I.
Der dunkelgraue Leinenstoff, aus dem sein Umhang gemacht war, tarnte ihn zwischen den Felsen und die Wellen die der Stoff am unteren Ende schlug wackelten bei jedem Schritt. Steinerne Klippen lagen über ihm, zu seinen Füßen der Weg der hinauf führte. Er musste sich an den Kantenvorsprüngen entlang tasten und mit seinen Füßen den halt prüfen. Nach mehreren Metern wurden die Kante wieder breiter und zu einer ganzen Kante. Er konnte sich mit den Füßen halt geben und mit den Händen am Fels und herauswachsenden Grasklumpen entlang tasten. Noch ein paar der
sicheren Schritte - da war es. Das Nest des Klippenhabicht steckte direkt vor ihm auf dem großen Vorsprung. Moras hatte das Nest lange beobachtet, die Mutter war kurz vorher erst ausgeflogen. Er griff hinein, nahm eines der gesprenkelten Eier aus und steckte es in eine seiner Umhanginnentaschen; die er mit Moos ausgelegt und befüllt hatte. Er griff noch kurz hinter das Nest, um eine im Nest liegende Feder zu betrachten, dann zog er sich mit der linken Hand auf den letzten Halt von dem er gekommen war. Stück für Stück gelangte er zu der Stelle zurück an der er zu klettern begonnen hatte. Schlussendlich stand er wieder auf dem spärlich mit Gras
bewachsenen Boden, am Grund der Klippe verschnaufte er und fuhr mit der Hand in die Innentasche.
Er zog das Ei, umhüllt mit Moos und Moosfäden, heraus - betrachtete es noch mal von allen Seiten und legte es dann, nachdem er es dick in Stoff eingeschlagen hatte, in einen kleinen grauen Rucksack. Den hatte er eingegraben und mit ein paar Steinplatten getarnt.
`Ein schönes Tier wird es werden`, dachte Moras bei sich, als er das Ei vorsichtig einpackte.
Als er beim schließen der Riemen nach Norden sah, fiel ihm der dunkle Himmel der von dort heranzog auf, `schlechtes
Wetter nähert sich und zieht mir entgegen`, dachte er. Dann ergriff er den Rucksack und lief dem Tal entgegen das ihn zum Waldrand führte.
Im Tal nach vielen Schritten und einigen Pfadwindungen angekommen, fand sich Moras an einem kleinen See wieder, der nicht weit der Stelle war an der er eben angekommen. Schön war es hier, der Nebel zog noch über den See und an den Kolben und schmalen Blättern des Uferschilf klitzerten kleine Tautropfen in der Frühmorgensonne. Moras suchte das Ufer nach einem Baum ab, ein alter morscher Baum in dessen inneren sich ein kleines Boot oder besser ein kleines
Kanu befand. Er hatte es selbst als junger Mann gebaut und es sollte ihn, geschützt von Witterung doch noch über den See bringen. Nach einigen Minuten der Suche im Schilflabyrinth fand er den alten hohlen Baumstamm in welchen er es gestellt und dann dort zurückgelassen hatte. Es war unberührt, wie es schien, und dennoch war es schwer zu finden gewesen. Nun, er hatte es gefunden. Er zog es unten aus dem Baumstamm und schob es zum Wasser. `Ah, am Wasser verborgen, ich hätte es schneller finden sollen`, dachte er in sich hinein und richtete dann das Kanu für die Fahrt über den See
her.
Ein paar Enten flogen auf als er das Kanu ins Wasser lies. Mehr war jedoch nicht von seinem tun aufgefallen und das war gut so. Ein Waldläufer der sich nicht zu verbergen weiß, nun das war wohl auch keiner der Art wie es sein sollte. Langsam und ruhig lies er das Paddel mit der rechten linken Hand zu Wasser. Dann schlug er langsam ein. In ruhigem Takt paddelte er dahin, der kleine See war ruhig das restliche Wasser leer. Kein Vogel, kein anderes Tier am Ufer oder auf See. Es war ruhig, die Ruhe des Morgens.
Bald schon hatte er übergesetzt, er fand
sich im Strandsand des Ufers der mit kleineren Steinen durchmengt war wieder. Er stieg aus.
Er schon das Kanu ans Uferdickicht und legte es auf den Kopf. Weniger zum trocken werden mehr der Tarnung wegen. Es war schilfgraues verwittertes Holz, man würde es nicht gleich als Diebesgut so finden.
Als getan, er schaute sich kurz um, nahm er seine Sachen auf und ging davon. Sein Ziel war eine kleine Hütte im nahen Wäldchen. Dort wollte er die Morgenstunden ausharren. Von dort ging es dann, so war der Plan, weiter seiner Heimat
zu.
Die Alte Hütte, ein ehemaliges Jagdhaus war noch da, es schien lange ungenutzt und verlassen und als er eintrat bestätigte ihm der Raum und das nasse Feuer der Feuerstelle. Hier war niemand mehr gewesen. Vielleicht sogar seit seinem letzten Besuch hier.
Sei es, er hatte ein Dach für den Ernstfall über dem Kopf und durch das Waldgebiet so zu wandern war nur des Tages empfehlenswert. Wilde Tiere - nein. Doch trieb sich vielerlei Gesindel um und umher von dem man besser sicher war. Moras wohnte abseits des Waldes, hinter einem kleinen Feld, es war ein
altes Gasthaus, wenn auch nun ohne Bewirtschaftung. Dorthin ging es Morgen. Heute ging er holzsammeln. Er suchte um die Hütte kleinere Äste und Reisig zusammen, räumte den nassen Kamin von Asche aus und entfachte dann mit dem gesammelten Holzvorat ein wärmendes Feuer. Es war schwer doch er hatte Routine mit nassem Holz und das Reisig das trocken war tat seinen Dienst. So entflammte ein kleines Feuer, er nahm etwas zum braten auf einen Holzspieß den er sich gesucht hatte und alles wäre annehmebar gewesen. Doch nun kamen die unerwarteten Dinge. Sie näherten sich. Es waren ...
II
… Wegelagerer die den Unterschlupft der Hütte für die Nacht nutzen wollten. Vielleicht waren auch ein paar Jäger dabei. Moras löschte das Feuer schnell mit einem Eimer abgestandenem Wassers. Er suchte sich ein Versteck und fand es in einem Seitenraum unter einer alten Liege. Die Fremden waren schon da. Er schlüpfte unter das Lager unter dem gährendes Stroh aus dem Lager lag. Er roch es, war aber froh darüber. So würden ihn auch eventuelle Hunde nicht gleich finden und anschlagen.
Die Fremden Nachtbesucher waren wie es
schien zu viert. Moras zählte vier Schrittpaare die über die Schwelle gingen nachdem die Tür aufgestoßen ward. Allen Anschein nach hatten sie ihn noch nicht vermutet, es waren keine Hunde dabei, und so blieb er versteckt und hielt sich weiter verborgen.
,,Heeda, mach ein Feuerchen an“, hörte er einen rufen. ,,Mach`s doch selbst und müh dich ab in dem nassen Ofen“, klangen die Wiederworte eines anderen.
Es schien als blieb er aus. Dafür wurde einen Moment darauf die Türe des Raumes geöffnet und unsachte aufgestoßen. Hier schlafe ich, rief der Fremde Türöffner. Mein Bett ist schon
gemacht. Moras bangte. Doch der Fremde war betrunken und legte sich über ihn auf das Lager so das es durchbog. Moras war gespannt. Würde er bald einschlafen? Es war so.
Die Nacht verlief ruhig und Moras schlief, wenn auch gewollt, nicht ein. Es wäre auch zu gefährlich gewesen. Der Fremde erwachte im Morgengrauen mit einem Ruck richtete er sich auf und Moras fast schon eingedämmert, trotz aller Gefahr und Unbequemlichkeit, erwachte erneut. ,,Wüüüüüüühaaaa“, ein gähnen und der Fremde schritt langsam hinaus. Doch was hörte Moras, da war etwas. Eine Luke im Boden. Der Fremde hatte sie beim überschreiten nicht
bemerkt. Der Ring war weg aber man sah es aus dieser Perspektive deutlich. Moras prüfte die Lage. Die Fremden schienen weiter zu ziehen doch es dauerte noch ehe das Tor im Rahmen einschnellte. Moras, wieder stehend kurz darauf. Suchte seine Knochen und streckte sich sachte aus. ,,Was für eine Nacht“, murmelte er sich selber zu. Dann schnell huschte er neben das Fenster. Ach nein, es war nichts - er hatte geglaubt etwas Näherndes zu vernehmen.
Er streckte sich nochmals dann ging er in die Kniee um das verborgene Brett der Luke zu suchen. Er tastete ein wenig. Da war`s. Er zog es nach oben. Es war ein alter Lagerraum, die Enttäuschung wich
aber als er im hinteren Teil etwas Lebendes wahrnahm. Nein es war keine Ente oder sonst etwas. Es war ein kleines Kind und es lag hier auf Stroh gebettet und vergessen wie ein Jesuskind aus der biblischen Weihnachtsgeschichte. Moras überlegte - nicht lange allerdings. Dazu war alles zu seltsam. Er nahm das Kind mit. Es war nicht mehr weit bis zu seinem Ziel. Das würde er schaffen. Er nahm es auf den Arm stieg aus dem Raum nach oben zurück und so wurde er der Vater des Kindes bis ins heute. …