Schreibparty 103
Thema: Unheimliche Geschichten
Wortvorgaben: Nachtigall, Höhle,
Nebelkrähe, Insel, Sterschnuppe
Schreibparty 89: Zungenbrecher
Thema: Fernreisen
Vorgabeworte: Horizontbespanner, Raubvogelnacht,Wachsmaske,
Erdbahnkreuzer, Metzgermesser, Zwitschern, Picknickpaket,
Wipfelspitzen, Zierteichschnecken
Text: Martina Wiemers
Buchcover: kostenlos
gefunden bei google
So Ihr Lieben, wer Lust auf Ulk und Grusel hat, der darf sich nun die Zunge brechen.
Habe beide Schreibpartys miteinander verwoben und sie zu einer, für Euch hoffentlich lesbaren, leicht gruseligen Schmunzelgeschichte, zusammengeklebt.
„Wenn glitzernder Schnee auf den Wipfelspitzen der Wipfel, bis zu den Gipfelspitzen der Gipfel glitzert, dann wird in der Nacht, die Raubvogelmacht der Raben, die sich im Graben am Aase laben…“ „Hör endlich auf, meine Ohren mit deinen dussligen Deklamationen zu malträtieren“, sagt Jonathan Jansen, Verbandsjustiziar des Deutschen Jogger-Verbandes und Vereinsvorsitzender des Jessener Jogger-Vereins “ JJ Jessen“ ärgerlich zu seinem Schulfreund, dem Metzger, Mike Meier, Meister in der Metzgerei „Mett und Wurst von Meiers“ aus Miesdorf an der Mies.
Die Hauptrolle in der bekloppten
Provinzposse „Der Horizontbespanner im Erdbahnkreuzer Nachtigall“ von deinem Idol, Dietmar Dettmer vom Dettmolder Theater in Dettmold, wirst du niemals bekommen. Wer würde schon glauben, dass du als außerirdische 150 kiloschwere Nebelkrähe mit purpurroter Wachsmaske und Püschelpusteln am Po, die Gerdi, schönste Elfe im Stück, am elften Tag, mit dem zwölften Zauberspruch bezirzen kannst.
Die gertenschlanke Gerdi, im richtigen Leben Gartenbesitzerin und Gärtnerin in der Gärtnerei „Gärtnern im Garten“, steht mehr auf Manfred Murmann,
Inhaber der Muckibude „MuckiManfred“, die mit dem Slogan „Muckis für Männer und Frauen mit Mucken“ erfolgreich wirbt.
Mike Meier, nicht nur Metzgermeister, sondern seit Jahren auch begeisterter Freizeitschauspieler am Cottbusser Postkutschkastentheater, blickt seinen Freund, Jonathan Jansen, nur beleidigt an, atmet tief ein, nimmt einen Stein in den Mund, hebt die Arme gen Himmel und setzt seine Sprachübungen mit" öhle, möhle, pöhle, zöhle döhle, höhle, köhle, föhle", unbeirrt fort.
Als er seinen Schulfreund Winfried
Wichmann, Whiskyverkäufer und bester Whiskymixer in der Whiskydestille „Winfrieds Wipper Whisky“ in Wippra an der Wipper, im Schneckentempo, keuchend wie ein schleimiger Schneckrich beim Schneckensex, schwer schleppend mit Picknickkorb, Stiefeln und Wanderausrüstung den Naturlehrpfad zum Zierteichschneckendenkmal heraufkommen sieht, lacht er laut auf.
Prustend lässt sich Winfried mit seinem Picknickkorb neben Jonathan und Mike auf die Picknickdecke fallen, beäugt die mitgebrachten Picknickpakete der Freunde, zeigt auf die bratenden
Bratwürste auf dem Bratwurstbrutzler und fragt misstrauisch: „mit Mett oder Mais?“ „Na, mit Mett“, antwortet Mike halbbeleidigt und wendet mit der Bratwurstzange die schon fast braun gebrutzeltender Mettwürste.
„Wo kommst du denn jetzt erst her“, fragt ihn Mike Meier erstaunt. Jonathan und ich sind schon gestern, wie verabredet, zusammen mit dem Zug 10:10 Uhr ab Zwickauer Inselbahnhof nach Zittau, ins Zittauer Gebirge, gefahren. Haben, wie damals, in der Pension „Zu den 12 Zieseln“ bei Wirtin Ziolka Zimt, Zimmer gebucht. Für
Jonathan und mich je zwei Einzelzimmer, für Zweisamkeit zu zweit mit extra breiten Einzelbetten und für dich und deine Wiebke ein Zweibettzimmer mit zwei Einzelbetten zum Zweibettzimmerrabatt“, sagt Mike Meier leicht pikiert, verknotet seine saubere Metzgerschürze vor dem Bauch und prüft mit dem Zeigefinger die Schärfe seines Metzgermessers.
„Meine Wiebke muss heute in Wippra, an der Wipper, den Wurf junger Windhunde von Jan Jürgen, dem Jüngsten der Jürgens, unserer neuen Nachbarn von nebenan, betreuen“, sagt Winfried, nimmt sein Picknickpaket aus dem Korb
und fragt schnuppernd: "Hm, lecker, wollt ihr kosten? Habe gleich früh 5:15 Uhr die frischen Brötchen mit geräuchertem Fisch und die Fischfritten aus Frischfisch bei Fritzi in ihrer Frischfischfrittenbude "Fisch bei Fritzi immer frisch"gekauft."
Jonathan nimmt Mike das Metzgermesser aus der Hand, schneidet die gebratenen Mettwürste in mundgerechte Stücke, verteilt sie auf die vorbereiteten Teller und füllt jedem seiner Freunde vierfingerbreit selbstgemachten zweiundfünfzig Prozentigen Zwetschgenschnaps, destilliert aus Zwetschgen der Zwetschgenbäumen an der Jesse, in Jessen, in die Whiskygläser
von Winfried Wichmann.
4 Tage später „Na, wie war eure „Männermugge am Zierteichschneckendenkmal in Zittau? Lebt die Wirtin der „12 Ziesel“ Ziolka Zimt noch? Die hat euch damals, vor 20 Jahren, auf der Schuljahresabschlussfahrt im Keller des „Ziesel“ zwischen den Zuckersäcken vor Direktor Detlef Dortmann versteckt. Du hast nach den Zwetschgenschnäpsen und dem vielen Whisky gekotzt wie ein Reiher, mein lieber Winfried, drei Tage das Bett nicht verlassen und 1 Jahr dem Alkohol abgeschworen“, sagt Wiebke ein bisschen schadenfroh.
“Ging so“, antwortet Winfried seiner Wiebke ausweichend. Er verschweigt ihr vorsorglich, dass er diesmal nach den Whiskys, Mettbratwürsten, Zwetschgenschnäpsen und den Frischfischfritten frühmorgens beim Aufwachen nicht nur Zeisig und Zaunkönig auf den Wipfelspitzen der Wipfel, über den Gipfelspitzen der Gipfel zwitschern hörte, sondern, dass er auch seinen Freund Mike Meier mit Wachsmaske, Arm in Arm mit einer riesigen rosaroten Nebelkrähe mit Püscheln am Po, in einem erdbahnkreuz ähnlichem Fahrzeug mit aufgemalten Sternschnuppenwimpeln davonfliegen sah.
Winfried Wichmann hielt ihn damals zwar für sturzbesoffen, aber er kann sich bis heute nicht erklären, wieso Mike Meier, aus Miesdorf an der Mies, mitsamt Metzgermesser und Metzgerschürze seit der Picknickrunde 2021 immer noch spurlos verschwunden ist und sich bis gestern 26. Juni 2024 nicht bei seinen Freunden gemeldet hat.
Das Gerücht, außerirdische Vögel hätten Mike damals durch ein schwarzes Loch ins Weltall verschleppt, hält sich hartnäckig.
Als Winfried Wichmann sich gestern abend in Wippra an der Wipper in seiner Whiskydestille den 3. Whisky mixte, sträubten sich ihm die Nackenhaare, weil die Lampen anfingen zu flackern, er das Schleifen von Messern, das Knacken von Knochen, Mike Meiers leises deklarieren, "öhle, möhle, pöhle, zöhle, döhle, höhle, zöhle, föhle und sein irres Lachen hörte.
Winfried Wichmann wurde heute morgen
blutüberströmt gefunden und in die psychiatrische Klinik in Potsdam, Cottbusser Straße 9, eingeliefert. Er ist auch nach Stunden noch nicht ansprechbar.