Heute ist er endlich angekommen! Der lange ersehnte Brief vom Amt für Soziales! Obwohl ich ihn schon seit Wochen erwartet habe, war ich dann doch etwas erschrocken, nachdem ich den Briefkasten geöffnet hatte. Denn der typisch graue Umschlag war extrem dick! Und das bedeutet meist viel Arbeit für mich.
Doch warum sollte ich dann das Schreiben sehnlichst erwarten? Ich verrate es euch. Doch zuvor eine kurze Erklärung (an diejenigen, die mich noch nicht kennen), warum ich überhaupt auf
das Amt angewiesen bin.
In der ehemaligen DDR aufgewachsen erlernte ich den Beruf des Tierpflegers mit Schwerpunkt auf die Rinderproduktion. Kurz: Ich wurde Melkerin (aus Überzeugung) und übte diesen Beruf auch bis zum Mauerfall aus. Aus Überzeugung, weil ich schon immer mit Tieren arbeiten wollte und mein Zeugnis mit einem Notendurchschnitt von 2,4 nicht für den Beruf des Zootechnikers reichte. Denn dann hätte ich mit Pferden arbeiten können. Zwecks dem Fehlen von Alternativen entschloss ich mich für den Beruf als Tierpfleger, die sich dann aufteilten in Rinder-,
Schaf-, Schweine- und Geflügelproduktion. E hätte ich auch genommen, wurden damals aber gerade nicht benötigt. Also wurde ich Melkerin und habe es nie bereut. Im Gegenteil, nachdem ich einmal ein paar Monate in die Pferdepflege schnuppern konnte, fand ich das Arbeiten im Kuhstall interessanter. Die Rinder sind wenigstens nicht so empfindlich. Und ich habe Milchkühe kennengelernt, die anhänglicher als jedes Pferd waren, sobald ich den Stall betrat. Aber genug geschwärmt. Zurück zum Thema.
Nach der Grenzöffnung und dem Wegfall der LPG´s (der Landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaften) war ich weiterhin in Vollzeit tätig, ab nun aber in allen möglichen Richtungen: Schreibarbeit im Büro eines Optikers plus Lagerbestandsarbeit, in der Produktion bei Herlitz, Treppenreinigung, 3 Schicht in der Produktion von Schalttafeln etc., etc.
Zum Schluss fand ich eine Arbeit als pädagogische Mitarbeiterin in der Kita von unserem Dorf. Bis in der Kommune das Geld knapp wurde und ich gehen musste.
(Und nebenbei gebar und zog ich noch 3 Kinder auf, versorgte den Haushalt und
bespaßte meinen zeitweise in der Familie vorhandenen Mann.)
Und dann stand ich von einem auf den anderen Tag ohne Arbeit da. Zwei von drei Kindern waren inzwischen aus dem Haus. Und es gab immer häufiger Streit mit meinem Mann, der echt... na ja, das lest mal lieber in einigen meiner anderen Blogeinträge. Eine Veränderung stand bevor.
Inzwischen gab es ja das Arbeitsamt, doch die Mitarbeiterin machte mir nicht viel Hoffnung auf eine weitere Arbeitsstelle, noch dazu in meinem erlernten Beruf. Sie meinte, ich soll die
Beine hochlegen und auf meine Rente warten. Da war ich 45.
Ich zog dann aber doch mit meinem Sohn nach Bayern und arbeitete dort noch ein paar Jahre bei Mc Donalds, als Zimmermädchen und als Hauswirtschaftlerin auf einem privaten Bauernhof. Und selbst, nachdem ich wieder hierher zurückgekehrt war, blieb ich nicht untätig. Ich kümmerte mich selbst um eine Umschulung und arbeitete anschließend noch 5 Jahre als Tagesmutter. Doch dann machte mir meine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung.
Inzwischen kann und darf ich nicht mehr arbeiten. Eine Nieren- und Herzinsuffizienz sowie inzwischen 4 zum Teil zeitlich versetzen in der Lunge gefundene Thrombosen machen das Arbeiten unmöglich. Ich bin dauerhaft „nicht mehr für den Arbeitsmarkt tauglich“, wie es so schön in zwei Attesten von Amtsärzten heißt.
Und da mir knapp 4 Monate Einzahlung in die EU Rente fehlt, bekomme ich nun bis zu meiner Altersrente, nach einem arbeitsreichen Leben, ausschließlich Sozialhilfe. So, und nun halte ich endlich
diesen Brief vom Amt in der Hand und kann zu meinem eigentlichen Blogeintrag von heute kommen.
Also, als ich vor 2 Wochen zum Schwimmbad ging, wollte ich, wie üblich, meinen ermäßigten Eintrittspreis von 2 Euro bezahlen. Dieses Mal saß ein anderer Mann an der Kasse und informierte mich, dass der BerlinPass nicht mehr gültig sei. Den braucht mal hier, um sich eben als „Geringverdiener“ auszuweisen und Ermäßigungen für Öffi-Fahrscheine oder Tickets für Eintrittspreise nutzen zu können.
Denn ab Januar diesen Jahres gäbe es
vom Amt einen „Berechtigungsnachweis“, der den BerlinPass ersetzt, alles vereinfachen soll und automatisch von den Ämtern ausgegeben wird. Ich solle doch zu Hause mal in meiner Post nachschauen, denn ich hätte den schon.
Ehm, nein, hatte ich nicht. Ich öffnete meine Post immer sofort, besonders die vom Amt, da das meist Terminsachen waren. Und von einem „Berechtigungsnachweis“ hatte ich bis da noch nie was gehört.
Also machte ich mich am folgenden Dienstag auf den Weg zum Amt.
Schließlich hatte ich meiner Sachbearbeiterin Mitte Dezember 2022 auch meine Neuberechnung von Miete und Krankenkasse per Mail zukommen lassen und noch keine Rückmeldung bekommen. Geschweige denn eine Korrektur meiner Bezüge. Mail, Brief oder Telefon wollte ich daher dieses Mal nicht.
Nach zwei Stunden Wartezeit kopierte man sich kommentarlos die neuen Beitragszahlen und teilte mir auf Anfrage wegen des „Berechtigungsnachweises“ mit, dass es bei den Massen von zu verschickenden Briefen schon mal zu Verzögerungen kommen kann. Noch mal
zur Erinnerung: Ab 01. 01. 2023 waren die Nachweise Pflicht. Das war am 21.02.2023.
Aber immerhin lag nun heute der dicke Brief in meinem Kasten. Und nun kann es endlich losgehen. Und ich kann diesen neuen „Berechtigungsnachweis“ beantragen.
Der dicke Umschlag enthielt 10 Blättern, von denen sich 7 auf den Nachweis bezogen. Die restlichen 3 waren die Neuberechnung meiner Bezüge für meine Unterlagen. Immerhin hat man dieses Mal alles in einem Umschlag gesteckt und verschickt. Ich hatte schon die
Situation, dass 2 oder 3 Briefe an einem Tag kamen, alle von meiner Sachbearbeiterin, aber zu unterschiedlichen Sachverhältnissen. Welch eine Verschwendung von öffentlichen Geldern!
Aber nun zu den 6 Info-Blättern plus dem eigentlichen Berechtigungsnachweis, die fast alle beidseitig beschriftet waren. Viel Info also! Eine Seite gleich zu Beginn informierte mich schon mal darüber, was ich machen muss, wenn der Antrag nicht bis zum 01.01. 2023 bei mir ist. Schön, dass ich jetzt, ein einhalb Monate später darüber aufgeklärt werde!
Anschließend erfuhr ich, dass ich den „Antrag über den Nachweis für das Berlin Ticket S und weiteren Vergünstigungen im Bereich Sport, Bildung, Kultur und Freizeit in Berlin“ momentan nur online stellen kann. Da in den Bürgerämtern die Kapazitäten für die Flut von Antragstellern fehlt. Und was machen nur die vielen Senioren, die wegen Altersarmut auf den Nachweis angewiesen sind und kein Internet haben? Das sind nicht mal wenige, selbst hier in meinem Blog.
Antwort: Die müssen sich gedulden, denn
es ist geplant, dass irgendwann im April die Möglichkeit besteht, seinen Antrag auch schriftlich zu stellen und in separate Briefkästen zu werfen, die bis dahin hoffentlich vor ausgewählten Bürgerämtern montiert werden sollen. So weit der Plan. Und bis dahin müssen die Senioren eben den vollen Preis für alles zahlen, denn der BerlinPass gilt ja nicht mehr. Geld gibt es auch rückwirkend nicht wieder, entnehme ich hier dem Schreiben. Auch schön!
Ich muss jetzt erst einmal morgen ein Passfoto machen lassen, da ich das neben meinem Ausweis und dem schriftlichen Nachweis aus diesem Brief hier benötige,
um den Antrag stellen zu können. Leider sind meine Passfotos alle zu alt und zeigen mich noch mit braunem Haar. Inzwischen ist mein Haupt ja leicht ergraut und ich glaube, bei der online Identifizierung, die ich durchführen muss, wird das alte Bild wohl nicht mehr akzeptiert werden.
Schauen wir mal, ob das dann wenigstens alles so reibungslos und zügig funktioniert mit der Antragstellung und der online Identifizierung.
So viel zu der von den Politikern beworbenen Umstellung von BerlinPass zu dem „Berechtigungsnachweis“, der ja
alles vereinfachen soll! Also bis jetzt ist alles nur komplizierter und kostet wahrscheinlich wieder Unsummen aus der Steuerkasse! Anscheinend haben wir es ja so dicke hier in Berlin! Und … der BerlinPass war ewig gültig und musste nur hin und wieder mit einem Stempel vom Bürgeramt verlängert werden. Das ging ganz schnell vorn an dem Tresen und benötigte keinen schwer zu bekommenden Termin.
Mein mir heute zugesandte „Berechtigungsnachweis“ ist nur ein halbes Jahr gültig, was bedeutet, dass ich in spätestens alle 5 Monate einen neuen Brief vom Amt bekommen sollte, damit
ich frühzeitig eine Verlängerung beantragen muss. Also eigentlich brächte ich den neuen Brief ja schon in 2 Monaten. Bin ja spät dran mit der Antragstellung, oder besser gesagt das Amt war spät dran.
Und nun abschließend zu meiner anfangs gestellten Frage:
Wird endlich gut, was lange währt?
Antwort: Wahrscheinlich nicht, wenn ich so an zurückliegende Erfahrungen mit Ämtern und politische Entscheidungen zurückdenke... Wir werden sehen!