Kurzgeschichte
Nebel

0
"Im Nebel kann man leider nicht viel sehen und tritt sich gegenseitig auf die Zehen..."
Veröffentlicht am 07. November 2018, 16 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Kudryashka - Fotolia.com
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten... Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen. Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte... Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar. Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig: Paris und Venedig... 09.Mai 2015 Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi ...
Im Nebel kann man leider nicht viel sehen und tritt sich gegenseitig auf die Zehen...

Nebel

Bleistift






Nebel


Kurzgeschichte

RB/SP 71

Nebel

Den plötzlichen Kälteeinbruch habe ich in Christianes warmem Bett, an ihrem herrlichen nackten Brüsten ruhend, eher nicht wahrgenommen. Als ich aber kurz nach Mitternacht wach wurde und aus dem Fenster schaute, da glaubte ich meinen Augen kaum zu trauen. Denn war da buchstäblich nur Dunkeltuten angesagt und alles was ich da draußen sah, war definitiv nichts. Nichts weiter, als eine weiße, undurchdringliche Nebelwand, die anscheinend immer dichter wurde, je länger es dauerte. Eigentlich hätte ich mich nun wieder in

die körperlichen Gefilden meiner Geliebten begeben und mich von ihr in ihrem warmen Bett verwöhnen lassen können, wenn da nicht dieses verdammt drückende Pflichtgefühl gewesen wäre. Und das sagte mir, Alter, Alter sagte es, komm gefälligst aus den Puschen und mach dich hurtig auf die Socken, denn sonst ist bei diesem Wetter dieser eminent wichtige Vergabetermin für den umfangreichen Forschungsauftrag unseres Institutes in Berlin nicht zu halten. Dann würden womöglich sogar andere Konkurrenten den Zuschlag bekommen und ich hätte es in der Tat wegen so ein bisschen Nebel vermasselt. Also, auf nach Frankfurt und zwar jetzt...

Gesagt, getan. Ich küsste meine mich wieder ins Bett ziehen wollende, noch immer schlaftrunkene Christiane und machte mich mit meinem Tablet unter dem Arm mitten in der Nacht aus dem Staub. Hinein in die dicke Suppe aus einem schier undurchdringlichen Nebel, so wie ich ihn allerdings noch niemals zuvor je erlebt hatte. Ein Wunder, dass ich überhaupt mein Auto wiedergefunden hatte, was mir aber nur gelang, weil ich über einen ausgeprägten, ja geradezu erstklassigen Orientierungssinn verfügte und ich mich auch noch sehr gut daran erinnern konnte, wo genau ich denn den Wagen überhaupt abgeparkt hatte. Dann also, Schlüssel rein, den Motor gestartet

und die vorschriftsmäßige Beleuchtung am Fahrzeug in Betrieb genommen, inclusive der Nebelschlussleuchte. Alles reine Routine bis dahin und im gleichen Moment ärgerte ich mich jedoch mächtig darüber, dass ich das zuverlässige Navigationsgerät zu Hause vergessen hatte. Na ja, nicht direkt vergessen, ich hatte es nur deshalb nicht mitgenommen, weil ich die Strecke nach Frankfurt aus dem Effeff kannte, dachte ich zumindest, denn diese zwanzig Kilometer bis zur Frankfurter Stadtgrenze bin ich ja nicht zum ersten Mal gefahren. Aber wer rechnet denn schon bei einem so warmen Spätherbst mit einem solchen Nebel… Soeben fuhr ein dunkler PKW in

Richtung Frankfurt an mir vorbei und im langsamen Vorbeifahren erkannte ich ein „F“ an seinem beleuchteten Nummernschild. Ein Einheimischer, dachte ich und offensichtlich wusste er auch, wie man nach direkt nach Frankfurt kam und so setzte ich mich direkt hinter ihn und fuhr ihm bei knapper Sichtweite sogleich hinterher. Immer schön auf Distanz halten und den Kerl dabei nur nicht aus den Augen verlieren, denn der kennt seinen Weg und vielleicht haben wir ja auch diese Suppenküche mit diesem fiesen Nebel bald hinter uns gelassen. Später könnte man kann sich dann ja wieder ausführlich am deutschen Schilderwald und an jeweiligen örtlichen

Gegebenheiten orientieren. Aber nach dreißig Minuten Fahrzeit hatte sich der Nebel noch immer nicht gelichtet und ich klebte stattdessen wie verbissen an jenem dunklen PKW, wie an einem Magneten und folgte ihm auf jeden Kilometer der kurvigen Chaussee, den er zurücklegte. Hin und wieder kamen uns einige wenige PKW entgegen, von denen die meisten ein Frankfurter Kennzeichen besaßen. Also konnte die deutsche Finanzmetropole eigentlich gar nicht mehr so weit weg sein. Als ich dann das Autoradio einschaltete, warnte der freundliche Nachrichtensprecher die nächtlichen Autofahrer gerade vor einer ungewöhnlich dichten Nebelbarriere, die

sich zwischen dem Frankfurter Umland und der Stadt gebildet hatte. Etliche Unfälle wären schon zu verzeichnen gewesen und die Polizei, sowie entsprechende Rettungskräfte wären bereits ununterbrochen im Dauereinsatz. Zum Glück sei es aber größtenteils nur bei Blechschäden geblieben, weil sich die meisten der Autofahrer auf diese widrigen Witterungsverhältnisse gut eingestellt und ihr Fahrtempo den entsprechenden Sichtverhältnissen anpasst hätten. Allerdings rief er auch dazu auf, auf alle nicht unbedingt notwendigen Fahrten mit dem eigenen PKW zu verzichten, denn es sei demnächst auch noch mit einem recht

gefährlichen Blitzeis zu rechnen, welches die Situation eigentlich nur noch verschlimmern könnte. Er wünschte aber dennoch allen Autofahrern, die jetzt noch auf den Straßen unterwegs wären, eine gute und unfallfreie Fahrt. Schönen Dank aber auch, dachte ich entgeistert, jetzt sagst du mir das. Ich wäre auch viel lieber im warmen Bett bei Christiane geblieben und hätte…, ach was soll‘s. Hauptsache, ich verliere diesen Fuzzi vor mir nicht aus den Augen und schaute angestrengt nach vorn, wo ich vor mir gerade noch so die roten Rücklichter des dunklen Wagens erkennen konnte. Da, und jetzt waren sie plötzlich weg, seine roten Rücklichter und ehe ich mich

versah, da krachte es auch schon. Ich war trotz Vollbremsung auf ein undefiniertes Hindernis leicht aufgefahren, vermutlich sogar auf einen unbeleuchteten PKW. Jedenfalls fühlte wie es sich so an. Hoffentlich war es auch nur ein Blechschaden, dachte ich noch, ohne jedoch überhaupt irgendetwas richtig zu erkennen. Verdammt, entfuhr es mir, auch das noch und ich sah den Termin für die Vergabe des Forschungsauftrages schon in weiter Ferne davonsegeln… In diesem Moment stand ein Mann in Schwarz neben meiner Fahrertür und klopfte heftig gegen die Seitenscheibe. Ich ließ die Scheibe herunter und schaute einem ungehaltenen Pfarrer mitten ins

Gesicht. »Um Himmels Willen, haben Sie denn keine Augen im Kopf, fuhr er mich an, wieweit wollten Sie denn noch fahren?« »Nur bis nach Frankfurt, in die Innenstadt, entgegnete ich resignierend. Aber warum zum Teufel, schalten Sie denn nur so plötzlich das Licht an ihrem Fahrzeug aus, Hochwürden? Das können Sie doch bei diesen Sichtverhältnissen einfach nicht machen…« Grummelnd betrachtete der Gottesmann im Lichtkegel seiner hellleuchtenden Taschenlampe kopfschüttelnd den angerichteten Schaden am Heck seines ramponierten Wagens und brummte, »In meiner eigenen Garage schon…«

***





















Impressum

RB/SP 71

Text: Bleistift © by Louis 2018/11

0

Hörbuch

Über den Autor

Bleistift
Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten...
Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen.
Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte...
Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar.
Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig:
Paris und Venedig...

09.Mai 2015
Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi Bredau am Samstag, dem 25. April 2015
ihren Kampf gegen den Krebs endgültig verloren hat...
Ich schäme mich meiner Tränen nicht...
Louis

Leser-Statistik
36

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
FranckSezelli Lieber Louis,
wie immer sprachgewandt geschrieben und der beschriebenen Situation angemessen auch spannend. Gerade gestern abend sah ich im deutschen TV wegen Glatteis ähnliche Warnungen.
Unvermeidliche Nebelfahrten sind ein Graus, habe ich auch schon erlebt.
Lieder ahnte ich schnell die "Pointe", weil ich einen entsprechenden bösen Witz kannte.
Liebe Grüße
Franck
Vor ein paar Monaten - Antworten
Bleistift lacht*
Ha, ich freue mich, wenn es Dir trotzdem gefallen hat, auch wenn wie Wilhelm Busch dereinst sagte: "...wehe, wehe, wenn ich auf des Ende sehe..." ...smile*
LG
Louis :-)
Vor ein paar Monaten - Antworten
Kornblume Hallo Louis,
hast mir einen Lacher entlockt, obwohl die Situaton eigentlich nicht zum Lachen war.
Ein Dankeschön, sagt die Kornblume die Dir ein gutes und gesundes neues Jahr wünscht.
Vor ein paar Monaten - Antworten
Bleistift 
Das freut mich ungemein, wenn Du trotz dieser nebulösen Angelegenheit dazu auch noch lachen konntest... ...smile*
LG
Louis :-)
Vor ein paar Monaten - Antworten
Feedre Hallo Louis
das haut mich um...:-))))))))))))))))))))))))
lieben Gruß in die Nacht
Feedre
Vor langer Zeit - Antworten
hingekritzelt Grins......cool!
Brüste....Nebel.....Autos.....Pfarrer.... was will man mehr?
Liebe Grüße
Uli
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift lacht*
Ich versteh' zwar nicht ganz, wie ich Brüste im Nebel mit Autos
und einem angerammten Pfarrer in einen logischen Zusammenhang bringen soll,
aber wenn es Dir gefallen hat, was mir dazu eingefallen ist,
dann sollte mich das natürlich um so mehr erfreuen... ...grinst*
Besten Dank für alles... :-)
LG
Louis :-)
Vor langer Zeit - Antworten
trixi1303 Das hätte ich jetzt nicht erwartet.
Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift 
Liebe Nicole, ich freu mich natürlich,
wenn Du das sooo... siehst. ...smile*
Hochwürden hätte dazu bestimmt ne' andere Meinung... ...grinst*
LG
Louis :-)
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Herrliche Schlusspointe!
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
27
0
Senden

159891
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung