Melina traute ihren Ohren nicht. Warum lies die Frau sie nicht alleine, nachdem sie gesehen hatte, wie krank sie war. JEDER, absolut JEDER hat sie nach diesem Anblick im Stich gelassen. Was war an dieser Frau nur so anders? Konnte sie einen Versuch wagen? Das Mädchen zuckte leicht mít den Schultern. "Naja, das können wir uns ja noch auf dem Weg zum Auto überlegen. Willst du mir vielleicht erzählen, was passiert ist?" Melina lies sich hochziehen und blieb sofort wie angewurzelt stehen. Ihr Schülerausweis war ihr aus ihrere Tasche gefallen und Marianne hatte ihn sich geschnappt. "Melina Reising. Edwardstraße 15." las diese leise. Jetzt wollte der eingeschüchterte Teenager erst Recht keinen Schritt mehr mit Marianne mirgehen. Bestimmt wollte sie sie heimbringen. Nein, heim wollte sie auf keinen Fall! Denn dort würde ihre Muter wie weinend empfangen und ihr Steifvater sie sofort wieder schlagen. Außerdem würden sie dann ihre "beste Freundin" holen. Nein, das durfte nicht geschehen. Melina riss sich los und rannte. Sie rannte so schnell, dass sie kaum noch Luft bekam. Weg, einfach nur weg von der Frau. Doch Marianne holte sie ein. Wieso diese Dame so schnell rennen konnte, verstand das aufgewühlte Mädchen nicht. Schnell ergriff Marianne ihren Arm und hielt sie fest. "Bleib doch bitte stehen. Ich soll dich nicht nach Hause bringen, hab ich recht?" keuchte diese außer Atem. Das braunhaarige Mädchen schüttelte den Kopf und fing wieder an zu weinen. Sofort fand sie sich in den Armen von Marianne wieder. Das war eine ganz neue Erfahrung für Melina, sie war noch nie einfach so in den Arm genommen worden. Ihre Mutter nahm sie nur in den Arm, wenn sie eine Sache sehr gut gemacht hatte, ihr Stiefvater nahm sie prinzipiell nie in die Arme und ihre beste Freundin? Ja, die nahm sie nur in den Arm, damit Melina nicht mehr sauer auf sie war. Ohne es zu bemerken wurde sie von Marianne an deren Auto geführt. Nun stand sie direkt davor und wusste nicht, was sie machen sollte. Ihr Gefühl sagte ihr, sie solle einsteigen, aber die Vernunft verbot es ihr. Doch diesmal wollte sie auf ihren Bauch hören. Die Vernunft hat ihr schon so oft wehgetan. Sie lies sich also auf den weichen Beifahrersitz fallen und schalltete ihr Gewissen aus. Wo würde die fremde Frau sie hinbringen?
Zu Melinas überraschen fuhren sie nicht zu ihr nach Hause, sondern in eine ganz andere Richtung. "Matzenhausen" konnte man auf einem Ortsschild nch einer Weile lesen. Sie hatte keine Ahnung, wo das lag. Nach weiteren fünf Minuten hielten sie vor einem netten Häuschen. Um an die Haustür zu kommen musste man durch ein kleines älteres Gartentörchen. Über diesem befand sich ein Rosenbogen, wo die schönsten roten Rosen blühten, die dieses Mädchen je gesehen hattte. Auf einem Weg, der durch große Steinplatten gekennzeichnet war, gelangte man zu einer blauen Haustür. Links und rechts von diesem Weg war ein schöner kleiner Garten angelegt. Mit Beeten, einem Jasmin und noch mehr verschiedene Blumen. Das Häuschen wirkte nicht sonderlich groß. Ein wenig erinnerte es an die Zeichnung "Das ist das Haus vom Nikolaus". Hinter den Fenstern erschienen weiße Spitzenvorhange. Auf der Haustürtreppenstufe lag eine zusammen gerollte schwarze Katze aus Stein. Die Farbe diese Bauwerkes war ein wunderschönes Blau. Ein Misch zwischen Lavendelblau und Himmelblau. Marianne schloss die Tür auf und Melina schlüpfte in den Gang. Der Gang war schmal. Man konnte gerade so durchlaufen. Eine kleine Komode stand noch in diesem Durchgang. Durch eine Tür auf der Linken Steite gelangte man noch einmal irgendwo hin. Doch Melina traute sich nicht zu fragen. Sie öffnete die Tür vor ihr, die eine Glasplatte enthielt und stand vor einer Spiegelwand. Dort erschrack sie vor sich selbst. Wie sah sie denn aus? Total verheultes Gesicht, zerzaustes Haar und das Blut auf ihrem Arm hatte auch eine sehr komische Farbe angenommen. "Wo ist...also...ähm...dürfte ich?" stammelte sie. Marianne deutete auf die Tür im Bad. "Dort ist kannst du dich waschen! Soll ich mal schaun, ob ich passende Anziehsachen für dich habe?" fragte sie fürsorglich. Doch das wollte die 16-jährige auf keinen Fall. Denn dann wäre sie diese Frau etwas schuldig. Nie wieder wollte sie in der Schuld von irgendjemanden stehen. Melina öffnete also die Tür zum Bad und wusch sich mit eiskaltem Wasser das Gesicht. Auch einen Kamm entdeckte sie und klettete ihr Haar. Langsam sah sie wieder aus wie ein ganz normales Mädchen. Nurnoch das Blut musste sie abwischen. Ihre Haut war wegen dem SChnitt leicht angeschwollen. Seufzend strich sie über die neue und und die alten Narben. Was hatten sie nicht alles für Bedeutungen. Keiner würde verstehen, wenn sie sagen würde: "Ich kann dir zu jeder Narbe eine Geschichte erzählen!" Und es sind bestimmt über 50 Schnitte. Als Melina ganz fertig war ging sie zurück in den Gang und sah sich um. Rechts, direkt neben der Spiegelwand, stand eine Tür offen. Zögerlich warf das Mädchen einen Blick rein. Das Zimmer war gemütlich eingerichtet. Ein Schrank mit Kindervideofilmen stand darinnen, so wie eine Couch, ein Kasperletheater, ein Klavier, ein kleiner Fernseher und eine Komode. Die Glastür am Ende des Raums führte hinaus auf die Terasse. Ob sie wohl rausgehen dürfte? Ohne zu fragen öffnete sie die Tür und traute ihren Augen nicht.