Gedichte
Teurer Geiz

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"Teurer Geiz"
Veröffentlicht am 04. Februar 2010, 8 Seiten
Kategorie Gedichte
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Über den Autor:

Einst brach ich auf, eine Welt zu erobern! Heut sitz ich in einem Käfig voller Narren! So kam ich zum Entschluss, "Will Hofnarr sein!" Und daran arbeite ich nun, in Berlin, das durch seine einmalige Nähe von Ost und West vielleicht schon einen Gedanken voraus ist. Mag sein, dass dieser Gedanke auch Nord und Süd einander etwas näher bringen kann.
Teurer Geiz

Teurer Geiz

Beschreibung

Wer wissen möchte, wie er (sie) selbst zur Finanz- und Wirtschaftskrise beitrug (oder beigetragen wurde), hier ein kleiner, scheinbar unwichtiger Ansatz!

Teurer Geiz

Unter dem Motto „Geiz ist geil!“

bietet man heute Waren feil.

„Kommen sie her, hier könn’ sie sparen!“

Ich spar mir einfach, hin zu fahren!

 

Irgendwas ist aus dem Lot

Ich bin doch wohl kein Vollidiot!

Wie kann man allen Ernstes sparen,

an völlig unnötigen Waren?

 

Doch viele kommen, kommen oft

Ein Schnäppchen lockt oft unverhofft

Schnäppchen, welch trügerisches Wort

Schnappt man den anderen was fort?

 




Zu tausenden die Schnäppchen liegen,

alle werden eines kriegen

Vor einem Jahr war’s viel zu teuer

Man hat gespart heut’, ungeheuer!

 

So zwölf Prozent im Ganzen schon

Für diesen Stress, gerechter Lohn!

Doch Eines ist mir gar nicht klar

Wie kamt ihr ohne aus, ein Jahr?

 

Völlig erschöpft kommt man nach Hause

Man gönnt sich eine Kaffeepause

Doch hält man sich nicht lange auf,

aus der Verpackung muss der Kauf!

 

Da steht es nun, so strahlend schön

Nur leider schwierig zu versteh’n,

die dämliche Betriebsanleitung,

so dick wie eine Monatszeitung

 

Doch schließlich, schon nach drei, vier Stunden,

die Grundeinstellung ist gefunden

Die neuen Superextras doch,

erfordern langes Studium noch

 

Was wird nun mit dem Altgerät?

Ab heute, es im Weg nur steht

Zur völligen Zufriedenheit,

zwei Jahre war’s stets dienstbereit

 

Gehört noch nicht zum alten Eisen

Das wird’s noch jahrelang beweisen

Die beste Gratifikation

für eine Internetauktion!

 

Die Auktion bringt nicht viel ein

Es reicht für einen bill’gen Wein

Die Bieter hatten keine Not,

zu groß einfach das Angebot!

 

Der Markt, er lässt sich nicht verrenken

Wenn tausend Schnäppchenjäger denken,

das Altgerät ist noch was wert!

Die Masse dann den Preis zerstört

 

Als wär’ das alles nicht genug,

kommt, mit der Post, ein Bankauszug

Was da steht, ist nicht so schön

Doch hatte man es kommen seh’n

 

Der Dispo ist längst überschritten

Das Bankhaus, es lässt freundlich bitten,

ihm  einen Plan zu übersenden,

der verhindert, dass sie pfänden

 

Das Einkommen wird bald nicht reichen,

Kosten und Schulden zu begleichen

Damit es trotzdem weitergeht,

die Bank ihnen zur Seite steht

 

Das ist natürlich nicht ganz billig!

Die Bank hilft gern und ist auch willig

Nur braucht ein Banker seinen Lohn,

so zwölf Prozent im Ganzen schon!

 

Man fragt sich: Wo können wir sparen?

Erstmal, nicht mehr in Urlaub fahren

Auch Restaurants muss man vergessen

Vorerst, wird nur zu Haus gegessen

 

Ach ja! Der Modemarken Reiz!

Manchmal tut er weh, der Geiz

So geizt man nun, bei jedem Kauf

und zahlt trotzdem oben drauf!

 

Nach einer langen Dürrezeit,

kommt wieder Post. Es ist so weit!

Das Bankhaus bietet, sehr devot,

ein neues Treueangebot

  

Schuld und Zins nun abgetragen,

untertänigst möcht’ man fragen:

Wie hoch darf denn der Dispo sein?

Man richte gerne einen ein!

 

Nun gibt es keine Dürre mehr!

Endlich ist man wieder wer!

Im Konsumrausch sie verharren

Wie vor der Dürre. Diese Narren!

 

So sucht man wieder, man sucht oft

Ein Schnäppchen lockt oft unverhofft

Niemals begreift die närrisch’ Meute,

auch Geiz ist was, für reiche Leute!

                                                           PeKa

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Über den Autor

pekaberlin
Einst brach ich auf, eine Welt zu erobern! Heut sitz ich in einem Käfig voller Narren! So kam ich zum Entschluss, "Will Hofnarr sein!" Und daran arbeite ich nun, in Berlin, das durch seine einmalige Nähe von Ost und West vielleicht schon einen Gedanken voraus ist. Mag sein, dass dieser Gedanke auch Nord und Süd einander etwas näher bringen kann.

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baesta Damit beschäftigen sich ja - sogar schon Wissenschaftler, um herauszubekommen, wie man den Menschen immer mehr zum Kaufen animieren kann. Gut geschrieben, Peter und vor Allem wahr.

Liebe Grüße
Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
Volker Re: Re: Vermutlich -
Zitat: (Original von pekaberlin am 04.02.2010 - 17:28 Uhr)
Da ich gern den Titel überm Text habe, füge ich drei Absätze hinter die dritte Strophe, um die vierte, nicht zu zerreißen! Mehr steckt da nicht drin!
Also, wenn Du auf etwas mystisches gehofft hast: Kann ick nich mit dienen!
Gruß Peter
Zitat: (Original von Volker am 04.02.2010 - 17:03 Uhr) gerade für die.

Nee, Peter, hat' ick nich, obwohl ich gegen Mystisches nichts einzuwenden habe. Hab' trotzdem nicht verstanden, was der Dichter mir sagen will. ;-)
Herzliche Grüße
Volker
Vor langer Zeit - Antworten
Windflieger Der Text ist - einfach ein Volltreffer, das Gesellschaftsbild hast Du genau gezeigt!!!
LG Ivonne
Vor langer Zeit - Antworten
pekaberlin Re: Den - Schön! Einen dicken Finger kann ich auch nicht gebrauchen!
Dank und Gruß Peter
Zitat: (Original von dunkelkristall am 04.02.2010 - 21:17 Uhr) Nagel auf den Kopf getroffen

VG Michael

Vor langer Zeit - Antworten
dunkelkristall Den - Nagel auf den Kopf getroffen

VG Michael
Vor langer Zeit - Antworten
pekaberlin Re: - Danke Dir!
Aber es zeigt hoffentlich auch, dass wir die "närrisch Meute" sind, die diesem Gesellschaftsbild hinterherlaufen.
Gruß Peter
Zitat: (Original von EmilyFox am 04.02.2010 - 18:51 Uhr) gut gelungen und es spiegelt die gesellschaft so wieder, wie sie gerade ist.
Besonders gut finde ich es, dass du den Teufelskreis so deutlich machst.
(oder sogar Andeutungen zur Kaufsucht drinne hast, die ich da sehe :) )

Liebe Grüße

Vor langer Zeit - Antworten
pekaberlin Re: Das Perfide ... - Oder anders Gunda,
der Kunde ist der Kaiser!
Gruß Peter
Zitat: (Original von Gunda am 04.02.2010 - 19:27 Uhr) ... ist, dass der BEdarf erst durch das Angebot geweckt wird ... Oder wie ist es zu erklären, dass montags und donnerstags vor den beiden größten deutschen Discountern die Leute Schlange stehen - obwohl sie vor 14 Tagen noch gar nicht wussten, dass es an diesem Tag PCs oder Fernsehgeräte oder Rasenmäher gibt ?
Ein Hoch auf die schöne, bunte Werbewelt ...

Lieben Gruß
Gunda

Vor langer Zeit - Antworten
Gunda Das Perfide ... - ... ist, dass der BEdarf erst durch das Angebot geweckt wird ... Oder wie ist es zu erklären, dass montags und donnerstags vor den beiden größten deutschen Discountern die Leute Schlange stehen - obwohl sie vor 14 Tagen noch gar nicht wussten, dass es an diesem Tag PCs oder Fernsehgeräte oder Rasenmäher gibt ?
Ein Hoch auf die schöne, bunte Werbewelt ...

Lieben Gruß
Gunda
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