Es war früher Morgen, als Isaac auf der Anhöhe von Uralia ankam. Dort vermutete er den Baum, welchen er in seiner Vision gesehen hatte. Seine Eltern hatten hier früher einen kleinen Bauernhof besessen , auf dem er als kleines Kind immer an dem Baum hochgeklettert war. Von dort oben hatte Isaac immer das gesamte Tal überblicken können, ein starkes Gefühl von Größe war in ihm dadurch oft geweckt worden, so konnte er diesen Ort nie vergessen. Eine gespenstische Aura grub sich unter seine Haut, als er durch das Tor trat und langsam, sich nach möglichen
Beobachtern umschauend, den Feldweg hinauf ging. Es war ein altes Haus, schon lange verlassen und jetzt mitten in der Nacht wirkte es daimonisch. An der linken Hausseite vermutete Isaac den Baum aus der Erinnerung seiner Mutter, er wusste nicht warum, es war reine Intuition, als würde ihn eine unsichtbare Macht dorthin leiten. Es war natürlich reine Intuition, die ihn zu diesen Ort führte, denn er konnte sich weder sicher sein, dass seine Mutter das mysteriöse Artefakt dort versteckt hatte, noch, dass der Baum dort überhaupt noch stand. Zu Isaacs Glück jedoch, fand er den Baum an der vermuteten Stelle. Er zog sich sein Oberteil aus und
hängte es an einen Ast, um später nicht mit dem Schmutz an seiner Kleidung Aufmerksamkeit zu erregen. Dann machte er sich daran den Baum zu unterhöhlen. Durch seine daimonischen Gene verspürte er zwar keine Kälte oder Wärme, aber das Graben brachte ihn dennoch ins Schwitzen. Der kalte Schweiß, welcher über seinen Rücken rann, jagte einen eisigen Schauer durch seinen Körper, gab ihm das Gefühl als würde eine sanfte Hand über seinen Rücken streifen, und für einen Moment glaubte Isaac, Angela neben sich stehen zu sehen. Er glaubte zu sehen, wie sie ihm die
Hand auf die Schulter legte und dann mit jener langsam über seine Wirbelsäule strich. Ihre Lippen öffneten sich ein Stück weit und es quollen die Worte "Grab weiter, mein Junge, grab!" hervor, doch als Isaac sich umdrehte um dem Phantombild auf den Grund zu gehen, war es schon verschwunden. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und grub dann mit seinen bloßen Händen weiter. Irgendwann, es war schon früher Abend, stieß er auf etwas Hartes. Isaac ließ seine Fingerkuppen über die kleine freigelegte Stelle streifen. Er fühlte etwas Kaltes, Rostiges und zugleich spürte er, dass jener
Gegenstand von einem Zauber umgeben war. Isaac legte das Objekt, welches sich als ein eisernes Kästchen zu erkennen gab, schnell frei. Er hob es vorsichtig aus seinem erdig feuchten Gefängnis und legte es behutsam auf die Grasfläche daneben. Er legte seine flache Hand auf die Schatulle und konzentrierte sich. Isaac schloss seine Augen und versuchte den Inhalt des Kästchens zu erahnen, wie es ihm seine daimonischen Gene oft erlaubten, doch nichts geschah. Scheinbar, so vermutete Isaac, überdeckte der Zauber die Schatulle, wie einen Brustpanzer die Haut eines Kriegers vor Schlägen schützt. Isaac
beschloss auf Verdacht die Schatulle zu öffnen, und nicht darauf zu achten, welche Gefahren dieses Vorgehen möglicherweise barg. Ihm war es, als berge diese Schatulle etwas Mächtiges. Sie strahlte eine Stärke aus, wie kein Gegenstand sonst in Isaacs Leben. Mit einer schnellen Bewegung öffnete Isaac den Deckel. In dem Moment, wo er den Deckel anhob, schoss ein geisterhaftes Licht aus dem Kästchen. Geblendet hob Isaac die Hand vor die Augen und trat einige Schritte zurück. Nach wenigen Wimpernschlägen wurde das Licht dunkler, bis es erlosch, und nur_noch ein finsteres Loch hinterließ,
durch das scheinbar kein Licht hindurchdringen konnte. "Unwürdiger, wie konntest du es wagen, das Heiligtum zu öffnen?", fragte eine düstere Stimme aus der Finsternis. Die Stimme kam von allen Seiten. "Wie konntest du es wagen uns zu befreien?", fragte die Stimme in einem finsteren Lachen. Sie war jetzt nah an seinem Ohr, so nah, dass Isaac glaubte, den Hauch eines Atems an seinem Ohr zu spüren. So drehte er sich blitzschnell in einer fließenden Bewegung um und schlug in die Luft, in der Hoffnung seinen unsichtbaren Feind zu treffen, doch stattdessen schallte nur lautes Gelächter aus der
Finsternis. "Du Wicht glaubst doch nicht ernsthaft uns schlagen zu können! Wir sind die Drei die eins sind und der Eine der Alle ist!" Was meint es damit? Die Drei die eins sind und der Eine der Alle ist, was hatte das zu bedeuten?, fragte er sich. Isaac wusste mit dieser Information nichts anzufangen, und eigentlich war er auch mehr damit beschäftigt, sich wundern, warum sich nun auch der Himmel pechschwarz färbte und er bald unter einer pechfarbenen Kuppel gefangen sein würde. "Was wollt ihr von mir?", schrie Isaac in das Dunkel der Nacht. Er mochte den
Schatten und die Finsternis zwar, doch nicht weil sie ihn wie jetzt einengte, sondern, weil sie ihm Geborgenheit, Sicherheit und Ruhe versprach, diese Dunkelheit jedoch war anders. Sie hatte etwas Finsteres, unnatürlich Böses an sich, was nur von einem mächtigen Zauber herrühren konnte. Isaac spürte, wie Energie in die Finsternis floss und sie dazu brachte, sich zu verdichten. Die Schatulle lag scheinbar außerhalb der Kuppel und Isaac überkam das seltsame Gefühl als würde, sich bald jemand nähern, um den mysteriösen Inhalt der Schatulle, in welche Isaac immer_noch keinen Blick werfen konnte, zu stehlen, wenn er nicht bald aus diesem Gefängnis
der Finsternis entkäme "Was wir von dir wollen?", fragte die Stimme verwundert. "Die Essenz deines Lebens natürlich!" Erneut drang Gelächter aus der Dunkelheit. "Wir ersuchen dein Rückenmark, Wicht!" Isaac schossen tausend Gedanken und Fragen durch den Kopf. Welche Wesen brauchten Rückenmark um zu überleben? Wie könnte er sich gegen sie wehren? Konnte er sich ohne Waffen gegen Magie zur Wehr setzen und diese Torheit überleben? "Niemals werdet ihr eure Gelüste an mir stillen können!", rief er dann der Dunkelheit entgegen und rannte auf die Kuppel zu, da es ihm als einziger Ausweg
erschien, aus der Kuppel zu gelangen, war es doch immerhin nur eine Illusion durch einen Zauber und nichts Festes. In dem Moment - es war nur für weniger als einen halben Wimpernschlag - als Isaac die Kuppel berührte, färbte sie sich schneeweiß an der Stelle und schleuderte ihn auf die andere Seite der Kuppel, wo er wieder davongeschleudert wurde, doch diesmal gen Boden. Isaac konnte sich gerade noch abfangen, bevor er zu weit geschlittert und die Kuppel ein weiteres Mal berührt hätte. Ein lauter, schriller Schrei erklang, lauter als alles, was Isaac jemals zuvor gehört hatte, und da gab es schon so einiges.
"Was zu Cernunnos bist du?", schrie die Stimme gequält, schon beinahe weinerlich. "Ich bin der Sohn des Daimonen, des Königs Sinabs und der Sohn einer Menschentochter, Angela!", sprach Isaac voller Stolz. "Du bist eine Missgeburt des Königs? Nimmt er sich nicht alle seine Kinder in sein Schloss, um sie zu Meuchelmördern, die er durch seine Gedanken steuern konnte, auszubilden? Wie kommt es, dass du hier bist?", langsam fasste sich die Stimme wieder, doch was auch immer dort sprach, es
musste höllische Schmerzen erdulden, wie man aus der Stimmlage und den Emotionen, die mit der Stimme schwangen, erahnen konnte. "Nenn mich nicht Missgeburt, oder ich fasse deine Kuppel noch einmal an!", drohte Isaac. "Meine Mutter floh mit mir vor der Geburt aus des Königs Palast und brachte mich geheim zur Welt, wie sie mir erzählte." Wehleidig entschuldigte sich die Stimme für die Verfluchung und dass Isaac doch wenn möglich unterlassen sollte, die Kuppel anzufassen. "Wenn du mir meine Fragen beantwortest und mich aus dieser magischen Barriere entlässt, werde ich diese Kuppel nicht
mehr anfassen, um dich zu verletzen.", versprach Isaac und, sein unsichtbarer Gesprächspartner stimmte zu. "Nun sag mir, wie ist dein Name und was hast du in der Schatulle verloren?" Isaac hörte, wie das Wesen zu dem die Stimme gehörte Luft einzog und dann begann: "Vor einigen Jahren kam jemand zu mir und erbat meine Hilfe. Glorreiche Nachrufe durch Barden und Poeten, sowie eine stattliche Summe und ein großes Stück Land im Norden wurden mir versprochen, dafür dass ich einen Magier gefangen und meinem Auftraggeber lebend bringen sollte. Natürlich nahm ich dieses Angebot an, war es doch durchaus verlockend, und
mit einem gewöhnlichen Magier würde ich es ohne allzu große Schwierigkeiten aufnehmen können, so dachte ich zumindest. Wie du dir sicher denken kannst, war dies ein Fehlschluss. Nachdem ich den Magier unfassbar schnell und leicht in die Finger bekam und ich Fortuna tausendfach Dank zollte, machte ich mich auf den Rückweg nach Uriagenia. An diesem Ort wollte mir mein Auftraggeber den Magier abnehmen und mich von meinen Pflichten befreien, also gab ich mir nicht die Gunst einer Pause und trieb unsere Pferde bis zur Erschöpfung an. Der Magier machte mir dabei erstaunlich wenige Schwierigkeiten, und ich glaubte schon
zu wissen, dass er gefangen genommen werden wollte.Dies irritierte mich zwar, doch verschwendete ich nicht allzu viele Gedanken daran. Im Nachhinein war dies natürlich ein schwerer Fehler. Nun, wie dem auch sei, ich lieferte den Magier ab, wie ich es aufgetragen bekommen hatte, doch als ich meine Entlohnung verlangte, wurde ich stattdessen in eine magische Kette gebannt. Von dort aus musste ich meinem alten Meister" Das Wort Meister wurde mit einer solchen Verachtung ausgesprochen, dass man sie förmlich spüren konnte. "dienen, und ihn von dieser Kette aus mit meinen Mächten zur Seite stehen, wann immer er sie
benötigte. So geschah es überhaupt erst, dass dieser Meister zum König Sinabs und ich zum Erschaffer des Dämons wurde." Es wurde eine kurze Pause eingelegt, dann begann die Stimme erneut: "Meinen Namen verlangtest du ebenfalls noch zu erfahren, so werde ich ihn dir sagen, auch wenn ich denke, dass du ihn jetzt schon vermuten wirst. Ich bin Viktor Irgonorow, der Herrscher der Elemente, verstoßener Sohn des Königs Jurow Irgonorow, Beschwörer der versteinerten Flammen, aufgezogen von den Kindern der gefallenen Himmlischen, ausgebildet von den Hütern der erhellten Schatten und den Lenkern des stehenden Wassers.
Ich bin der einzige, welcher die daimonischen Gene in einem Menschen wecken kann, und besitze meines Wissens nach als einziger die Fähigkeit, die Aura eines Menschen in mich aufzunehmen und so seine Magie zu absorbieren. Insofern war es ziemlich raffiniert von deinem König, mich in dieser Kette gefangen zu nehmen, denn ihr kann ich nichts entgegensetzen." Für einen Moment war Isaac sprachlos. Er hätte nicht gedacht, dass er sich solch einem großen Magier gegenüber sah. Ihn verwunderte dadurch jedoch nur umso mehr, warum er jenem durch die Berührung der Kuppel derartige Schmerzen zufügen konnte und, aus
diesem Grunde fragte er Viktor Irgonorow auch sogleich danach. "Ich weiß es nicht mit vollkommener Gewissheit.", begann jener seine Erklärung. "Es liegt jedoch nahe, dass du, so wie ich es bin, ein Kind der versteinerten Flammen bist. Um dies zu beweisen müsste ich jedoch deine elementaren Kräfte in dir wecken, und das kann ich in meiner jetzigen Verfassung nicht. Verstehe, ich bin nur_noch ein Schatten meiner Selbst. Früher hätte ich einen Baum mit Kraft meiner Gedanken aus der Erde reißen und dann auf die Spitze des nächsten Gebirges schleudern können, und das den ganzen Tag lang. Nun kann ich
nur_noch den Geist einer anderen Kreatur beeinflussen, oder dem Träger meiner Kette mehr Macht verleihen. Aus diesem Grunde versteckte der König mich auch, er hatte Angst ich würde mich gegen ihn auflehnen, indem ich mir einen neuen Träger suche und diesen mit meinen Kräften überschütte, um dann den ach_so glorreichen König von seinem Throne zu stürzen. Aber um auf deine eigentliche Frage zurück zu kommen. Auf mich wurde, als ich von meinem eigenenVater verstoßen wurde, ein Bann gelegt, der bewirkt, dass mir, wenn ich einem Sohn der versteinerten Flammen auch nur ein Haar krümme, der zehnfache Schmerz zugefügt
wird." "Ich verstehe.", antwortete Isaac passiv. In ihm hatte sich gerade eine geniale Idee geformt. Wenn Viktor solch einen Hass gegen den König hegte, weil jener ihn in dieser Schatulle gefangen genommen hat, und der König es war, welcher die Schatulle verstecken wollte, war der Auftragsmord an Angela auch in des Königs Auftrag begangen worden und Viktor könnte ihm helfen sich zu rächen, da sie beide denselben Feind hatten. "Mir kam gerade ein Gedanke.", meinte Isaac. "Wir beiden wollen uns an dem König rächen. Du kannst dich nicht an ihm rächen, wenn du noch dort in deiner Kette festsitzt und niemanden
hast, dem du Kräfte verleihen kannst. Ich bin zu schwach um mich gegen den König aufzulehnen, solange ich niemanden habe, der mir zeigt wie ich mit meinen Kräften umgehen soll. Ich schätze mal, dass ich als Sohn der versteinerten Flamme irgendeine Art von Kraft besitze, und als Sohn des Daimons sollten mir ebenfalls Kräfte innewohnen. Ich schlage dir nun vor, dass du meine Kräfte weckst und ich uns dafür mit deiner Unterstützung an dem König räche. Was hältst du davon, Viktor?" Jener musste natürlich nicht lange nachdenken bis er einwilligte. "Doch allein die Kräfte in dir zu wecken wird nicht reichen, wir müssen dich
trainieren, Isaac. Ich werde nun die Barriere lösen. Du solltest dir die Kette umlegen, welche in dem Kästchen liegt und jenes dann irgendwie sicher verstauen. Es wird eine lange Reise werden, bis wir an den Ort gelangen, wo du ausgebildet werden wirst."
EagleWriter Ah und damit wäre auch die Frage beantwortet, wieso Isaac bei seiner Mutter war. Ziemlich viel Exposition auf einmal, aber es wird trotzdem nicht unübersichtlich. lg E:W |