Fantasy & Horror
Blake

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"Blake"
Veröffentlicht am 18. September 2009, 8 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
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Blake

Blake

Kapitel 1

 

In der Hoffnung ihn noch anzutreffen, fuhr Blake nun schon seit Stunden auf der Autobahn Richtung Norden. Er atmete tief ein und sog die stickige Luft in seine Lunge. Im Laufe der Zeit hatte die Mittagssonne den alten Mercedes in eine mobile Sauna verwandelt. Mühsam konzentrierte er sich auf den Verkehr. Sein Körper schrie nach frischem Sauerstoff, doch er wollte kein Fenster öffnen. Schwerer, mit Abgasen angereicherte Dunst der Autobahn lauerte hinter der Scheibe. Menschen empfanden diesen Geruch weniger unangenehm aber Blake war kein Mensch. Der Gestank von verbranntem Treibstoff, vermengt mit dem Duft geschmolzenem Gummis  drang durch jeden Spalt in das Auto und brannte in seiner Nase. Lukas saß auf dem Beifahrersitz und schlief. Nur wenige Kilometer waren noch zu fahren, erst am Ziel würde er ihn wecken.

Blake beschleunigte den Wagen. Auf halber Höhe mit einem LKW rechts von ihm, scherte unerwartet ein roter Kleinwagen vor ihm ein. Im Bruchteil einer Sekunde berührte sein rechter Fuß das Bremspedal. Ohne darüber nachzudenken drückte er es bis auf den Boden durch. Adrenalin stieg in ihm hoch, wie Eiswasser floss das Hormon durch seine Blutbahn und vertrieb die Müdigkeit. Dem Adrenalin folgte die Wut. Was nun geschah konnte er nicht kontrollieren. Allzu oft hatte er versucht die Verwandlung zu unterdrücken, doch der Instinkt war stärker als sein Wille.

Seine Pupillen formten sich zu dünnen Linien, die Gesichtszüge verzerrten sich. Die Bestie in ihm drang hervor. "Du Arsch, kannst du nicht aufpassen!", schrie er laut.

Lukas blinzelte ihn mit halb geöffneten Augen fragend an. "Was ist passiert?"

"Nichts, der Idiot da vorne kann nur nicht fahren", brummte Blake. Langsam atmete er ein und füllte seine Bronchien mit der warmen Luft. Es gab nur einen Weg den Dämon in seinem Körper zu unterdrücken, er musste seinen Herzschlag verringern und sich beruhigen.

"Ach so", murmelte Lukas desinteressiert und verschränkte die Arme hinter seinen Kopf. Gähnend reckte er sich. "Wie lange habe ich geschlafen?"

Blake schaute kurz zu ihm rüber. "Über eine Stunde. Wir sind bald da."

"Prima. Als erstes sollten wir etwas essen. Ich bin am verhungern!"

Blake warf ihm einen fragenden Blick zu und seine Gesichtszüge entspannten sich. "Wie kannst du nur immer zu essen und dabei kein Gramm zunehmen? Das ist doch nicht normal!"

"Ich bin kein normaler Mensch, immerhin lebe ich mit dir zusammen", verteidigte sich Lukas lächelnd.

Blake sah ihn nachdenklich an, er wusste das seine Nähe auf Dauer nicht gut für Lukas war. "Du solltest dir eine Freundin suchen und mir den Rücken kehren. Oder willst du dein ganzes Leben mit einem Dämon an deiner Seite verbringen?"

Lukas schüttete energisch den Kopf "Du bist kein Dämon, auch wenn du mir nicht glaubst..."

Blake zuckte mit den Schultern. "Was bin ich dann? Wie soll ich mich beschreiben? Als einen Menschen mit gewissen Fähigkeiten?"
"Ich weiß es nicht aber auch wenn du anders bist, du hast dich unter Kontrolle. Oder...", Lukas stockte bevor er weiter sprach. "Oder klebt an deinen Händen das Blut des eigenen Vaters?"

"An meinen Händen klebt auch Blut, dass Blut mehrerer."
"Das meine ich nicht. Hast du jemals einen Menschen getötet?"
Blake antwortetet nicht.
"Siehst du KATZENAUGE, du bist menschlicher als ich", triumphierte Lukas.

Blake starrte auf den alten Nissan, der nun vor ihnen fuhr. "Ja, ja...", antwortete er schließlich. "Ich bin ein Stubentiger in Menschengestalt. Meine Mutter hat es nur vergessen zu erwähnen, bevor sie mich als Baby an den alten Mann übergeben hat und nun darf ich mich KATZENAUGE nennen lassen."

Über diese Worte musste Lukas lachen. "Warte ab, vielleicht erfährst du auf Fehmarn wer du bist."
Doch davon war Blake nicht überzeugt. "Wenn der Dämon noch auf der Insel ist und wir ihn finden sollten, heißt das noch lange nicht, dass er meine Fragen beantwortet."
Fragend schaute Lukas zu ihm rüber. "Und warum suchen wir dann nach ihm?"

Blake konnte nicht sofort antworten. Schließlich war er es, der am Morgen entschieden hatte nach Fehmarn aufzubrechen, nachdem er im Radio vom dem Mord auf der Insel hörte. "Es gibt keine andere Möglichkeit zu erfahren was ich bin", rechtfertigte er seine Entscheidung.

Für einen Moment wurde es still und Lukas blickte aus dem Fenster. Blake nahm das Gespräch wieder auf. "Lukas... Was ich dir gerade gesagt habe meine ich ernst. Du bist jetzt 20 Jahre alt, du solltest dich wirklich mit Menschen anfreunden."

Lukas schaute weiterhin aus dem Fenster und schüttelte energisch den Kopf. "Klar, ich weiß doch was dann passiert. Ich suche mir eine Freundin und du haust ab." zischte er traurig.
"Wenn du jemanden gefunden hast laufe ich nicht sofort weg. Zwei, drei Jahre kann ich bleiben. In dieser Zeit merkt kein Mensch das ich nicht älter werde."

Lukas wandte sich vom Fenster ab, mit festem Blick sah er zu Blake herüber. "Hör auf Blake, mir gefällt mein Leben so wie es ist. Ich brauche keinen festen Wohnsitz oder eine Freundin. Ich mag gelegentliche One-Night-Stands und fahre gerne mit dir quer durch Deutschland. Auch wenn ich 50 Jahre alt bin und du immer noch wie ein 25-Jähriger aussiehst. Egal - dann gebe ich mich halt für deinen Vater aus!"

Die Hartnäckigkeit in Lukas Stimme gefiel Blake nicht und er versuchte die Situation zu entschärfen. "Naja, etwas älter bin ich dann schon..."

Lukas schnaubte. "OK, auch wenn ich 50 Jahre alt bin und du wie ein 27-Jähriger aussiehst, meine Meinung ändere ich nicht!"

Blake fixierte wieder den Kleinwagen vor ihnen. Er starrte auf den Nissan, als bot dieser eine Lösung für sein Problem. Er wusste, dass die Trennung von Lukas unausweichlich war aber er fand keinen Weg, ihn davon zu überzeugen.

"Lukas, hör mir zu", sprach er mit fester Stimme. "Auch wenn du keinen Menschen auf dieser Welt findest... Auch wenn ich dich nicht aus diesem Grund verlassen muss... Irgendwann entdecke ich einen Hinweis auf meine Eltern und dann werde ich gehen - Ohne dich."

Lukas starrte ihn trotzig an. "Dann hoffe ich, dass dieser Dämon seine Klappe hält."

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mel73

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