Biografien & Erinnerungen
Der Junge braucht ne Brille

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"Der Junge braucht ne Brille"
Veröffentlicht am 28. Januar 2020, 6 Seiten
Kategorie Biografien & Erinnerungen
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Über den Autor:

Ich habe schon immer gerne Geschichten erfunden. Noch bevor ich überhaupt schreiben konnte. Wann immer die Welt nicht so war, wie ich siie mir vorstellte, habe ich mich in eine Traumwelt geflüchtet, in dem ich Bücher las. Bücher sind, anders als Filme, vorgefertigte Geschichten, in denen immer noich Raum bleibt für die eigene Fantasie. Genau das hat mich schon immer an der Literatur fasziniert. Und ich hoffe, dass ich mit meinen Geschichten ...
Der Junge braucht ne Brille

Der Junge braucht ne Brille

der junge braucht ne brille

Ich war inzwischen in der 2. Klasse. Dass mit mir etwas nicht stimmt, nicht so war, wie bei anderen Kindern, ahnte ich bereits. Während alle anderen vorlesen konnten, was der Lehrer an die Tafel schrieb, sogar aus der hintersten Reihe, kam mir schon etwas seltsam vor. Ich kannte zwar die Buchstaben und konnte sie auch lesen, wenn sie vor mir in einem Buch waren, Doch in der Entfernung zur Tafel, hatte ich meine Schwierigkeiten, diese zu unterscheiden. Besonderes wenn der Lehrer sie ziemlich eng aneinander

schrieb. Wenn ich die Augen zusammenkniff und mich konzentrierte, Einige Buchstaben einfach erriet, die sinnvoll in das Wort passen konnten, ging es einigermaßen. Aber ein flüssiges Lesen war so nicht möglich. Mit der Zeit wurde es immer schlimmer. Auch die Worte in den Büchern schienen ineinander über zu gehen. Beim lesen musst ich immer näher ran. Wenn ich etwas schrieb, lag ich quasi mit dem Kopf auf der Tischplatte. Das entging natürlich weder meinem Lehrer, noch meinen Eltern. Es war an einem Elternabend, als der Satz gefallen sein muss: „Der Junge

braucht ne Brille!“ Von da an änderte sich mein Leben. Nun war es damals noch nicht so verbreitet, dass Kinder Brillen trugen. Dementsprechend war natürlich meine Reaktion. Ich bin jetzt offiziell behindert, oder was? Heute kaum noch vorstellbar, dass man damals tatsächlich dafür gehänselt wurde ( Das Wort Mobbing gab es damals noch nicht), weil man eine Sehhilfe brauchte. Eine Zeitlang musste ich sogar eine Augenklappe tragen, weil mein linkes Auge wesentlich schlechter war, als mein rechtes. Aber nicht etwa so eine coole Augenklappe, wie bei den Piraten, nein, das war so ein Ding, das irgendwie an

das Brillenglas geklebt war. In Braun. Damit man auch wirklich aussieht, wie ein Depp. Naja. Einen Vorteil sollte meine asymmetrische Sehschwäche, die mir trotz Augenklappe damals bis heute geblieben ist noch haben. Ich wurde deswegen beim Bund ausgemustert.

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Hörbuch

Über den Autor

rolandreaders

Ich habe schon immer gerne Geschichten erfunden. Noch bevor ich überhaupt schreiben konnte. Wann immer die Welt nicht so war, wie ich siie mir vorstellte, habe ich mich in eine Traumwelt geflüchtet, in dem ich Bücher las.
Bücher sind, anders als Filme, vorgefertigte Geschichten, in denen immer noich Raum bleibt für die eigene Fantasie. Genau das hat mich schon immer an der Literatur fasziniert. Und ich hoffe, dass ich mit meinen Geschichten die Leser und Leserinnen auch ein bisschen aus ihrem Alltag holen und sie auf ein gemeinsam erlebtes Abenteuer entführen kann.
Denn der Leser, oder die Leserin sind auch immer ein Teil der Geschichte, die sie gerade lesen. Wenn auch nur als Beobachter.

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schnief Eine sehr gute Umsetzung des Themas Sehen!
LG Manuela
Vor langer Zeit - Antworten
rolandreaders Hallo Manuela.
Danke fürs Lesen, den Kommentar, den Favo und die Coins.
Und danke auch für das Lob.
L.G.Roland.
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Huhu, da könnten wir ja tauschen, bei mir wa das rechte Auge schlechter und da musste ich natürlich auch so eine Brille tragen, allerdings sah die von Vorn aus, wie ein Spiegel. Naja, und mit dem Wort "Mobbing" hab ich auch so meine Probleme. Überall müssen Anglizismen rein, das klingt wohl bedeutender und klüger, als das einfache deutsche "hänseln".
Ich musste mir auch solche Hänseleien gefallen lassen. Auch wenn ich manchmal ziemlich beleidigt war, habe ich dennoch keine bleibeneden Schäden davon getragen.
LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
rolandreaders Hallo Bärbel.
Danke fürs Lesen, den Kommentar und die Coins.
Ich weiß nicht, wie es bei dir war, aber außer Kopfschmerzen hat diese Augenklappe bei mir nicht viel gebracht.
L.G.Roland.
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Ich denke mal, der Mobbingbegriff geht erheblich über das Hänseln wegen einer unschönen Brille hinaus. Sowohl in einer längeren Dauer (über 6 Monate), als auch in der Intensität. Beim Mobbing werden die Kinder systematisch ausgegrenzt und regelrecht fertig gemacht. Das muss unbedingt unterbrochen werden, weil es nicht mehr harmlos ist und bis zum Suizid oder andernfalls zum Amok führen kann.
LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Bei mir ging das bis zur 4. /5. Klasse. Und wenn ich nicht so einen Rückenhalt bei den Eltern meiner Freundin gehabt hätte, die mich immer wieder ermuntert haben, mich dagegen zur Wehr zu setzen bzw. das gar nicht so an mich ran zu lassen, wer weiß wie es dann für mich ausgegangen wäre.
Es liegt also am sozialen Umfeld, solches gar nicht erst zuzulassen bzw. aufzuklären und moralische Werteurteile zu vermitteln. Hier wären auch die pädagogischen Fachkräfte in der Pflicht, die über die normalen Schulfächer hinausgeht.
Auch mein Sohn musste in der Schule solches aushalten.
LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Da siehst du es, Mobbing ist weitaus schlimmer als Hänseleien!
LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Nun, ich hab diese doooofe Brille meistens irgendwo "verloren". Dann musste ich mit meiner Mutter auf Suche gehen und meine Mam hatte da so einen Spürsinn, fast schon kriminalistisch könnte man sagen, und dann hatte ich das Ding wieder auf der nase. Natürlich nur solange meine Mutter in Sichtweite war. Als Kind habe ich nicht eingesehen, warum ich mir so was antun sollte und heute ist es zu spät. Vielleicht hätte es was gebracht, kann es aber nicht mehr nachholen.
LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
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