitleid....

Natürlich kam die Zeit der Fragen. Warum ich, warum so was, wie geht es weiter, was muss ich tun und und und....
Ich bin so in mein Selbstmitleid verfallen, hatte mühe wieder aufrecht zu gehen. Nicht nur körperlich.

Ich hab ja Gott sei Dank mehr als gute Freunde die immer zu mir gestanden sind. Meine beste Freundin, mit der ich mittlerweile 20 Jahre verbunden bin, hat mich " mit getragen." Sie war immer, zu jeder Zeit für mich da. Ich hatte alle möglichen Gelegenheitsjobs um mich überwasser zu halten.  Da ich aber alles verdrängte, wurde meine Krankheit immer schlimmer. Ich musste jeden zweiten Tag Interferon spritzen, wie ätzend das doch ist. man bekommt danach hohes Fieber (jeden 2ten Tag!) und Schüttelfrost, und fühlt sich elendig. Die Symptome verstärkten sich von mal zu mal. Hatte einen Schub nach dem anderen. Trotz der schweren Medikamente.

Also, musste ich wieder in die Klinik. 6 Wochen aufenthalt. Mein Kleiner war zu der Zeit alleine! Niemand von der Familie hat sich um uns gekümmert. Nur meine Freunde.....
Mein Sohn hat in der Zeit seine Schule gemacht, und das mit guten Noten. Er versorgte unseren Hund, kochte für sich. Wir haben täglich mehrmals telefoniert. Mein Gott was für ein starker, großer, reifer Junge, dachte ich jeden Tag. Ich war so stolz auf Ihn.

In der Klinik, lernte ich natürlich Menschen mit dem gleichen Schicksal kennen. Da waren welche, die waren schon im Rollstuhl.
Häh..... und was mach ich? Ich kann doch noch gehen, was jammere ich eigentlich hier herum.
Nach der Klinik bin ich einer Selbsthilfegruppe beigetreten. Es waren alles viel ältere Menschen, denen es richtig schlecht ging in dieser Gruppe. Ich bin zu jeder Ärztetagung gefahren ich wollte alles wissen. Habe nie was aktuelle oder wichtiges für mich erfahren können.
Die MS Gruppe hab ich nach 2 Jahren verlassen, leider hat es mir nicht gut getan, immer und immer die Krankheit vor Augen zu haben. Mein erster Gedanke morgens waren die zwei Buchstaben "MS", und mein letzter als ich ins Bett ging. 





Ich habe mir eine andere Selbsthilfegruppe gesucht. Mit jungen Menschen, mit Neu betroffenen. Oh mein Gott, was hab ich mir da angetan. Es wurde gejammert und geweint, geklagt und geschimpft. Sicherlich für jeden zurecht, aber für mich war das auch nichts. Es zog mich immer weiter runter. Also bin ich auch dort wieder raus. Mir hing echt alles zum Hals raus.

Nach wie vor die Kämpfe mit den Behörden. Mein Gott wie solls denn weitergehen....Mein Kopf drehte sich in allen Richtungen. Schlimme Gedanken gingen mir durch den Kopf. Es wäre sicherlich besser mein Leben zu beenden. Aber Stopp!  Du hast Kinder die brauchen dich, nein, die sind alt genug, haben irgendwann eigene Familien, die brauchen mich nicht. Arbeit kriegst eh keine mehr, wer nimmt schon einen Krüppel. Mann? das kannst ganz vergessen. Kein Mann tut sich eine kranke Frau an. Ich hatte das Gefühl durchzudrehen. Es war an der Zeit meinen Therapeuten aufzusuchen. Den hatte ich in der letzten zeit vernachlässigt. Kam mir immer blöd vor. ich auf der Ledercouch. das geht doch gar nicht. Bin immer stark gewesen hab alles alleine geschafft, jetzt soll ich zum Psychiater?
Wie blöd war ich eigentlich. Gott sei Dank war ich bei ihm. Hab mal meinen (falschen) Stolz beiseite geschoben und bin los zu ihm. Über Wochen regelmäßig konnte ich mein Herz ausschütten. Er hat mir damals sehr viel geholfen.

Aber wie gesagt, auch meine Freundinnen, waren immer für mich da. Klar  trennt sich in der Zeit die Spreu vom Weizen, einige haben mich verlassen, von einigen musste ich mich trennen. heute sag ich: Man geht gemeinsam ein Stück des Weges, irgendwann biegt jeder anders ab. das Leben ist . Nicht trauern das es vorbei ist, sondern freuen das es gewesen ist.

Meine Gesundheitliche Situation wurde trotz der starken Medikamente nicht besser.Wieder ein Schub. Mein Gott, warum tue ich mir das an und setze mir jeden zweiten Tag die Nadel in die Muskeln wenns doch nicht hilft. Wieder verfiel ich in Traurigkeit und Sorgen um die Zukunft.
Bis ich eines Tages eine Frau kennenlernte die zu einer "Engelfrau" geht.
Oh je oh je..... bitte nicht so was. Ich bodenständiges Mädchen voller Misstrauen. Was ist das jetzt. Ich glaub doch nicht an so was.
Aber es kam alles anders........


(c) Helen Uebler update 27.05.13  

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Hörbuch

Über den Autor

HelenUebler
MS Schreiben und Malerei

Ich kam durch meine Krankheit zur Malerei und schreibe Gedichte. Es ist für mich der Ausgleich und meine Bestätigung daß ich ?doch noch was kann und etwas bin.? Meine Diagnose bekam ich im Jahre 2003.

Ich war als Kind schon sehr kreativ und habe heute noch sehr viel Freude daran, ob es die Malerei ist, ob ich Schmuck anfertige, oder meine Gedichte schreibe. An der ersten Bilder Ausstellung habe ich im Jahre 2012 teilgenommen. Eine Austellung von Künstlern mit Multiple Sklerose.

Ein Teil meiner Bilder kann man in einer großen Bank in München besichtigen. Ebenso zieren einige meiner Werke verschiedene Artzpraxen und Kliniken.

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HelenUebler Re: Wunderbar, wie ehrlich du das alles schilderst ... - Vielen lieben Dank fleur

Man muss den Kampf aufnehmen, sonnst gehst du unter...

Herzlichst Helen
Zitat: (Original von FLEURdelaCOEUR am 27.05.2013 - 16:07 Uhr) den Kampf aufnimmst, das Selbstmitleid abschüttelst ...
und wirklich bewundernswert dein Sohn!
Meine Hochachtung!

Liebe Grüße
fleur

Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR Wunderbar, wie ehrlich du das alles schilderst ... - den Kampf aufnimmst, das Selbstmitleid abschüttelst ...
und wirklich bewundernswert dein Sohn!
Meine Hochachtung!

Liebe Grüße
fleur
Vor langer Zeit - Antworten
HelenUebler Re: Engelfrau?? - Ja Merle....
Morgen kommen die nächsten 2 Teile....
Mein Sohn? Ich liebe Ihn und bin megastolz auf Ihn!

Herzlichst Helen
quote=MerleSchreiber am 27.05.2013 - 14:11 Uhr) Jetzt bin ich aber wirklich gespannt, wie DAS weitergeht, liebe Helen.
Ich kann Deine Ängste, Zweifel sehr gut nachvollziehen. Krankheitsbewältigung ist ein nie endender Prozess und kein Zuckerschlecken, nicht wahr?! Aber Du machst das gut. Steckst den Kopf nicht in den Sand, sondern stellst dich der Auseinandersetzung. Klasse, Dein Sohn!!!

Liebe Grüße
Merle
Vor langer Zeit - Antworten
MerleSchreiber Engelfrau?? - Jetzt bin ich aber wirklich gespannt, wie DAS weitergeht, liebe Helen.
Ich kann Deine Ängste, Zweifel sehr gut nachvollziehen. Krankheitsbewältigung ist ein nie endender Prozess und kein Zuckerschlecken, nicht wahr?! Aber Du machst das gut. Steckst den Kopf nicht in den Sand, sondern stellst dich der Auseinandersetzung. Klasse, Dein Sohn!!!

Liebe Grüße
Merle
Vor langer Zeit - Antworten
HelenUebler Re: Liebe.... - Ich hätte es mir denken können!

:-)

Zitat: (Original von Tintoletto am 27.05.2013 - 13:07 Uhr) bin natürlich -bei so viel Einfühlungsvermögen- auch eine Sie;)

Vor langer Zeit - Antworten
Tintoletto Liebe.... - bin natürlich -bei so viel Einfühlungsvermögen- auch eine Sie;)
Vor langer Zeit - Antworten
HelenUebler Re: Deine positive Ausstrahlung... - Liebe Tinto...oder lieber Tinto?

vielen danke für deine lieben Worte. Nein, ich lass mich nicht unterkriegen, auch wenns manchmal den Anschein macht.
Das Leben ist Lebenswert.

Die nächsten 2 Teile gibts Morgen.

Herzlichst und alles Liebe für dich
Helen
Zitat: (Original von Tintoletto am 27.05.2013 - 12:54 Uhr) in Wort (und Foto) läßt gar nicht vermuten, wie es Dir ergangen ist! Beruflich und familiär ist es mir ähnlich ergangen; gesundheitlich habe ich, bis auf einige kleine Wehwehchen, Glück, was ich Dir auch von Herzen wünsche!
L.G. Tinto

Vor langer Zeit - Antworten
Tintoletto Deine positive Ausstrahlung... - in Wort (und Foto) läßt gar nicht vermuten, wie es Dir ergangen ist! Beruflich und familiär ist es mir ähnlich ergangen; gesundheitlich habe ich, bis auf einige kleine Wehwehchen, Glück, was ich Dir auch von Herzen wünsche!
L.G. Tinto
Vor langer Zeit - Antworten
HelenUebler Re: Ich schon wieder.... - Danke dir....es muss dir nicht leid tun. Alles hat seinen Sinn im Leben, glaube mir.
Die Prioritäten ändern sich und Leben, kann man sehr gut mit MS.
Nur anders.....

Freut mich dass dir meine Bücher gefallen.

Liebe Grüße Helen



Zitat: (Original von Gast am 16.05.2011 - 11:41 Uhr) Bin sprachlos, was du alles erleben musstest. Und immer noch strahlst du auf deinen Fotos. Hut ab, dich kann man nur bewundern, was für eine Stärke du hast. Doch nochmal....es tut mir unendlich leid.
Bin gespannt auf den Dritten teil.

Liebe Grüße Michael

Vor langer Zeit - Antworten
Gast Ich schon wieder.... - Bin sprachlos, was du alles erleben musstest. Und immer noch strahlst du auf deinen Fotos. Hut ab, dich kann man nur bewundern, was für eine Stärke du hast. Doch nochmal....es tut mir unendlich leid.
Bin gespannt auf den Dritten teil.

Liebe Grüße Michael
Vor langer Zeit - Antworten
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