Am nächsten Tag fuhren wir mit unseren Gastgebern zu einem unserer Lieblingsrestaurants, dem „Mazurkowa“, an der Fernstraße zwischen Jelenia Gora und Karpacz gelegen.
Wir waren vor einigen Jahren mal dort, hatten aber vergessen, wo es genau liegt und wie es heißt. Ich musste erst in meinen Bildern und im Internet suchen und habe es dann auch zum Glück wiedergefunden.
Unsere Gastgeber waren begeistert. Die Bedienung war schnell und freundlich, die Speisekarte in deutscher und polnischer Sprache und das Essen schmeckte, wie schon damals vor Jahren, obwohl sich baulich einiges verändert hatte. Es gab einige Anbaue, zwei Terassen und eine gute Sicht
auf die Schneekoppe.
Danach besuchten wir noch das Schloß
Stonsdorf (Staniszów). Dort wird der original Stonsdorfer Kräuterlikör hergestellt. Den haben wir aber nicht gekostet, der war einfach zu teuer (100 Zl für eine kleine Flasche). Wenigstens einen Kaffee haben wir uns aber bei schönstem Wetter im Schlosshof genehmigt. Wenn man mal abschalten will, ist dies der geeignete Ort dafür.
Am darauffolgenden Samstag hatte uns eine Bekannte unserer Gastgeber, eine Polin, die aber im Dorf lebt und Reiseleiterin bei Busfahrten ist, eingeladen mit ihr eine private Rundfahrt zu machen. Da sie aus der Gegend um Jelenia Gora stammt, konnte sie uns viel zu all den Schlössern, die insgesamt nach der Wende wieder in guten baulichen Zustand versetzt worden waren, erzählen.
Als erstes besuchten wir Schloss Arnsdorf in Miłków / Karpacz)
Leider war an diesem Samstag eine Feierlichkeit dort angesagt, so dass wir nur das köstlichste Bier, das ich je getrunken habe, mit nach Hause nehmen konnten (nebenbei gesagt, der Preis war auch für unsere Verhältnisse ganz schön saftig, denn eine Flasche kostete umgerechnet ca. 3 €.
Wer Lust hat, kann auch mal die Internetseite besuchen https://palac.spiz.pl/de
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Danach sahen wir uns das Schloss Boberstein an. Es ist auch als Ruine noch ein prachtvolles Bauwerk, leider dem Verfall preigegeben, weil der jetztige Eigentümer verstorben ist, eine Menge Schulden hinterlassen hat und die Erbfrage nach wie vor ungeklärt ist.
Maria, unsere „Reiseleiterin“ wollte uns aber die St. Anna-Kapelle mit Liebesquelle bei dem Dorf Sosnówka zeigen und so konnten wir uns nicht lange aufhalten. Zu Mittag hatten wir auch noch nicht gegessen, obwohl es schon nach 14.00 Uhr war. Also fuhren wir immer schön bergauf.
Dann rechts an der schmalen Straße ein
kleines Hotel. Es hieß „Krasnoludki“ (Zwerge). Hier bekamen wir dann schließlich doch etwas zu essen.
Es war einheimische Küche, was wir serviert bekamen, allerdings so reichlich, dass wir es selbst mit unserem großen Hunger nicht schafften, alles aufzuessen.
Maria erkundigte sich beim Gastwirt, wo es
nun zur Kapelle und der Quelle ging. Der erklärte uns: „Zwei Abbiegungen und immer links halten.“
Mir wurde langsam mulmig, denn die Straße wurde immer schmaler und steiler, gerade so, dass mein PKW noch durchpasste. Links ging es schroff bergab, rechts bergauf.
Die zweite Abbiegung hinunter zu fahren,
weigerte ich mich allerdings, da man diesen „Weg“ gar nicht mehr als Straße erkennen konnte. Doch Maria ließ nicht locker und meinte, dass es gar nicht so schlimm ist, wie es aussieht und es ja auch nicht mehr weit sei.
Na gut, ich ließ mich überreden und wagte das Abenteuer, allerdings nur im ersten Gang. Nach ca. hundert Metern, die mir wie eine Ewigkeit erschienen, ging es plötzlich wieder steil bergauf. Ich hoffte, dass uns nichts entgegenkam und mein Hoffen wurde erhört.
Oben angekommen standen rechts in einer Bucht drei Autos, allerdings mit polnischen Kennzeichen. Dann befuhr ich die Plattform, auf der die besagte Kapelle stand.
Davor ein kleines Wirtshaus und davor eine Jägerhütte.
Wir hatten Glück. In die kleine Kapelle
konnten wir rein, ansonsten ist sie nur einmal im Jahr für Besucher geöffnet, nämlich am 26. Juli zum St. Annentag. Drinnen stand vor
einem Altar ein Priester und hielt Andacht. Ein ganz in schwarz gekleideter Priesterschüler putzte zwischen den wenigen Bankreihen, die sich in der kleinen Kapelle befanden. Wir fragten ihn auf polnisch, wo die bekannte „Liebesquelle“ sei, aber der verstand kein Wort. Es stellte sich heraus, dass er Deutscher war, der dort sein Praktikum anhielt.
Die besagte Quelle befand sich unterhalb des Kirchleins auf einer Kanzel, die über einige Stufen erreichbar war. Maria und mein Mann stiegen hinunter. Ich blieb lieber oben, denn ich bin nicht besonders höhentauglich.
(Mein Finger zeigt auf die Stelle, wo wir uns befanden.)
In der kleinen Gaststätte, die allerdings bereits in einer halben Stunde um 18.00 Uhr schloss, tranken wir noch einen sehr guten und auch heißen Espresso, dann machten wir uns an die Rückfahrt. Wieder hundert Meter steil runter und dann wieder rauf. Ich war froh, wieder auf einer einigermaßen breiteren Straße zu sein.
Maria lobte mich, das hätte sich bestimmt kein Deutscher getraut, mit dem Auto da hoch zu fahren, denn eigentlich kann man da nur zu Fuß hin.
Danach besichtigten wir noch Schloss Wernersdorf (Hotel Pałac Pakoszów)
und fuhren über Szklarska Poręba (ehemals Schreiberhau) wieder Richtung B.-dorf über den Zipfel Tschechien und das letzte Zipfelchen Polen (Bogadynia).
Unsere Gastgeber waren schon besorgt, wo wir so lange geblieben waren, riefen uns schon an und fragten, ob bei uns alles in
Ordnung sei. Unser Kater würde auch schon nach uns rufen.
Wir konnten sie beruhigen, waren nur noch mal kurz hinter der Grenze in einem polnischen Supermarkt einkaufen.