Humor & Satire
Junge Mutter in Nöten

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"Junge Mutter in Nöten"
Veröffentlicht am 03. Juni 2021, 6 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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Über den Autor:

Hum... Ich habe Troja brennen sehen...soll ich noch mehr sagen? Aber nachdem der Rauch sich verzogen hatte, musste ich die langen Jahrhunderte standesgemäß hinter mich bringen und so gewöhnte ich mir an, viele gute und auch mal weniger gute Bücher zu lesen, Musik zu hören und zu machen, im Garten zu pütschern, zu schreiben...Jau, das wär's dann mal.
Junge Mutter in Nöten

Junge Mutter in Nöten

Ihr Lieben, vor einigen Monden habe ich eine Mail von der süßen Europa erhalten, in welcher diese mich darum bittet, ihr mit einem Säckchen Dublonen auszuhelfen. Sie lebt derzeit auf Kreta, fern der Heimat, und hat bereits drei Kinder an der Backe, die sie gar nicht wollte. Zausel Zeus, der alte Lustmolch, hatte mehr als ein Auge auf Europa geworfen, sie aus dem Hause ihres Vaters entführt und schließlich vergewaltigt. Nun sind derartige Usancen bei dem alten Ziegenbock durchaus geläufig, aber dieses Mal hat er doch ein ganz übles Fass aufgemacht; Hera, seit vielen Jahren die Leidgeprüfte an seiner Seite, ist für mindestens drei Monde zu ihrem Schwippschwager Memnon gezogen, dem liebenswerten Jungen, welcher uns armen Trojanern ja bekanntlich im 10. Jahr des Trojanischen Krieges – kurz nach dem heldenhaften, aber endgültigen Tode meines viel

beweinten Bruders Hektor – mit einer großen Flotte zu Hilfe kam. Man munkelt seitdem, einige der Kinder des Zeus, der ja im übrigen nur durch die Gerissenheit seiner Mutter Rhea dem Säuglingstod entging, wovon sein Vater Kronos bis heute nichts weiß, wären gar nicht Zeusens... und ihr werdet bitte auch nix weitertratschen, capisce? Wo war ich? Ach ja, bei der geschändeten Europa. Das arme junge Ding hat ja am Hofe ihres Vaters nie auf die Dublone achten müssen, aber mit drei kleinen Kindern, all die Breichen, Fläschchen, Pampers, Schnuller, Strampler... da kommt im Laufe eines Jahres eine horrende Summe zusammen. Hab ich mir jedenfalls sagen lassen. Europa ist also pleite bis zum Anschlag, sie braucht dringend Geld, den Kindsvater kann sie leider nicht in die Pflicht nehmen, der liegt schon wieder woanders. Weil aber Euri ein hochintelligentes Mädel ist – sie hat unter

anderem die internationale Bureaucratie auf Vordermann gebracht, indem sie ein unglaubliches Ablagesystem entwickelt hat: ein bestimmter Vorgang, etwa die Bestellung von Schreibpapier oder Helikoptern oder Impfdosen, der früher ein ganzes Kompendium von einem guten Kilogramm füllen konnte, wurde von Euri zusammengedampft auf sagenhafte 665 Gramm! Das sind nur noch 133 Blatt pro Vorgang! Postboten wie Sekretäre werden es Euri noch in Jahrtausenden danken! Obwohl Eure Principessa, die ja weit in die Zukunft sehen kann, weiß, dass dann Menschen vor Rechnern sitzen werden und ganz ohne Papier, aber immer noch virtuelle 133 Blatt pro Vorgang von Alpha nach Omega schicken werden... Doch kommen wir zurück zu den Geldsorgen unserer gescheiten InnovatorIn. Sie ist ja mittlerweile Herrin auf einem Kontinent, der ihren Namen trägt, sogar mit 12 goldenen

Sternen. Und ein gemischter Chor singt bisweilen den Hymnos: Ein Stern, der deinen Namen trägt, auf dunkelblauem Tuch... und den Refrain singen sie dann 12 Mal nacheinander. Vor einer dunkelblauen Wand. Laut und volltönend. Der Chor, nicht die Wand! Und Euri, die ihren Kopf eben nicht nur zum liebreizend Lächeln zwischen den Schultern trägt, hat in allerkürzester Zeit neben Küche, Kindern und Katzensteg (sie modelt noch nebenbei) ein BWL-Studium summa cum und ein Jurastudium mit Prädikat abgeschlossen. Und demnäx legt sie los. Ihr Credo: "Multinationale Konzerne müssen in der EU künftig offenlegen, in welchem Land sie wie viel Steuern zahlen." Davon gibt es bekanntlich nicht wenige, das müsste kistenweise Dublonen in die leeren Kassen spülen. Und das werden diese Konzerne selbstredend auch tun!!! Die 12 Sterne sind auch ganz begeistert von dem Plan und man traf sich zu einem Round Table. Man

diskutierte, trank guten Wein und starken Espresso und stimmte schließlich ab. Mit deutlicher Mehrheit wurde Europas Vorschlag angenommen – die internationalen Raffzähne, die immer nur Steuern vermeiden wollen, werden blechen müssen. Was haben alle gelacht! Eines aber trübte die heitere Stimmung dann doch: Dass sich der wirtschaftlich stärkste Mitgliedsstaat der EU enthalten hat, ist in den Augen der Principessa ein Skandal. Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass. Protektionismus der eigenen international operierenden Konzerne statt europäischer Solidarität. Der teutonische Klassenprimus erlaubt sich, auch einmal zu pfuschen, Mitschüler zu verpetzen, auf dem Schulhof Beinchen zu stellen. Nur leider ist er der Liebling des Klassenleiters. Und die 12 güldenen Sterne leuchten nur noch matt...

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Hörbuch

Über den Autor

cassandra2010

Hum... Ich habe Troja brennen sehen...soll ich noch mehr sagen? Aber nachdem der Rauch sich verzogen hatte, musste ich die langen Jahrhunderte standesgemäß hinter mich bringen und so gewöhnte ich mir an, viele gute und auch mal weniger gute Bücher zu lesen, Musik zu hören und zu machen, im Garten zu pütschern, zu schreiben...Jau, das wär's dann mal.

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Friedemann 
Liebe Cassandra,
sofern Deine hellseherischen Fähigkeiten nicht nur auf die Antike und nur auf Europa beschränkt sind, wäre es gut zu wissen, ob und was Europas EU-Kinderchen dagegen unternehmen werden, wenn multikulturelle Firmen ihre Gewinne beispielsweise in der abtrünnigen Schweiz versteuern. Es spricht ja nichts dagegen, dass sich die Kinderchen dort ihr Geld zurückholen, denn Wilhelm Tell ist schon lange tot.

Liebe Grüße,
Friedemann
Vor langer Zeit - Antworten
cassandra2010 
Oh ja, lieber Friedemann, ich habe die sturköpfige und profitorientierte kleine Geldschürferin Schweiz durchaus im Visier. Die Eidgenossen haben vor zwei Wochen einseitig ihre Verhandlungen mit der EU abgebrochen, es ging wohl ans Eingemachte:

"Der Schweizer Bundesrat hat heute beschlossen, die Verhandlungen über das institutionelle Rahmenabkommen (IFA) zwischen der EU und der Schweiz abzubrechen.

Wir nehmen diese einseitige Entscheidung der Schweizer Regierung zur Kenntnis.

Wir bedauern diese Entscheidung angesichts der Fortschritte, die in den letzten Jahren gemacht wurden, um dieses Institutionelle Rahmenabkommen Wirklichkeit werden zu lassen."

Den Langtext findest Du unter
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/statement_21_2683

Was nun den Tell angeht - seine Befreiungstat kann man auch ohne weiteres als heimtückischen Mord ansehen; sein Gelabere über die Rechtmäßigkeit des Tyrannenmords ist m.E. höchst zweifelhaft:

"Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht, wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, wenn unerträglich wird die Last — greift er hinauf getrosten Mutes in den Himmel und holt herunter seine ew’gen Rechte, die droben hangen unveräußerlich und unzerbrechlich wie die Sterne selbst."

Und kaum ein Land hat so viele Milliardäre im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl. Das kommt nicht von ungefähr. Und das Gejaule der Schwyzer, als NRW die Steuersünder-CDs gekauft hat, habe ich immer noch in den Ohren.

LG und vielen Dank für die Dublonen, werde sie nicht in die CH tragen
Cassy
Vor langer Zeit - Antworten
cassandra2010 
Noch ein paar Fakten:
https://eeas.europa.eu/sites/default/files/2021.2537_na0321215dec_002_proof_2.pdf
Vor langer Zeit - Antworten
HarryAltona Tja, die Kinderlei pupertieren, wollen sich nix mehr sagen lassen, und wissen so wie so alles besser. Verzichten aber nie auf ´s Taschengeld. Arme Europa.
lg... harryaltona
Vor langer Zeit - Antworten
cassandra2010 Leev Harry,
do häs et joot jesenn- de pänz han keine jrips. Enä!

Maach et joot
Cassy
Vor langer Zeit - Antworten
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