Anshale ist ein Mann auf der Suche nach seiner Vergangenheit. In einem Land, zerrissen von einem Religionskrieg zwischen der Numen-Kirche und den Geisterbeschwörern der Kal’ban bleibt ihm jedoch kaum Zeit, seine verlorenen Erinnerungen aufzuspüren. Lediglich Grauer ,der mysteriöse Anführer der Kal’ban, scheint etwas über ihn zu wissen. Als dieser ihn bittet , ihm dabei zu helfen , einige Gefangene zu befreien findet er sich plötzlich direkt zwischen den verfeindeten Fronten wieder. Und auf dem alles entscheidenden
Schlachtfeld von Ebenwald offenbart sich ihm schließlich eine Wahrheit, die ihn zur Entscheidung zwingt.
Kal’ban… der Name hatte schon als Gwenth ihn benutzt hatte etwas Vertrautes gehabt. Es schien, als kämen seine Erinnerungen nur bruchstückhaft zurück. Was war nur mit ihm passiert, das er selbst solche Dinge noch vergessen konnte… ,, Ihr seid also ein Kal’ban. Einer der Geisterrufer.“ , stellte er fest. ,, Ich sehe ihr habt doch nicht alles vergessen.“ , erwiderte Grauer oder Demothi. ,, Und wer bin ich ? Ihr kennt meinen Namen. Anshale.“ Und doch immer noch.
Etwas stimmte damit nicht. ,, Das kann ich nicht wissen.“ Anshale schüttelte den Kopf. Hatte er von der seltsamen Gestalt wirklich eine klare Antwort erwartet? ,, Das ist keine Antwort alter Mann. Und ich bin nicht hier um Rätsel zu raten. Entweder ihr wisst etwas was mir weiterhilft oder ich bin weg.“ ,, Ich kann es noch nicht wissen.“ , antwortete Grauer und stand auf. Als er sich allerdings halb erhoben hatte, griff er sich mit einer Hand ans Herz und erstarrte. Sofort kam Gwenth herbeigerannt und stützte den Mann. Grauer wehrte ihn jedoch mit einer
Handbewegung ab. ,, Es geht schon. Es geht mir gut.“ ,, Nein geht es dir nicht.“ , erwiderte Celcine. ,, Was ist mit euch alter Mann ?“ ,,Oh nur das Alter.“ Mit diesen Worten stand er endgültig auf und trat in den bis auf die Sessel und den Ofen leeren Raum hinein. Anshale musterte Grauer skeptisch. Zwischen der immer noch vor der Brust verkrampften Hand des Wanderers sickerte langsam Blut hervor. Er war sich ziemlich sicher, dass es sonst niemand bemerkte. Das hieß bis auf Celcine. Der Fuchs saß immer noch auf der Sessellehne und wechselte Besorgten
Blick mit ihm. Es war Gwenth, der das Schweigen schließlich brach. ,, Uns läuft die Zeit davon.“ Grauer drehte sich wieder zu ihnen um und nickte. ,, Das stimmt wohl. Und ihr sagt, ihr könnt helfen.“ ,, Ich habe aber eine Bedingung.“ , ermahnte Gwenth ihn. Anshale sah lediglich einen Augenblick zwischen dem Priester und Grauer hin und her. ,, Was habt ihr vor ?“ ,, Das heißt ihr wisst es noch gar nicht ?“ , fragte Gwenth nun. ,, Ihr habt doch gesagt, ihr wartet auf ihn.“ ,, Für was ?“ , verlangte Anshale zu
wissen. ,, Du bist also nicht zufällig hier.“ , stellte Celcine fest. ,, Der Trick ist eben , ein Fuchs zu sein und nicht wie einer zu riechen.“ ,, Hey, das nehme ich persönlich.“ ,, Entschuldigung, ich glaube mir hört hier niemand zu !“ , rief Anshale . ,, Für was habt ihr auch mich gewartet?“ ,, Die Inquisition hat in letzter Zeit damit begonnen noch härter gegen eventuelle Geisterrufer vorzugehen.“ , erklärte Gwenth. ,, Die Gefängnisse der Kirche sind voll mit angeblichen und echten Abtrünnigen.“ Anshale drehte sich weg, Ihm gefiel gar nicht, worauf das hinauslaufen
sollte. ,, Und das die Leute hier sich einfach gefallen ?“ , fragte Celcine. ,, Du hast es doch gesehen.“ Er hätte am liebsten laut gelacht. Wenn die ganze Bevölkerung eines Dorfes zusah, wie drei Männer einen der ihren Töten wollten… Wie konnte es in einem Ort wie diesen viel besser sein? ,, Und ich nehme an, ihr habt vor sie zu befreien ?“ , fragte Anshale. ,, Und ich kann ein zweites Schwert dabei gebrauchen.“ ,, Wieso habe ich das Gefühl, das ihr mich mehr als eine Schachfigur betrachtet alter Mann ?“ ,, Ich bitte euch nur um Hilfe.“ ,,
Und ich weiß nichts über euch. Und ich habe nicht vor mich in einen Krieg zwischen Numen und Kal’ban ziehen zulassen, es mag euch vielleicht entgangen sein, aber ich habe im Augenblick andere Probleme. Worum kämpft ihr überhaupt? “ Grauer sah ihn einen Augenblick unsicher an. ,, Sie glauben an ihre drei Götter und sehen Geister als etwas… böses an.“ Anshale konnte nur den Kopf schütteln. ,, Da gibt es einen Unterschied ?“ ,, Und ob, ich bin real und wenn es Götter gebe müsste ich das ja wissen.“ , erklärte Celcine. ,,Und noch wichtiger, ich drohe niemanden mit dem Tod, weil
er für sich einen eigenen Weg sucht.“ ,, Was verehren die Numen überhaupt ?“ ,, Die drei Götter.“ , antwortete Gwenth, ,, Lexis , Opes und Nex, die sich vor fast 300 Jahren dem ersten Propheten offenbarten. Sie erschufen die Welt. Lexis gab den Menschen die Sprache, Opes lehrte sie die Schmiedekunst und Nex war es, der ihnen die Seele gab um sie von den Geistern und Tieren abzuheben. Die Geister, sind die Wesen, die mit den Göttern im nichts vor der Welt existierten, aber sich gegen diese Auflehnten. Warum auch immer… Unfähig ihre Brüder und Schwestern zu vernichten wurden die Geister zur Erde geschickt, wo sie in Tiergestalt gefangen
wurden. Und seither versuchen sie die Menschen von ihrem Pfad der Erlösung abzubringen und sie dazu zu bringen, einen Bund mit ihnen zu schließen. Den das ist die Botschaft des Propheten: Erst, wenn die ganze Welt die Worte der Numen hört, kann es Frieden geben und in diesem Moment werden die Götter alles Leid beenden.“ ,, Und rechtfertig das noch mehr Leid ?“ , fragte Grauer. ,, Die Kirche scheint das zu Glauben.“ , meinte Gwenth fast entschuldigend. ,, Dafür müsste es Götter erst einmal geben.“ , bemerkte Celcine erneut. ,, Ihr scheint euch des Gegenteiles ziemlich sicher zu sein. Dabei gibt es
Berichte über den Propheten, die einem zu denken geben. Angeblich hatte dieser Mann die Macht Naturgewalten zu kontrollieren. „ ,, Was ihn am Ende nicht vor dem Tod geschützt hat.“ , merkte Grauer an. ,, Wie dem auch sei , er fand schnell viele Anhänger, die sich rasch über die ganze bekannte Welt verteilten. Damals noch friedlich. Ich meine, bis die Kal’ban und die Numen in Weisfeld aufeinandertrafen gab es kaum Spannungen. Aber ich fürchte, die Geister der Kal’ban haben die Numen erschreckt. Den Dämonen des Propheten, plötzlich real zu begegnen… Die alten Kirchendokumente haben keine
Einträge über größere Konflikte oder ähnliches bis dahin.“ ,, Ihr meint, bis auf die Drohung der Inquisition.“ , sagte Grauer kalt. ,, Das ist…. Eine andere Geschichte.“ ,, Ach ist es das ?“ Zum ersten Mal wirkte der Alte wütend und an seiner Seite sprang Celcine auf. Anshale fühlte sich, als wäre plötzlich ein Gewitter in dem kleinen Raum aufgezogen, eine eigene Sturmwolke, die sich um den grauhaarigen Mann vor dem Kamin sammelte. Das flackende Licht des Feuers malte Muster aus Schatten auf die Gesichter aller Anwesenden. ,, Die Inquisition ging von Anfang an gegen
jeden Abweichler vor. Weil sie es nicht ertragen konnten, dass jemand etwas anderes Glaubt als sie. Was glaubt ihr, wie viele Numen zu uns flohen? Wir waren eine Bedrohung, weil wir die Aufnahmen, die nicht der Doktrin eurer Kirche folgten. Und wir taten es bedingungslos. Die Inquisition hat die Kal’ban anfangs nur ignoriert, weil sie uns nicht für eine Bedrohung für ihren Erlösungsplan hielt.“ ,, Ich habe nie gesagt, dass es perfekt war.“ , antwortete der Priester betrübt. ,, Auch der Prophet hatte seine Fehler. Die Idee, das die Götter die Menschen in ein großes Zeitalter führen könnten ist doch nicht
falsch?“ ,, Oh doch, wen die Bedingung ist, das sich ihnen alle Unterwerfen. Und das tun wir nicht. Nicht so lange noch ein Geistrufer da draußen ist. Unsere Traditionen sind Jahrtausende älter als die euren und ich werde…“ ,,Wie viele habt ihr getötet Grauer?“ , unterbrach Gwenth ihn. ,, Wie viel Numen-Blut klebt an euren Händen ? Demothi schien sichtbar in sich zusammenzusinken. ,, Ich zähle nicht mehr Gwenth. Das ist nichts worauf man stolz sein sollte. Auf Beiden Seiten sind schon zu viele gestorben.“ Anshale trat entschlossen zwischen den Priester und Grauer. ,, Hört mal, es ist
mir egal, wer hier wen umgebracht hat. Grauer, Gwenth ist hier um zu helfen. Wer nun von euch mehr Recht hat sauer auf die andere Seite zu sein ist vollkommen unerheblich. Und Gwenth…“ ,,Nein… Grauer hat auf seine Art recht. Ich muss um Verzeihung bitten.“ Gwenth machte eine kompliziert wirkende Geste mit der Hand. ,, Möge der Wind euch tragen.“ Einen Moment wirkte es so, als hätte der Mann vor, die Geste zu ignorieren. Schließlich gab Grauer sich aber anscheinend einen Ruck: ,, Und euch Gwenth. Und euch. Wir sind nicht hier um uns zu streiten. Ihr wollt helfen und
das heiße ich willkommen. Nur… Nach so vielen Jahren ist es selbst für mich schwierig.“ ,, Hey, versetzt euch mal in meine Lage.“ , meinte Anshale. ,, Ich kenn die ganze Geschichte nicht mal mehr. Ich weiß nach wie vor nur das wesentliche über die Numen und die Kal’ban. Und trotzdem muss ich hier anscheinend die Stimme der Vernunft sein.“ ,, Ich schätze, ihr habt nicht grade die besten Erfahrungen mit den Numen gemacht.“ , meinte Gwenth nach wie vor entschuldigend. ,, Die Inquisition und die Kirchenoberen, allen voran der Hohepriester sind so auf die Lehren des Propheten fixiert, das sie kaum sehen,
das es auch andere Wege gibt. Die traditionelle Kirchendoktrin ist einfach nicht, woran ich glaube. Und das wird mir immer wieder bewusst. Aber es gibt auch gutes darin Anshale.“ Dieser konnte sich einen Moment nicht überwinden zu antworten. Was tat er hier eigentlich? Er saß mit zwei Wildfremden zusammen, die sich über ihre Religion stritten. Eine leise Stimme riet ihm, dass er einfach gehen sollte. Das hier ging ihn nicht das Geringste an. ,, Ich habe bisher nichts davon gesehen. Aber auf der anderen Seite Grauer, habe ich auch nichts von euch gesehen. Euer Krieg geht mich nichts
an.“ ,, Wenn das wahr ist, warum hast du Alron dann gerettet ?“ , wollte Celcine wissen. Dieser Fuchs schien einfach eine Begabung dafür zu haben die falschen Fragen zu stellen. Ode die richtigen. ,, Weil…“ Weil ihn etwas ganz anderes kümmerte. Mochten diese Leute glauben, was sie wollten… ,, Ob ich nun auf eurer Seite bin oder nicht, niemand verdient es für seine Überzeugungen eingesperrt oder getötet zu werden.“ ,, Dann werdet ihr uns helfen ?“ ,, Auch wenn ich das Gefühl habe, das ich das bereuen werde.
Ja.“ Gwenth nickte. ,, Danke. Die Gefangenen befinden sich momentan in den Inquisitionshallen. Ich denke, wir sind auf dem Weg hierher daran vorbeigekommen.“ Anshale dachte mit gemischten Gefühlen an den ummauerten Ort zurück. Nur ein Eingang. Und der Großteil der Anlage lag unterirdisch. Das reinste Labyrinth aus Zellen und Verhörräumen. Woher wusste er das? ,, Ich erinnere mich. Bloß werden wir wohl kaum zur Vordertür hereinmarschieren können. ,, Vielleicht doch. Ich kann uns rein bringen.“ , erklärte
Gwenth. ,, Und was genau… habt ihr davon außer einem guten Gewissen ?“ ,, Wie gesagt, ich habe eine einzige Bedingung für meine Hilfe. Meine Familie… teilt meinen Glauben an die Numen nicht. Ich habe sie bisher schützen können aber die Inquisition geht mittlerweile immer brutaler vor. Sie richten jeden hin, den sie für schuldig halten und jeden, bei dem auch nur Verdacht besteht… Die wenigsten verlassen ihre Kerker wieder.“ Anshale seufzte. Natürlich konnte er die Intention des Mannes verstehen, trotzdem würde das nicht unbedingt einfach werden. ,, Ich sehe worauf das
hinausläuft. Über wie viele Personen sprechen wir hier?“ In seinem Kopf ging er durch, an was er sich von der Anlage erinnerte… Aber woher erinnerte? War er einmal dort gefangen gewesen? Es musste einfach so sein. Die andere Alternative gefiel ihm noch weniger. ,, Meine Schwester. Lina.“ Gwenth zog ein aus Holz geschnitztes Amulett aus den Falten seiner Robe und hielt es Grauer hin. ,, Ihr wisst was das ist.“ ,, Ein Geistertotem…“ Der Alte drehte die filigrane Schnitzarbeit einen Augenblick in den Händen. Im Zentrum des Amuletts befand sich der Umriss eines Kolibris. Der Priester nickte. ,, Es gehörte meiner
Mutter. Und die hat es meiner Schwester vermacht. Wohl schon allein wegen meiner… Berufswahl. Wir hatten nicht mehr viel Kontakt.“ Anshale konnte nur den Kopf schütteln. ,, Selbst wenn ich eure Ansichten nicht teilen kann. Die Entscheidung stand euch doch wohl frei.“ ,, Und wie seit ihr dann daran gekommen ?“ , fragte Celcine. ,, Die Inquisition hat sie damit erwischt. Dummes Kind…“ ,, Kind ? Wie alt genau ist Lina?“ ,, Zwölf… Ich .. ach verdammt. Ich hätte einfach aufpassen müssen, dann wäre das alles nichtpassiert. Ich hätte das Amulett vernichten
sollen.“ Anshale konnte nicht anders, als Mitleid mit dem Priester zu haben. Auf der einen Seite stand er einem intelligenten jungen Mann gegenüber, auf der anderen einer zutiefst zerrütteten Gestalt. ,,Euch Trift doch daran keine Schuld.“ ,, Und ob es das tut. Ich hatte die Gelegenheit, ich wusste was passieren konnte und ich habe nichts getan. Und jetzt… muss ich euch bitten nicht zulassen, dass das Blut meiner eigenen Schwester an meinen Händen klebt…“ Celcine sah den Priester nur einen Augenblick fassungslos an. ,, Die Inquisition würde ein Kind hinrichten ?“ Gwenth nickte
lediglich.
,, Und wenn du denkst, tiefer kannst ein Mensch nicht mehr fallen, kommt jemand und drückt dir eine Schaufle in die Hand.“ , murmelte Grauer.
Anshale drehte sich verwirrt zu dem Alten um. Dessen Saphirblaue Augen blieben die ganze Zeit über auf Gwenth gerichtet.
EagleWriter Tja... Ich persönlich bin mit dem Kapitel noch nicht so zufrieden... Kommt selten genug vor, aber ich werds nochmal überarbeiten. . ich glaube das gibt nen Reupload. lg E:W |