Krimis & Thriller
Blutzucker

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"Schnöde Neue Welt..."
Veröffentlicht am 25. Januar 2014, 12 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten... Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen. Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte... Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar. Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig: Paris und Venedig... 09.Mai 2015 Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi ...
Schnöde Neue Welt...

Blutzucker

Bleistift





Blutzucker


Criminal-Groteske







Blutzucker


Wie eine Herde willenloser Schafe haben wir uns durch dieses riesige, neu erschaffene Portal treiben lassen. Als ich ebenfalls das Tor zu dieser Neuen Welt passieren sollte, erhielt ich einen furchtbaren Schlag gegen den Kopf und verlor sofort das Bewusstsein...

Nach mehreren Tagen ohnmächtiger Besinnungslosigkeit erwachte ich wie aus einem Koma. Nackt, beinahe verdurstet und mit seltsamen magischen Worten an Händen und Füßen gefesselt. Erwacht, in einer staubtrocknen Wüste aus grellweißem und fürchterlich blendenden, ekelhaft süßem

Zucker. Vor mir lag ein gigantischer Berg aus reinstem Kristallzucker, auf dessen Spitze ein übler und gewissenloser Mistkerl stand, der nun selbstherrlich über die Wüste und ihre entrechteten Bewohner herrschte. Als er meiner jedoch ansichtig wurde, stieß er urplötzlich einen markerschütternden Schrei aus. Dann rutschte er auf seinem Allerwertesten den Hang hinab. Unten angekommen, brüllte er mich brutal an, dass es mir durch Mark und Bein fuhr, »Widerrufe, oder alle deine jemals hier aufgeschriebenen Geschichten werden nicht einmal mehr den Wert von gebrauchtem Klopapier besitzen ...wenn ich es will!«

Ich schüttelte nur stumm den Kopf. Da drehte er sich herum und hob langsam seinen Rock an. Entsetzt starrte ich nun auf sein blankes, fettes Hinterteil, an welchem noch immer Fragmente dieser weißen Kristalle klebten. Wutentbrannt lud er seine Rosette mit einem Kirschkern und zielte erbarmungslos mit der Mitte seines Arsches auf mich. »Deine definitiv allerletzte Chance, mir bedingungslose Treue und ergebensten Gehorsam zu schwören, oder dein kümmerliches Literatenleben wird hier zwischen all diesen Buchstaben und Zeilen, meines inzwischen neu eroberten Imperiums sein ruhmloses Ende finden, du elender Gänsekielkratzer.« »Niemals!«, protestierte ich entschlossen.

»Du hast es nicht anders gewollt.«, höhnte der widerliche Zuckerkönig. »…und sie bewegt sich doch!«, schleuderte ich ihm jetzt zornig entgegen. Das Letzte, was ich noch wahrnahm, waren der laute Knall und der pestilenzartige Gestank seines Furzes, bevor der aus seinem Hinterlader abgefeuerte Kirschkern in meinen Schädel einschlug…

*


»Kommen Sie her, Doktor Watson und schauen Sie sich doch nur einmal diese entsetzliche Kopfverletzung des Opfers an.«, sagte der Mann in der karierten Jacke kopfschüttelnd, nachdem er die Pfeife aus

dem Mund genommen hatte. »Ich komme, Holmes.«, antwortete der Mediziner und trat an die Leiche heran. »Allmächtiger, wer macht denn so etwas?«, entfuhr es ihm, als er den brutal zertrümmerten Schädel des Toten erblickte.

Holmes nickte zustimmend. »Sie haben völlig recht, Watson, nur ein wilder Barbar ist zu so etwas fähig. Wenn ich nur wüsste, mit welcher Waffe dieser arme Kerl getötet wurde, dann könnten wir mit ziemlicher Sicherheit bald auch seinen Mörder herausfinden.«, sinnierte der Kriminalist nachdenklich und sog wieder an seiner Tabakspfeife. Er erhob sich. »Kommen Sie, Watson, verlassen wir diesen unwirklichen Ort. Ich habe nun genug gesehen. Außerdem hab

ich da so eine Idee, wir müssen unbedingt zurück in die Bakerstreet, um etwas Wichtiges im Netz zu eruieren. Ach, und bitte geben Sie doch Inspektor Lestrade Bescheid, dass er die Leiche in die Morgue überführen lassen kann. Hier können wir ohnehin nichts mehr für das so fürchterlich zugerichtete Opfer tun.« Missmutig stapften Sherlock Holmes und Doktor Watson durch die gleißende Zuckerwüste zurück zum Portal, auf dessen diametralen Seite ihre Droschke wartete…


* Ich erwachte schweißgebadet und befühlte instinktiv meinen Kopf. Aufatmend stellte ich fest, dass ich noch nicht tot war. Von dem allesbeherrschenden Zuckermonster war weit

und breit keine Spur mehr zu sehen… Als ich mich aber etwas genauer umgeschaut hatte, glaubte ich jedoch weiterhin zu träumen. Dann erkannte ich mit permanent zunehmendem Entsetzen, dass ich mich trotz scheinbar unverminderter Vitalität, noch immer in jenem schrecklichen Würgegriff dieser scheußlichen Zuckerwüste befand.


Damals beschloss ich auszuwandern, das gelobte BX-Land zu verlassen und mir ein neues, freiheitlicheres Portal de littérature zu suchen... ***






Anmerkung des Autors:


Erst kürzlich hatte sich das mediale Zuckermonster als genau dieser widerliche Drecksack entpuppt, der er eigentlich schon von Anfang an gewesen war...


08. Januar 2025









Impressum Cover: selfARTwork Coverpicture: 2LucB7_pixelio.de Text: Bleistift © by Louis 2014/1 last Update: 2025/1

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Hörbuch

Über den Autor

Bleistift
Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten...
Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen.
Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte...
Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar.
Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig:
Paris und Venedig...

09.Mai 2015
Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi Bredau am Samstag, dem 25. April 2015
ihren Kampf gegen den Krebs endgültig verloren hat...
Ich schäme mich meiner Tränen nicht...
Louis

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Brubeckfan Hallo Louis,
schreckliche Träume -- und offenbar nicht nur Träume. Eine Fusion des Berges Zucker mit dem elenden Muskelprotz? Wie visionär damals schon.
Lang ists her, daß Microsoft der weltweit schlimmste Gierhals war.
Viele Grüße,
Gerd
Vor ein paar Monaten - Antworten
Bleistift ...smile*
...Nein, ganz offensichtlich nicht nur Träume, wenn ich mir die amerikanischen Medien-Giganten so anschaue... :-/
Wie hatte dereinst der britischen Historiker Lord Acton einmal sehr treffend formuliert:
"Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut..."
Grüße von Berlin, nach Berlin... ....smile*
Louis :-)
Vor ein paar Monaten - Antworten
FranckSezelli Lieber Louis,
du hast/hattest ja furchtbare Albträume, auf phantastische Weise auch mir nahegebracht. So bin ich froh, dass ich mich nie völlig in die Gewalt eines solchen von dir beschriebenen Monsters begeben habe, Da wir jetzt schon länger einen gemeinsamen Weg gehen, aber eben 2014, glaube ich, noch nicht, kann ich gar nicht erkennen, wer genau da die Zuckerwüste beherrscht. Selbst der Zusammenhang mit dem "gelobten BX-Land" will sich mir leider nicht erschließen.
Aber toll zu lesen, ist deine Abrechnung auf jeden Fall!
Liebe Grüße
Franck
Vor ein paar Monaten - Antworten
Bleistift ...lacht*
...nun ja, in gewisser Weise ist es schon eine Abrechnung, denn auch jener Mediengigant mit diesem hellblauen Logo, wie übrigens andere auch schon, hatte nun ganz offiziell angekündigt, dass er nun ebenfalls komplett auf seine 'überflüssigen' Faktenchecker verzichten will...
...Ganz im Sinne des designierten neuen, aber dennoch steinalten US-Präsidenten namens D.T. Nun endlich hat also der nationale Faschismus-Hype mit Erfolg auch in Amerika in den großen Medien Einzug gehalten...
Restdemokraten aller Länder, zieht euch in den nächsten Jahren also warm an und kauft euch vor allem Kämme, denn es kommen ziemlich kalte, aber zugleich auch eklig lausige Zeiten...
Und um auch auf deine Frage zu antworten, ich glaube, es weiß im Moment wohl niemand so genau, wer der aktuelle Beherrscher jener kristallinen Zuckerwüste ist, denn es scheint sich jedenfalls alles irgendwie in allgemeines Wohlgefallen aufzulösen...
Aber es freut mich ungemein, wenn Dir meine kleine Kriminal-Groteske around about um den Besitzer jenes hellblauen Logos gefallen hat... ...smile*
Merci mein Freund und LG zu Dir ins südliche Frankenland von dem Restdemokraten Louis aus dem winterlich eisigen Berlin... :-)
Vor ein paar Monaten - Antworten
FranckSezelli Hallo Louis, irgendwie habe ich deine "Abrechnung" nur mit deiner "literarischen Heimat" wie eben z,B. BX in Verbindung gebracht. Ich habe zwar gegrübelt wie dieses zuckrige fb damit enger zusammenhängt, kam aber nicht auf den Gedanken, dass du hier einmal den Blick in die globale Welt schweifen lässt. Nun, da waren es vor 10 Jahren eigentlich noch rosige Zeiten.
ja, aber das weiß man doch schon längst: Die Konzerne, egal welcher Branche (solange es solche noch gibt), streben nach Konzentration, nach Wachstum der Gewinne und der Macht. Das ist ganz gewöhnlicher Kapitalismus. Durch Gesetze lässt er sich nicht eindämmen. Er bestimmt diese ja!
Vielen Dank für deinen erhellenden Kommentar.
Liebe Grüße aus dem sonnigen, aber etwas windigen Süden des westlichen Nachbarlandes,
Franck
Vor ein paar Monaten - Antworten
Gast Das Nonplusultra aller "nightmares" ... Lieber Louis, geht es dir auch wirklich gut? Du schreibst so plastisch - und nebenbei auch noch lustig und sarkastisch, keine Ahnung, wie du das gleichzeitig hinbekommst -, dass ich mit dir in der Zuckerwüste gelitten habe. Klasse ...
GLG sendet Regina

Vor langer Zeit - Antworten
Bleistift 
Liebe Regina,
Oh' im Geiste habe ich diese Geschichte
in der Tat lange und schwer durchlitten,
denn der Verlust jenes so wunderbaren
Schreibportals an diesen Zuckerkönig
war für mich der eigentliche "nightmares",
worauf ich mich entschloß zu migrieren
um ein anderes Schreibportal zu finden,
ohne seine dominante Vorherrschaft...
Danke fürs Lesen und den tollen Kommentar... :-)
Ach und ja danke auch der Nachfrage,
denn es geht mir hier in dieser Beziehung deutlich besser... ...smile*
LG
Louis :-)
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Hach, na das war ja ein wahrer Albtraum, frei nach dem Motto: "Und willst Du nicht mein Bruder sein, so...." Wieso hab ich das noch nicht gelesen! Muss ich wohl übersehen haben, Dein Zuckergeschichtel...
LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
tooshytowrite Oh wow! Haarscharf dem französischen Morgue-Etikettchen um den grossen Zeh entgangen.
Halali! Tippfehlerchen 'Dann rutschte er auf seinem Allerwertesten den Hang hinab. Unten angekommen, brüllte er mich brutal an, dass es mir durch Mark und Bein fur,' hab ich gefunden. Weil der Mistkerl erst einen markerschütternden Schrei ausstiess, könnte statt fuhr vielleicht 'dass es mir Mark und Bein erschütterte' stehen? Also ich fände das eigentlich witzig. Ja, und jetzt brauch ich BX bestimmt auch gar nicht mehr zu suchen, Mein Blutzuckerspiegel will ich auf keinen Fall in Gefahr bringen!
GGl&herzliche Grüsse sendet dir tooshytowrite
Vor langer Zeit - Antworten
Wortakrobatin Hallo Bleistift :-)
musste erstmal unwillkürlich schmunzeln. :-)
Schön, wie du die Geschichte verpackt hast. Ich denke, wenn man einfach zu dem steht was man schreibt, offen ist für konstruktive Kritik, ohne persönliche Ausuferungen, würde es überall gehen, wenn man sich den "bitteren Rest" den Allerwertesten runterrutschen lässt. :-D
Sei lieb gegrüsst,
die Wortakrobatin
Vor langer Zeit - Antworten
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