Beschreibung
Würde mich über Feedback freuen. :)
PS: Ein Futon ist alte Form eines japanischen Betts bestehend aus einer einfach harten Matratze am Boden und einer Decke.
PPS: Wird glaub ich nochmal überarbeitet.
Ein trügerischer Morgen
Kapitel 5
Ein trügerischer Morgen
Nachdenklich schob Kenjiro das Tor zur Kei-Do Schule auf, trat ein und schloss es wieder. Als er das friedliche Bild des in Mondlicht getauchten Gartens sah, ergriff ihn eine tiefe Traurigkeit. Bekümmert schaute er zum Sichelmond auf und ihm entglitt ein schweres Seufzen: „Lange werde ich nicht hier bleiben können.“ Mit langsamen Schritten ging er zum Haus und öffnete die Tür zu seinem vorübergehenden Zimmer. Er warf einen letzten vorsichtigen Blick in den Garten, schob die Tür zu und begab sich dann zu Bett. Sein Schwert lag nichtsdestotrotz griffbereit direkt neben seinem Futon. Er glitt, wie jede Nacht, in einen unruhigen Zustand, der sich irgendwo zwischen Schlaf und Wachsamkeit befand.
Am nächsten Morgen wurde er von dem schnellen Getrippel kleiner Füße aufgeweckt. Wie jeden Morgen war er froh nicht mehr von den Gespenstern seiner Träume geplagt zu werden und öffnete langsam seine Augen. Zwei kleine Gesichter mit lebhaft glänzenden Augen tauchten vor ihm auf und schauten ihn erstaunt an. „Bist du ein Samurai?“ fragte die kleinere von den beiden und beugte sich tief zu ihm herunter. Ein Lächeln stahl sich auf Kenjiros Gesicht, während er sich behutsam aufrichtete. Die Kleine erschreckte sich trotzdem und versteckte sich hinter dem Rücken ihrer größeren Schwester. „Das sind die kleinen Ungeheuer vor denen ich dich gestern Abend gewarnt habe!“ schallte es lachend von der Tür. Er drehte den Kopf und lächelte den alten Mann verstehend an: „So ist das also... Dann sind sie die Kinder von Mizuki?“ Yutaka brach in schallendes Gelächter aus und sobald er sich wieder beruhigt hatte wiederholte er: „Mizukis Kinder?“ Er kämpfte schon wieder mit einem Lachanfall, schaffte es aber diesmal ihn herunterzuschlucken. „Den Tag an dem ich Großonkel werde ich nicht mehr erleben, Jungchen! Es sind ihre Schwestern.“ gluckste er mit freundlichem Spott in der Stimme. „Aber lass das ihr bloß nicht zu Ohren kommen. Sonst stürmt sie nachher noch aus dem Bett und prügelt uns windelweich!“ Kenjiro ließ sich von seiner guten Laune anstecken und konnte ein breites Grinsen nicht unterdrücken. „Ich werde mir diesen Ratschlag zu Herzen nehmen.“
Plötzlich zupfte die größere von Mizukis Schwestern an seinem weiten Ärmel und murmelte schüchtern: „Du hast unsere große Schwester gerettet oder? Bist du ein Held?“ Kenjiro schüttelte lächelnd den Kopf und meinte: „Ich bin bei weitem kein Held... Nur ein Wanderer, der den richtigen Weg sucht. Aber was ist mir euch? Wer seid ihr?“ Langsam schienen die beiden ihre Schüchternheit zu verlieren und die kleinere schob sich hinter dem Rücken ihrer Schwester hervor und rief aufgeregt: „Ich bin Hiroko. Die beeeste Glühwürmchenjägerin in Edo! Bist du denn jetzt ein Samurai, Kenjiro?“ Da drängte ihre Schwester sie ein Stückchen zur Seite und rief stolz: „Ich bin Yoko und werde irgendwann genauso schön und stark wie unsere große Schwester werden, um dann die Schule weiterzuleiten!“ Vergnügt legte Kenjiro den beiden die Hand auf den Kopf und wuschelte liebevoll durch ihre Haare. „Ich fühle mich geehrt, die Bekanntschaft von solch bedeutenden Personen gemacht zu haben.“ lachte er und nun war die letzte Zurückhaltung verschwunden. Sie stürmten beide auf ihn ein, versuchten ihn auf die Beine zu ziehen und bettelten: „Spiel mit uns! Zeig uns wie du diesen großen fetten, hässlichen, Fleischklops besiegt hast. Biiiittteee!“ „Sie haben dich in ihr Herz geschlossen.“ stellte eine sanfte, aber leise und schwache Stimme vergnügt fest. Kenjiro drehte überrascht den Kopf und entdeckte Mizuki im Türrahmen stehen. Sie drückte eine Hand auf ihre Wunde und stützte sich lächelnd an die Wand. Kenjiros Grinsen verschwand und ein besorgter Ausdruck trat in sein Gesicht. „Sie sollten sich ausruhen Miss Mizuki, das sollten sie wirklich.“ ermahnte er sie und sah zu, wie die ihre Schwestern zu ihr liefen und sie, an ihrem Kimono zupfend, mit Fragen löcherten. „Geht es dir gut? Was ist passiert? Warum hast du verloren? Nimmst du uns heute mit in die Stadt zum Einkaufen, wie du es versprochen hast?“ Beschwichtigend und halb lachend erklärte sie ihnen: „Nicht so hastig. Mir geht es nicht so gut. Ich brauche Ruhe.. Deswegen müssen wir das wohl verschieben.“ Die beiden zogen traurige Gesichter, verstanden aber die Situation und gaben Mizuki aus ihrer Belagerung frei. „Ich könnte mit ihnen gehen. Es ist das Mindeste, was ich tun kann, um mich für eure Gastfreundschaft zu bedanken.“ Schlug Kenjiro vor, während er aufstand und sein Schwert in den Gürtel steckte. Die Gesichter der beiden Kinder erhellten sich schlagartig und sie bekundeten ihre Zustimmung indem sie wild durcheinander riefen und um Kenjiro herum rannten. „Es ist nicht nötig, dass du dir solche Umstände machst.“ flüsterte Mizuki und musterte Kenjiro interessiert. Dieser blickte ihr bei seiner Antwort geradewegs in die rehbraunen Augen: „Nun gut, dann habe ich eine Bitte an Sie.“ „Die wäre?“ fragte sie überrascht. „Dafür das ich mich um den Haushalt kümmere, sorgen Sie dafür, dass sie brav im Bett liegen bleiben und so schnell wie Sie können wieder gesund werden.“ Ein roter Hauch färbte ihre Wangen und gaben ihrem blassen Gesicht eine Spur der gesunden Farbe zurück. „Du lässt nicht locker oder?“ seufzte sie lächelnd, nickte zustimmend und zählte dann auf, was er alles zu besorgen hatte. Yukata gab mir das Geld und ich machte mich in Begleitung der lebhaften Hiroko und Yoko auf den Weg zum Marktplatz.
Es war ein wunderschöner Tag, die Sonne stand hoch am Himmel und schickte ihre warmen Strahlen großzügig zu den blühenden Blumen, die sich waghalsig gen Himmel reckten. Es war noch früh und nur wenige Menschen waren auf den Straßen. Die meisten von ihnen waren Frauen, die sich miteinander tratschten und Kenjiro mitsamt seinem Gefolge gut gelaunt grüßten. Er erwiderte ihre Begrüßungen mit einem Lächeln und folgte dabei den beiden aufgedrehten Kindern quer durch die Straßen, von einem Stand, wo es etwas Interessantes zu sehen gab, zum anderen. Er genoss diese friedliche Zeit in vollen Zügen. Und ehe er sich versah, hatte sich eine Traube aus etwa 9 Kindern um seine Beine herum gebildet, die alle mit ehrfürchtigen Blicken zu ihm hinaufsahen. Anscheinend hatte einer der beiden ihnen von seinem Sieg über den Gyakusatsu erzählt und nun wurde er von allen Seiten mit Fragen bombardiert. Lächelnd setzte er sich zu ihnen auf den Boden und beantwortete ihre Fragen so gut er konnte, ohne ihnen zu viel zu verraten. Währenddessen füllten sich die Straßen allmählich und die Traube der Kinder löste sich langsam auf. Nachdem das letzte neugierige Augenpaar verschwunden war setzten die drei ihre Einkaufstour weiter fort. Erst als die Sonne schon fast ihren Zenit erreicht hatte, waren alle Einkäufe getätigt und sie begaben sich auf den Rückweg.
Doch plötzlich brach neben ihnen ein Tumult aus und mehrere Frauen stießen überraschte Schreie aus. Kenjiros Instinkt meldete sich warnend zu Wort und seine Hand wanderte automatisch zum Griff seines Schwertes. Zu den Schreien gesellten sich nun auch die aufgebrachten Rufe der Männer und einige Mütter, die gerade noch in die selbe Richtung wie die drei gegangen waren, kehrten auf der Stelle um. Verängstig drängten sich Hiroko und Yoko an ihn und krallten sich mit zitternden Händen in den weiten Stoff seiner Hose. Für einen Augenblick trennte sich die verwirrte Menschenmasse und gestatte Kenjiro einen Blick auf das Geschehen. Er kniff die Augen zusammen und augenblicklich schwand das Lächeln aus seinem Gesicht. Ermutigend kniete er sich zu den beiden Mädchen hin und befahl ihnen: „Rennt schon mal vor und seid so schnell wie der Wind. Ich komme später nach.“ „Versprochen?“ fragten sie ängstlich. „Versprochen!“ Sie nickten beide und entfernten sich kurz darauf vom Geschehen.